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	<title>SozFra - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-24T11:43:51Z</updated>
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		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4704</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-10T18:16:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Resumée */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist ferner, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, wurde als Skandal empfunden. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings ist es problematisch, daraus die These abzuleiten, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag. Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden. Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot;. Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten in der rebellischen Phase um 1968 jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Fassetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4703</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-10T18:15:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* An der Frankfurter Universität */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist ferner, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, wurde als Skandal empfunden. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings ist es problematisch, daraus die These abzuleiten, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag. Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden. Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot;. Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten in der rebellischen Phase um 1968 jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Fassetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4702</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4702"/>
		<updated>2008-07-10T18:11:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Kritische Gesellschaftstheorie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist ferner, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, wurde als Skandal empfunden. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings ist es problematisch, daraus die These abzuleiten, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot;. Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten in der rebellischen Phase um 1968 jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Fassetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4701</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-10T18:10:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Deutschland in den 1960er Jahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bemerkenswert ist ferner, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, wurde als Skandal empfunden. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings ist es problematisch, daraus die These abzuleiten, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot;. Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten in der rebellischen Phase um 1968 jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Fassetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4700</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T10:26:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Resumée */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Ulrich Oevermann erklärt das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern tatsächlich nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot;. Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten in der rebellischen Phase um 1968 jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Fassetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4699</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T10:14:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Resumée */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Ulrich Oevermann erklärt das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern tatsächlich nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß größtenteils wohl erst durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4698</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T10:09:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* An der Frankfurter Universität */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Ulrich Oevermann erklärt das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern tatsächlich nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4697</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T10:05:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Kritische Gesellschaftstheorie */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Ulrich Oevermann erklärt das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern tatsächlich nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, diesem Bedarf nachzukommen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; aus dem Jahre 1947, sowie Adornos &amp;quot;Negative Dialektik&amp;quot; von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie &amp;quot;Triebstruktur und Gesellschaft&amp;quot; (1955), &amp;quot;Der eindimensionale Mensch&amp;quot; (1964), der Essay zur &amp;quot;Repressiven Toleranz&amp;quot; (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Erich Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Publikationen der Kritischen Theorie. Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“  Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift &amp;quot;Traditionelle und Kritische Theorie&amp;quot; von Max Horkheimer verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung &amp;quot;Dialektik der Aufklärung&amp;quot; wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Arbeit verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging beispielsweise davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz &amp;quot;Autoritärer Staat&amp;quot;, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx sie propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== An der Frankfurter Universität ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Intentionen hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückte. Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.  Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Schnädelbach macht in unserem Interview auf die Diskrepanz im Adorno-Bild aufmerksam, wie nämlich er selbst es wahrgenommen hatte, und wie es ihm in Gesprächen mit damaligen Kollegen vermittelt wurde. „Links der Zeppelinallee“ wurden die großen Projekte des Instituts für Sozialforschung mit entsprechenden Studien durchgeführt. Angesichts der personellen Ausstattung herrschten große klimatische Unterschiede zwischen dem Institut für Sozialforschung und dem Philosophischen Seminar. „Wir hatten eigentlich gar keine Ahnung, was im Institut für Sozialforschung betrieben wurde. Man ging ins Soziologische Proseminar, das Adorno hielt und da war der Unterschied doch sehr deutlich. Das Bild, dass es eigentlich zwei Adornos gab, hat sich mir dann im Nachhinein so dargestellt.“  In einem Gespräch mit Ludwig von Friedeburg ergab sich für Schnädelbach ein abweichendes Bild von Adorno, da dieser im IfS reformistisch war und sich um die Lehrerausbildung und Soziologenausbildung gekümmert hatte. Zudem habe Adorno Aufsätze zur Vergangenheitsbewältigung geschrieben. Aufgrund dieser Bemerkung von von Friedeburg kam Schnädelbach zu dem Schluss, „dass es offenbar zwei Adornos gegeben hat. Also einmal rechts der Zeppelinallee und einmal links der Zeppelinallee. Also einmal im philosophischen Seminar, wo das unendliche Grauen und die absolute Negativität unter Sprache ist, das als das Unwahre zelebriert wurde und auf der anderen Seite der Zeppelinallee, nämlich im Institut für Sozialforschung, da wurde linke reformistische Politik betrieben.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4696</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T09:56:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Deutschland in den 1960er Jahren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits kulturelle Errungenschaften, die man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits konstatierten konservative Zeitzeugen einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Ulrich Oevermann erklärt das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern tatsächlich nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, dieses Verlangen zu verwirklichen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die Dialektik der Aufklärung aus dem Jahre 1947, sowie Adornos Negative Dialektik von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie Triebstruktur und Gesellschaft (1955), Der eindimensionale Mensch (1964), der Essay zur Repressiven Toleranz (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Büchern der Kritischen Theorie. „Vor allem der im kalifornischen Exil lebende Herbert Marcuse, (...) wurde schon früh ein theoretischer Stichwortgeber für die antiautoritäre Linke.&amp;quot;  Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt im Gegenzug, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“   Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift Traditionelle und Kritische Theorie Horkheimers verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussierte, die man als Objekt eben dieser selbst kreiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung Dialektik der Aufklärung, wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Propaganda verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz Autoritärer Staat, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx ihn propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
