Assimilation und Akkomodation

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Jean Piaget

Jean Piaget (* 9. August 1896 in Neuchâtel; † 16. September 1980 in Genf) war ein Schweizer Entwicklungspsychologe aber ursprünglich Biologe. Er arbeitete als Direktor des Psychologischen „Institut des Science de l´Education“ und des „Bureau International de l´Education“ in Genf . Piaget war außerdem Gründer des "Centre International d' Épistémologie", ebenfalls in Genf.

Jean Piagets Arbeit wurde mit über 30 Ehrendoktoraten und zahlreichen internationalen Auszeichnungen gewürdigt. Er wurde durch seine "konstruktivistische"[1] Stadientheorie der Entwicklung und durch seine grundlegenden Annahmen über den Aufbau von Erkenntnis bekannt. Ich werde im Folgenden auf die Grundbegriffe „Assimilation“ und „Akkommodation“ eingehen.


Gedankliche Ansätze

Piagets Wissenschaftstheorie unterscheidet sich von dem klassischen Behaviorismus, der Anfang des 20. Jahrhunderts dominierte. Er vertrat den Konstruktivismus und kritisierte das Reiz-Reaktionsschema des klassischen Behaviorismus und die Konzeption des Lernens als Konditionierung und Habituation.[2]


Kognitive Funktionen: Assimilation und Akkommodation

Im Zentrum der Theorie von Piaget stehen zwei funktionale Prozesse: Assimilation und Akkommodation. Akkommodation kann niemals getrennt und unabhängig von Assimilation auftreten. Sie sind komplementär zueinander aber auch widerläufig. Durch den Organismus wird eine Äquilibration, d.h. ein Gleichgewicht, zwischen ihnen angestrebt. Assimilation und Akkommodation sind Teilprozesse der Adaptation[3]. Sie werden durch Reifung, Erfahrung und Erziehung angeregt.

Im Austauschverhältnis zwischen Welt und Umwelt findet man sowohl die Anpassung des eigenen Verhaltens an die Umwelt, als auch die Anpassung der Außenwelt an das eigene Verhalten. Auf beide Zustände wird in den folgenden Ausführungen anhand von Beispielen eingegangen.

„Explizit bedeutet Assimilation soviel wie kognitive Integration von Umwelteinflüssen und Akkommodation in etwa die Modifikation der Schemata[4] im Angesicht dieser Umwelteinflüsse.“[5] Die Akkommodation wird folglich dann angewendet, wenn die Assimilation der bereits aufgebauten kognitiven Strukturen an der realen Situation scheitert.


Assimilation nach Jean Piaget

Bei der Assimilation (von lateinisch similis „ähnlich“) werden aus vielen Beispielen und Wahrnehmungen Regeln abgeleitet. Die Umweltstruktur wird an den jeweiligen Entwicklungsstand der Handlungs- und Denkstrukturen des Individuums angepasst. „Objekte und Ereignisse werden so behandelt und aufgefasst, dass sie „für die eigenen Strukturen passend“ werden.“[6]

Ein Beispiel hierfür bietet die Erfassung und Deutung der Mimik: Schon nach wenigen Monaten erkennt ein Baby ein Lächeln, da es dieses bereits in vielen Gesichtern wahrgenommen hat und Regeln für die Kennzeichen eines Lächelns gebildet hat. Diese Fähigkeit Muster zu identifizieren ist auf die Anknüpfung des Gehirns auf Bekanntes zurück zu führen. „Bestimmte Informationen aus der kognitiven Auswertung erzeugen immer gleiche Muster. Diese können mit Erinnerungen und Emotionen verknüpft werden, welche ein ähnliches Gefühl oder Verhalten hervorrufen.“[7] Jeder Mensch erfasst diesen Lernprozess anders, aufgrund biologisch vorgegebener Begebenheiten. Piaget beschreibt Lernen und Informationsaustausch also nicht als Kopieren von Informationen. Es geht um Anpassung an bereits vorhandenes; Assimilation.

Ein weiteres Beispiel ist das „Hunde-Schema“: Ein Kind sieht ein wuscheliges, vierbeiniges Wesen (Hund). Die Mutter betitelt dieses als Hund. Als das Kind später Schafe auf einer Wiese sieht, sagt es: „Hund!“ Das Kind hat alle vierbeinigen, wuscheligen Lebewesen unter dem Namen „Hund“ abgespeichert und wendet dieses Wissen nun an.


