Morgenkreis (2)
Der Morgenkreis ist ein morgendliches Ritual. Er dient zur Einstimmung auf den Schulvormittag, dem Sich-wieder-Einfinden in die soziale Gruppe der Klasse, der Möglichkeit des Wiedererlangens der Geborgenheit in dieser Gruppe im Sinne einer Nische, die Vertrauen und Geborgenheit spendet. Für die Schulkinder ist der Morgenkreis ein eingeübtes Ritual, das ihnen Sicherheit geben und das Gemeinschaftsgefühl stärken soll. Vielfach werden dem Morgenkreis bestimmte Inhalte zugeordnet. Die Varianten von didaktisch-methodischen Morgenkreisinhalten sind fast unerschöpflich.
Organisation
Die gesamte Klasse versammelt sich zu Beginn der ersten gemeinsamen Stunde mit der Klassenlehrerin in einem Kreis. Die Stühle und Tische des Klassenraums werden an den Rand gestellt, damit man genug Platz für den Kreis bekommt. Die Kinder setzen sich mit ihren Kissen in einen Kreis. Dazu muss eine geeignete Sitzordnug bestehen, sodass Stühle und Tische ohne großen Zeitaufwand verschoben werden können. Die Einübung kann spielerisch erfolgen, zum Beispiel durch Zeitmessung oder durch kleine Belohnungen.
Begrüßungsritual
Am Anfang des Morgenkreises sollte ein Begrüßungsritual seinen festen Platz haben. Oftmals beginnt die Lehrerin den Morgenkreis mit einem Lied, einem Spiel oder einem Gedicht.Im Anschluss dürfen die Kinder erzählen,wie es ihnen heute Morgen geht und was sie bewegt.Oft müssen auch Streitereien und Missverständnisse aus dem Fachunterricht oder der Pause geklärt werden. An einem Montag dürfen einzelne Kinder von ihrem Wochenende berichten. Steht ein Geburtstag an, so kann auch dieser seinen Platz im Morgenkreis finden.
Das Erzählen
Das Erzählen unterliegt bestimmten Regeln, die zuvor mit den Kindern erarbeitet wurden:
1. Es darf stets nur ein Kind reden.
2. Jedes Kind darf gehört werden.
3. Niemand wird ausgelacht.
4. Eine Zwischenfrage wird durch ein bestimmtes Handzeichen signalisiert.
Wichtig ist auch, dass der Morgenkreis keinen Zwangscharakter bekommt. Die Kinder sollen sich wohlfühlen. Aus diesem Grund ist ein erhöhtes Mitspracherecht der Kinder wichtig.Die Kinder sollten Gestaltungsvorschläge nennen dürfen. Diese werden gesammelt und dann wird im Anschluss über sie abgestimmt. Der Vorschlag mit den meisten Stimmen wird im nächsten Morgenkreis realisiert.
Morgenkreis als Gegengewicht zur multimedialen Berieselung
Der Erzählkreis am Beginn jedes Tages dient auch als Gegengewicht zur mulimedialen Berieselung, die unsere Kinder aus dem nicht schulischen Alltag gewöhnt sind. Im Morgenkreis heißt es dann zurückzuschalten auf die reizärmeren Sinneseindrücke des rein verbal Gebotenen, auf das Wort der Grundschullehrein und der anderen Kinder.
Morgenkreismitte
Manchmal kann in der Mitte des Morgenkreises auch ein kleiner Tisch mit einer Duftkerze, einer Schale oder einer Vase stehen. Interessante Objekte für die Morgenkreismitte können sein: Kristalle,Glaskugeln,Kiefernzapfen,Muscheln,Schneckenhäuser,Federn,etc.
Quellen:
Rituale als Helfer im Grundschulalltag von Birgit Jackel, borgmannVerlag 1999
1000 Rituale für die GrundSchule von Astrid Kaiser, Schneider Verlag HohengehrenGmbH 2001