An der Frankfurter Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Eingebung hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückten. Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt in dem von uns durchgeführtem Interview sehr schön, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.   Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Schnädelbach macht in unserem Interview auf die Diskrepanz im Adorno-Bild aufmerksam, wie nämlich er selbst es wahrgenommen hatte, und wie es ihm in Gesprächen mit damaligen Kollegen vermittelt wurde. „Links der Zeppelinallee“ wurden die großen Projekte des Instituts für Sozialforschung mit entsprechenden Studien durchgeführt. Angesichts der personellen Ausstattung herrschten große klimatische Unterschiede zwischen dem Institut für Sozialforschung und dem Philosophischen Seminar. „Wir hatten eigentlich gar keine Ahnung, was im Institut für Sozialforschung betrieben wurde. Man ging ins Soziologische Proseminar, das Adorno hielt und da war der Unterschied doch sehr deutlich. Das Bild, dass es eigentlich zwei Adornos gab, hat sich mir dann im Nachhinein so dargestellt.“  In einem Gespräch mit Ludwig von Friedeburg ergab sich für Schnädelbach ein abweichendes Bild von Adorno, da dieser im IfS reformistisch war und sich um die Lehrerausbildung und Soziologenausbildung gekümmert hatte. Zudem habe Adorno Aufsätze zur Vergangenheitsbewältigung geschrieben. Aufgrund dieser Bemerkung von von Friedeburg kam Schnädelbach zu dem Schluss, „dass es offenbar zwei Adornos gegeben hat. Also einmal rechts der Zeppelinallee und einmal links der Zeppelinallee. Also einmal im philosophischen Seminar, wo das unendliche Grauen und die absolute Negativität unter Sprache ist, das als das Unwahre zelebriert wurde und auf der anderen Seite der Zeppelinallee, nämlich im Institut für Sozialforschung, da wurde linke reformistische Politik betrieben.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4695</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T09:44:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Erkenntnisinteresse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und - damit verbunden - das Recht auf Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits Errungenschaften wie das Farbfernsehen, die Entstehung einer Rockmusikkultur mit herausragenden Vertretern wie den Beatles oder Chubby Checker, was man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits gab es laut Zeitzeugen, einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Der Soziologie- und Sozialpsychologieprofessor Ulrich Oevermann erklärt sich das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vergleichbarer, politisch motivierter Generationenkonflikt vollzog sich in den USA angesichts des Vietnamkrieges. Nach der französischen Niederlage 1954 gegen die Unabhängigkeitskämpfer in Vietnam, engagierten sich die Vereinigten Staaten zunehmend im Süden des Landes gegen die Vietcong-Rebellen, welche eine Vereinigung mit dem kommunistischen Norden anstrebten. Nach einem Flächenbombardement in Nordvietnam, sowie großflächiger Entlaubung im Süden, um dem Vietcong die Angriffsfläche zu nehmen, gewann jener dennoch die Oberhand. Angesichts der 40 000 Opfer auf der Seite der USA entwickelte sich eine mächtige Antikriegsbewegung in den 1960er Jahren. Radikale amerikanische Kriegsgegner demonstrierten in zahlreichen Städten gegen die amerikanische Beteiligung am Krieg in Übersee. „Der Vietnamkrieg galt für die jugendliche Protestbewegung in der gesamten westlichen Welt als Beweis für den Verrat aller humanitären Ideale durch die westlichen Kriegsparteien.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, der 1968/69 ein Studienjahr an der New School for Social Research in New York verbrachte, berichtet seine Erinnerungen an die 68er-Revolte aus der Perspektive eines Deutschen in den Vereinigten Staaten. „Das war für mich sehr lehrreich, weil die gleiche Opposition auch dort agierte, natürlich gegen den Vietnamkrieg noch viel mehr (...) und ich fand, dass die politische Orientierung dort viel rationaler war als bei uns, obwohl diese keineswegs sanft war. Die haben auch ihre Regierung ganz schön angegriffen und an der New School for Social Research gab es ohnehin eine Tradition von Antinazis, Antifaschisten und Linken. Da waren noch einige, die aus dem Dritten Reich geflohen waren. Sie waren emeritiert, aber kamen noch zu Veranstaltungen.