Akkommodation nach Jean Piaget

Im Gegensatz zu der Assimilation, bei der das Kind einen neuen Sachverhalt an ein vorhandenes Schema anpasst, kann es anhand der Akkommodation (von lateinisch accomodare „anpassen“, „adaptieren“, „anlegen“, „festmachen“) neue Erkenntnisse verarbeiten, indem es das bereits bekannte Schema erweitert.

An das vorangegangene „Hunde-Schema“ anschließend, wendet sich das Kind bei der Akkommodation davon ab, jedes vierbeinige, wuschelige Wesen, aufgrund der optischen Ähnlichkeit, als „Hund“ zu identifizieren. Das Kind legt nun weitere detaillierte Schemata an um genauer zu Unterscheiden. Geht es später z.B. durch einen Zoo, sieht es dort eine Menge neuer Tierformen. Es lernt Lebewesen kennen, die lange Hälse, kleine Beine, nur zwei Beine haben etc. Mit dem „Hunde-Schema“ kann das Kind diese neuen Formen nicht mehr verarbeiten bzw. assimilieren. Es muss sich selbst den neuen Eindrücken angleichen, muss akkommodieren. Die Akkommodation tritt also dann ein, wenn die Assimilation scheitert.


Zusammenfassendes Beispiel:

Ein weiteres Beispiel, das sowohl Assimilation, als auch Akkommodation beinhaltet, ist der Greifakt des Kindes: Das Kind kommt mit einem Greifreflex zur Welt. Diese Assimilationsbewegung wird zunächst an einem Objekt immer wieder "geübt". Wenn das Kind anderen Gegenständen begegnet, werden diese ebenso an das „Greif-Schema“ assimiliert. Beim Versuch eines Kleinkindes, Wasser zu greifen muss das ausgebildete Greifschema dem neuen Gegenstand angepasst, also akkommodiert, werden. Indem das Kind lernt das Wasser mit der Handfläche zu schöpfen, entwickelt es ein neues Schema: Das „Schöpf-Schema“. „Die Anpassung der geistigen Strukturen an die Komplexität der Umwelt findet also in einem Prozess der zunehmenden Differenzierung statt.“[8]

(Erstautorin: Katja Heichen)


Quellenangabe

Als Vorlage; zu bearbeitende Texte:

http://de.wikipedia.org/wiki/Akkommodation_(Lernpsychologie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Akkommodation_(Erkenntnistheorie)

http://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Piaget

http://de.wikipedia.org/wiki/Assimilation_(Lernpsychologie)


Quellen zur Verbesserung/Überarbeitung der vorliegenden Texte:

Psychologische Grundlagen v. Erziehung, Bildung und Unterricht – READER für Studierende 2008, S.18-21

FAMILIEN LEXIKON, Isis Verlag AG , Chur/Schweiz 1993, 4 NES-SIM S.1041/1042

DUDEN Das Lexikon der Allgemeinbildung, 2. Auflage, 1998, S. 365/366


Fußnoten

  1. Nach dem Konstruktivismus wird menschliches Wissen, Erkenntnis und Handlungsfähigkeit durch die Auseinandersetzung einer Person mit seiner Umwelt aktiv konstruiert.
  2. Die Grundannahmen des Behaviorismus sind, dass der Mensch lernt, indem er auf bestimmte Reize in bestimmter Weise reagiert, sein Verhalten also nach äußeren Bedingungen ausrichtet. Konditionierung=Antrainieren bestimmter Verhaltensweisen mithilfe von Belohnung/Strafe.
  3. Adaption: Tendenz sich aktiv der Umwelt anzupassen (psychisch und physisch)
  4. Nach Piaget ist ein Schemata ein geordnetes Verhaltens- und Denkmuster, eine Verallgemeinerung oder Abstraktion von Aktivitäten (Operationen), welche in bestimmten formalen Merkmalen übereinstimmen.
  5. Zitat von Wikipedia.
  6. Zitat aus dem READER (s.u.)
  7. Zitat Wikipedia „Assimilation“
  8. Zitat READER