“ Die Situation in Deutschland hingegen beschreibt Fetscher als eher gedämpfter und weniger radikal als in den Staaten: „Andere waren immerhin, sagen wir mal, nicht radikal ablehnend. Sie sagten: ‚Gut, wir verstehen das. Sie sind enttäuscht, dass das Land sich nicht radikaler verändert hat.' Der Eindruck war ja nicht ganz unberechtigt, da man dachte: Die Nazis sind weg, aber jetzt kommen die alten Herren wieder. Jetzt kommen die Überlebenden aus der Weimarer Republik an die Lehrstühle. Statt Adorno war es dann eben Adenauer, der das repräsentierte, oder Ludwig Erhard. (...) Es waren sicher keine demokratischen Neuerer, weder Adenauer noch Ludwig Erhard, noch die Anderen, zum Beispiel der erste Präsident Theodor Heuss: Der hatte noch 1933 für die Machtergreifung gestimmt. Es hatten ja alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten und Sozialdemokraten das Ermächtigungsgesetz unterstützt und da war er halt dabei. Und die Katholiken natürlich auch. Die hatten dann gleich das große Konkordat beschlossen im Juni 1933.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Naumann, Politiker und Journalist, durchleuchtet die Studentenrevolte aus einer weiteren Perspektive und sieht in der 68er-Bewegung eine zum ersten Mal stattfindende Hinterfragung der Identitätsstiftung, die bis heute nicht völlig nachgelassen habe: „Spätestens nach 1945 gab es aus gutem Grund eine Vertrauenskrise zwischen Bürger und Staat. Dies ist bis heute nicht völlig verschwunden. Und wie überwindet man sie? Zum Beispiel durch gesellschaftliche und historische Debatten, die um die Frage kreisen: Wer sind wir? Und diese Frage wurde uns von den 68ern das erste Mal nach dem Krieg schmerzhaft und nachhaltig gestellt.“  Offen für neue Dinge wollte man sein und gleichzeitig mehr Mitspracherecht besitzen. Nicht mehr nur zuschauen, was auf der Bühne des Lebens geschieht, sondern selbst agieren, lautete die Devise. Dieses Selbstbestimmungsinteresse offenbarte sich sowohl in der Interaktion innerhalb der Familie als auch im größeren politischen Kontext. Antiautoritäre Bewegungen fanden großen Zuspruch, da die „Mentalität des Obrigkeitsstaats damals noch nicht verwelkt war“ , so Naumann. Die oben angeschnittenen Umwälzungen in der Gesellschaft, welche letztlich als Probleme identifiziert wurden, belasteten traditionelle autoritäre Beziehungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Selbstvertrauen, welches man aus dem Aufschwung der Marktwirtschaft und der damit verbundenen Steigerung des Wohlstands entwickelte, kam mehr und mehr zum Vorschein. Während sich die Gesellschaft von einer industriellen zu einer post-industriellen Gesellschaft entwickelte, fand nahezu jeder Arbeitssuchende eine Anstellung. Das verlängerte Wochenende, als Folge der Einführung des arbeitsfreien Samstags, bedeutete die Möglichkeiten, mehr Freizeit mit der Familie zu verbringen. Parallel dazu offenbarte sich auch ein Trend zur weiblichen Emanzipation, der sich vor allem in dem Strukturwandel der Frauenerwerbstätigkeit widerspiegelte. In den Jahren 1960 bis 1970 stieg der Anteil an Beamtinnen und Angestellten auf nahezu 40 Prozent an.  Während die Zahl an gewöhnlichen Arbeiterinnen sank, stieg die Erwerbstätigkeit der Frauen in damals klassischen Männerberufen. Einher ging dieser Wandel mit der Veränderung der klassischen Familienstruktur: Mütter waren nun nicht mehr nur Hausfrauen, sondern trugen durch außerfamiliäre Beschäftigungen zum Einkommen der Familie bei. Zugleich musste der Nachwuchs jedoch tagsüber in Kinderkrippen oder Spielstuben untergebracht werden, weshalb der Begriff „Schlüsselkinder“ aufkam. Mit dem Erlass des Gleichberechtigungsgesetzes im Jahre 1957 war die Gleichstellung der Frau gesetzlich besiegelt und somit ein wichtiger Grundpfeiler für die nachfolgende Emanzipation gesteckt worden. Solche und zahlreiche weitere technische und emanzipatorische Errungenschaften führten schließlich zu einer Transformation in eine Medien- und Konsumgesellschaft.&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, dieses Verlangen zu verwirklichen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die Dialektik der Aufklärung aus dem Jahre 1947, sowie Adornos Negative Dialektik von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie Triebstruktur und Gesellschaft (1955), Der eindimensionale Mensch (1964), der Essay zur Repressiven Toleranz (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Büchern der Kritischen Theorie. „Vor allem der im kalifornischen Exil lebende Herbert Marcuse, (...) wurde schon früh ein theoretischer Stichwortgeber für die antiautoritäre Linke.&amp;quot;  Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt im Gegenzug, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“   Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift Traditionelle und Kritische Theorie Horkheimers verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussierte, die man als Objekt eben dieser selbst kreiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung Dialektik der Aufklärung, wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Propaganda verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz Autoritärer Staat, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx ihn propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
An der Frankfurter Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Eingebung hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückten. Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt in dem von uns durchgeführtem Interview sehr schön, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.   Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Schnädelbach macht in unserem Interview auf die Diskrepanz im Adorno-Bild aufmerksam, wie nämlich er selbst es wahrgenommen hatte, und wie es ihm in Gesprächen mit damaligen Kollegen vermittelt wurde. „Links der Zeppelinallee“ wurden die großen Projekte des Instituts für Sozialforschung mit entsprechenden Studien durchgeführt. Angesichts der personellen Ausstattung herrschten große klimatische Unterschiede zwischen dem Institut für Sozialforschung und dem Philosophischen Seminar. „Wir hatten eigentlich gar keine Ahnung, was im Institut für Sozialforschung betrieben wurde. Man ging ins Soziologische Proseminar, das Adorno hielt und da war der Unterschied doch sehr deutlich. Das Bild, dass es eigentlich zwei Adornos gab, hat sich mir dann im Nachhinein so dargestellt.“  In einem Gespräch mit Ludwig von Friedeburg ergab sich für Schnädelbach ein abweichendes Bild von Adorno, da dieser im IfS reformistisch war und sich um die Lehrerausbildung und Soziologenausbildung gekümmert hatte. Zudem habe Adorno Aufsätze zur Vergangenheitsbewältigung geschrieben. Aufgrund dieser Bemerkung von von Friedeburg kam Schnädelbach zu dem Schluss, „dass es offenbar zwei Adornos gegeben hat. Also einmal rechts der Zeppelinallee und einmal links der Zeppelinallee. Also einmal im philosophischen Seminar, wo das unendliche Grauen und die absolute Negativität unter Sprache ist, das als das Unwahre zelebriert wurde und auf der anderen Seite der Zeppelinallee, nämlich im Institut für Sozialforschung, da wurde linke reformistische Politik betrieben.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4694</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T09:41:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Quellenverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und damit verbunden, die Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus, sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits Errungenschaften wie das Farbfernsehen, die Entstehung einer Rockmusikkultur mit herausragenden Vertretern wie den Beatles oder Chubby Checker, was man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits gab es laut Zeitzeugen, einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Der Soziologie- und Sozialpsychologieprofessor Ulrich Oevermann erklärt sich das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vergleichbarer, politisch motivierter Generationenkonflikt vollzog sich in den USA angesichts des Vietnamkrieges. Nach der französischen Niederlage 1954 gegen die Unabhängigkeitskämpfer in Vietnam, engagierten sich die Vereinigten Staaten zunehmend im Süden des Landes gegen die Vietcong-Rebellen, welche eine Vereinigung mit dem kommunistischen Norden anstrebten. Nach einem Flächenbombardement in Nordvietnam, sowie großflächiger Entlaubung im Süden, um dem Vietcong die Angriffsfläche zu nehmen, gewann jener dennoch die Oberhand. Angesichts der 40 000 Opfer auf der Seite der USA entwickelte sich eine mächtige Antikriegsbewegung in den 1960er Jahren. Radikale amerikanische Kriegsgegner demonstrierten in zahlreichen Städten gegen die amerikanische Beteiligung am Krieg in Übersee. „Der Vietnamkrieg galt für die jugendliche Protestbewegung in der gesamten westlichen Welt als Beweis für den Verrat aller humanitären Ideale durch die westlichen Kriegsparteien.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, der 1968/69 ein Studienjahr an der New School for Social Research in New York verbrachte, berichtet seine Erinnerungen an die 68er-Revolte aus der Perspektive eines Deutschen in den Vereinigten Staaten. „Das war für mich sehr lehrreich, weil die gleiche Opposition auch dort agierte, natürlich gegen den Vietnamkrieg noch viel mehr (...) und ich fand, dass die politische Orientierung dort viel rationaler war als bei uns, obwohl diese keineswegs sanft war. Die haben auch ihre Regierung ganz schön angegriffen und an der New School for Social Research gab es ohnehin eine Tradition von Antinazis, Antifaschisten und Linken. Da waren noch einige, die aus dem Dritten Reich geflohen waren. Sie waren emeritiert, aber kamen noch zu Veranstaltungen.“ Die Situation in Deutschland hingegen beschreibt Fetscher als eher gedämpfter und weniger radikal als in den Staaten: „Andere waren immerhin, sagen wir mal, nicht radikal ablehnend. Sie sagten: ‚Gut, wir verstehen das. Sie sind enttäuscht, dass das Land sich nicht radikaler verändert hat.' Der Eindruck war ja nicht ganz unberechtigt, da man dachte: Die Nazis sind weg, aber jetzt kommen die alten Herren wieder. Jetzt kommen die Überlebenden aus der Weimarer Republik an die Lehrstühle. Statt Adorno war es dann eben Adenauer, der das repräsentierte, oder Ludwig Erhard. (...) Es waren sicher keine demokratischen Neuerer, weder Adenauer noch Ludwig Erhard, noch die Anderen, zum Beispiel der erste Präsident Theodor Heuss: Der hatte noch 1933 für die Machtergreifung gestimmt. Es hatten ja alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten und Sozialdemokraten das Ermächtigungsgesetz unterstützt und da war er halt dabei. Und die Katholiken natürlich auch. Die hatten dann gleich das große Konkordat beschlossen im Juni 1933.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Naumann, Politiker und Journalist, durchleuchtet die Studentenrevolte aus einer weiteren Perspektive und sieht in der 68er-Bewegung eine zum ersten Mal stattfindende Hinterfragung der Identitätsstiftung, die bis heute nicht völlig nachgelassen habe: „Spätestens nach 1945 gab es aus gutem Grund eine Vertrauenskrise zwischen Bürger und Staat. Dies ist bis heute nicht völlig verschwunden. Und wie überwindet man sie? Zum Beispiel durch gesellschaftliche und historische Debatten, die um die Frage kreisen: Wer sind wir? Und diese Frage wurde uns von den 68ern das erste Mal nach dem Krieg schmerzhaft und nachhaltig gestellt.“  Offen für neue Dinge wollte man sein und gleichzeitig mehr Mitspracherecht besitzen. Nicht mehr nur zuschauen, was auf der Bühne des Lebens geschieht, sondern selbst agieren, lautete die Devise. Dieses Selbstbestimmungsinteresse offenbarte sich sowohl in der Interaktion innerhalb der Familie als auch im größeren politischen Kontext. Antiautoritäre Bewegungen fanden großen Zuspruch, da die „Mentalität des Obrigkeitsstaats damals noch nicht verwelkt war“ , so Naumann. Die oben angeschnittenen Umwälzungen in der Gesellschaft, welche letztlich als Probleme identifiziert wurden, belasteten traditionelle autoritäre Beziehungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Selbstvertrauen, welches man aus dem Aufschwung der Marktwirtschaft und der damit verbundenen Steigerung des Wohlstands entwickelte, kam mehr und mehr zum Vorschein. Während sich die Gesellschaft von einer industriellen zu einer post-industriellen Gesellschaft entwickelte, fand nahezu jeder Arbeitssuchende eine Anstellung. Das verlängerte Wochenende, als Folge der Einführung des arbeitsfreien Samstags, bedeutete die Möglichkeiten, mehr Freizeit mit der Familie zu verbringen. Parallel dazu offenbarte sich auch ein Trend zur weiblichen Emanzipation, der sich vor allem in dem Strukturwandel der Frauenerwerbstätigkeit widerspiegelte. In den Jahren 1960 bis 1970 stieg der Anteil an Beamtinnen und Angestellten auf nahezu 40 Prozent an.  Während die Zahl an gewöhnlichen Arbeiterinnen sank, stieg die Erwerbstätigkeit der Frauen in damals klassischen Männerberufen. Einher ging dieser Wandel mit der Veränderung der klassischen Familienstruktur: Mütter waren nun nicht mehr nur Hausfrauen, sondern trugen durch außerfamiliäre Beschäftigungen zum Einkommen der Familie bei. Zugleich musste der Nachwuchs jedoch tagsüber in Kinderkrippen oder Spielstuben untergebracht werden, weshalb der Begriff „Schlüsselkinder“ aufkam. Mit dem Erlass des Gleichberechtigungsgesetzes im Jahre 1957 war die Gleichstellung der Frau gesetzlich besiegelt und somit ein wichtiger Grundpfeiler für die nachfolgende Emanzipation gesteckt worden. Solche und zahlreiche weitere technische und emanzipatorische Errungenschaften führten schließlich zu einer Transformation in eine Medien- und Konsumgesellschaft.&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, dieses Verlangen zu verwirklichen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die Dialektik der Aufklärung aus dem Jahre 1947, sowie Adornos Negative Dialektik von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie Triebstruktur und Gesellschaft (1955), Der eindimensionale Mensch (1964), der Essay zur Repressiven Toleranz (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Büchern der Kritischen Theorie. „Vor allem der im kalifornischen Exil lebende Herbert Marcuse, (...) wurde schon früh ein theoretischer Stichwortgeber für die antiautoritäre Linke.&amp;quot;  Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt im Gegenzug, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“   Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift Traditionelle und Kritische Theorie Horkheimers verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussierte, die man als Objekt eben dieser selbst kreiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung Dialektik der Aufklärung, wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Propaganda verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz Autoritärer Staat, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx ihn propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
An der Frankfurter Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Eingebung hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückten. Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt in dem von uns durchgeführtem Interview sehr schön, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.   Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Schnädelbach macht in unserem Interview auf die Diskrepanz im Adorno-Bild aufmerksam, wie nämlich er selbst es wahrgenommen hatte, und wie es ihm in Gesprächen mit damaligen Kollegen vermittelt wurde. „Links der Zeppelinallee“ wurden die großen Projekte des Instituts für Sozialforschung mit entsprechenden Studien durchgeführt. Angesichts der personellen Ausstattung herrschten große klimatische Unterschiede zwischen dem Institut für Sozialforschung und dem Philosophischen Seminar. „Wir hatten eigentlich gar keine Ahnung, was im Institut für Sozialforschung betrieben wurde. Man ging ins Soziologische Proseminar, das Adorno hielt und da war der Unterschied doch sehr deutlich. Das Bild, dass es eigentlich zwei Adornos gab, hat sich mir dann im Nachhinein so dargestellt.“  In einem Gespräch mit Ludwig von Friedeburg ergab sich für Schnädelbach ein abweichendes Bild von Adorno, da dieser im IfS reformistisch war und sich um die Lehrerausbildung und Soziologenausbildung gekümmert hatte. Zudem habe Adorno Aufsätze zur Vergangenheitsbewältigung geschrieben. Aufgrund dieser Bemerkung von von Friedeburg kam Schnädelbach zu dem Schluss, „dass es offenbar zwei Adornos gegeben hat. Also einmal rechts der Zeppelinallee und einmal links der Zeppelinallee. Also einmal im philosophischen Seminar, wo das unendliche Grauen und die absolute Negativität unter Sprache ist, das als das Unwahre zelebriert wurde und auf der anderen Seite der Zeppelinallee, nämlich im Institut für Sozialforschung, da wurde linke reformistische Politik betrieben.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Frankfurter_Soziologie_und_Studentenrevolte&amp;diff=4693</id>
		<title>Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte</title>
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		<updated>2008-07-08T09:39:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Erkenntnisinteresse ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die späten 1960er Jahre in der westlichen Welt sind geprägt von tiefgreifenden Veränderungen, welche die Gesellschaftsstruktur derart nachhaltig beeinflussten, dass deren Folgen noch heute spürbar sind. Als eine wesentliche Komponente dieses soziokulturellen Veränderungsprozesses und zugleich als ein Charakteristikum der 60er Jahre wird die intensive ideologisch geprägte Auseinandersetzung zwischen den Generationen angesehen.&lt;br /&gt;
Ein vielleicht gewöhnlicher Generationenkonflikt spitzte sich vor dem Hintergrund der Kriegsgeschehnisse bald zu einem explizit politisch motivierten Konflikt zu. Während sich in den Vereinigten Staaten der Generationenkonflikt vor allem im Protest gegen den Vietnamkrieg und im Kampf für die Befreiung der Dritten Welt manifestierte, stand für die deutsche Studentenbewegung zunächst die Nazivergangenheit der Elterngeneration im Vordergrund. Ebenfalls auf der Agenda stand die Forderung nach einer gründlichen Reform der Hochschulen und damit verbunden, die Mitbestimmung der Studierenden und des Mittelbaus. Aus diesen spezifischen Forderungen der jungen Generation ergaben sich alsbald generellere politische Forderungen, welche mit denen der amerikanischen Jugend konvergierten. Den Ausgangspunkt des Konfliktes in der Bundesrepublik bildete zunächst jedoch der Befund einer augenscheinlich personellen Kontinuität von Verantwortlichen in Großkonzernen und an Universitäten vom Dritten Reich bis zum Nachkriegsdeutschland, welche man mit spektakulären Enthüllungskampagnen aufzudecken versuchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als ideologischer Nährboden für die bundesrepublikanische Studentenbewegung gelten gemeinhin die Schriften aus dem Umfeld des undogmatischen Marxismus, sowie aus dem Wirkungsbereich der Kritischen Theorie. Seit Ende der 50er Jahre nutzten antiautoritäre Intellektuelle diese Schriften als Legitimationsgrundlage für ihre politischen Forderungen.  Mit meiner Arbeit zum Thema „Frankfurter Soziologie und Studentenrevolte“ möchte ich der Frage nachgehen, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren Gesellschaftstheorie zur Sprengkraft der Studentenbewegung beigetragen hat. Diese „praktische Umsetzung der Soziologie“ und die Einschätzungen zur 68er Bewegung der damaligen Akteure werde ich durch Rückgriffe auf Interviews mit Experten und Zeitzeugen, die wir im Rahmen unseres Lehrforschungsprojektes „Soziologie in Frankfurt“ geführt haben, erörtern. Mit Hilfe dieser retrospektiven Betrachtungen möchte ich zu rekonstruieren versuchen, wie sich die Studentenrevolte in den späten 1960er Jahren speziell an der Frankfurter Universität artikulierte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus möchte ich auf das Verhältnis von Studenten zu Sozialtheoretikern eingehen, wobei insbesondere die Frage im Zentrum stehen soll, ob die Schriften der Vertreter der Kritischen Theorie womöglich fehlinterpretiert wurden, oder ob die dort enthaltenen Ideen vielmehr mit falschen Mitteln verwirklicht wurden. Als Einführung in meine Problemstellung möchte ich knapp den historischen Kontext der damaligen Bundesrepublik skizzieren, um einen allgemeingesellschaftlichen Rahmen der Geschehnisse zu vermitteln. Nachfolgend beschreibe ich die Kritische Gesellschaftstheorie mit Ihren Hauptmerkmalen, um schließlich den Einfluss der Frankfurter Schule auf die damaligen Ereignisse in den 1960er Jahren an der Johann Wolfgang Goethe-Universität darzustellen.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Deutschland in den 1960er Jahren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der deutschen Geschichte gibt es nach dem Zweiten Weltkrieg nur wenige Ereignisse, die im öffentlichen Diskurs als bis heute prägend für die deutsche Gesellschaft angesehen werden. Insbesondere gehören dazu die sechziger Jahre mit ihren weitreichenden Veränderungen. Sowohl intellektuell als auch alltagspraktisch haben diese Ereignisse – so die Einschätzungen vieler Historiker – einen gesamtgesellschaftlichen Wandel nach sich gezogen, der in seiner Radikalität nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Gewiss lässt sich diese Transformation zutreffender als ein schleichender, in den späten 1950er Jahren ansetzender, multikausaler Prozess beschreiben. Dennoch kann man wohl mit Recht in der so genannten 68er-Bewegung mit ihren Hochburgen in Frankfurt und Berlin einen markanten Kulminations- und Wendepunkt in der Geschichte der Bundesrepublik sehen. &lt;br /&gt;
In der Nachkriegszeit gab es einerseits Errungenschaften wie das Farbfernsehen, die Entstehung einer Rockmusikkultur mit herausragenden Vertretern wie den Beatles oder Chubby Checker, was man zusammenfassend als das Aufkommen einer neuern Erlebniskultur umschreiben könnte. Nicht selten verhalf ein Einkommenszuwachs und gleichzeitig auch der erste eigene PKW, sowie die Durchsetzung des arbeitsfreien Samstages zahlreichen Familien zu einem luxuriöseren Lebensstil. Andererseits gab es laut Zeitzeugen, einen Verfall tradierter Werte. Während zuvor Gehorsam gegenüber den Eltern zu den selbstverständlichen Tugenden gehörte, sollte in den 60ern diesbezüglich ein radikaler Wandel stattfinden: Die Erforschung der vergangenen Dekaden und eine damit einhergehende Denunziation der Vätergeneration, an dem Zweiten Weltkrieg Mitschuld zu tragen, waren für die jungen Erwachsenen offensichtlich bedeutsam. Dass jedoch einige Elternteile damals selbst erst junge Heranwachsende und zugleich Opfer des Naziregimes waren, wurde ignoriert. Die Verschwiegenheit der Elterngeneration entfachte zudem die Neugier der Kinder und führte zu einem stärkeren Kramen in der Vergangenheit. Der Soziologie- und Sozialpsychologieprofessor Ulrich Oevermann erklärt sich das 68er- Phänomen wie folgt: „Diese Eltern haben ihre Kinder nach der Devise erzogen: ,Unsere Kinder sollen es mal besser haben.’ Diese 68er hatten es wirklich gut! Aber sie haben über ihre Eltern zu Gericht gesessen, damit sie sich von der Dankbarkeitsverpflichtung loslösen konnten. Die haben ihre Eltern regelrecht auf das Tribunal gestellt, und das sattsam.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Scham der Eltern, über die nationalsozialistische Vergangenheit zu sprechen, wurde als Verdrängung der schrecklichen Geschehnisse interpretiert. Worüber niemand sprach, darüber musste selbst nachgeforscht werden. Oevermann erkennt die Verdrängungsthese jedoch nicht an und konstatiert, dass die Eltern nichts zu sagen hatten, sondern sich grundsätzlich schämten: „Die Leute haben nichts verdrängt. Wenn, dann haben sie abgespalten, aber nicht verdrängt; die haben sich geschämt - das ist etwas grundsätzlich anderes als verdrängen. Sie haben sich geschämt, diesem verbrecherischen System angehört zu haben.“  Iring Fetscher, seit 1963 Professor für politische Wissenschaft an der Goethe-Universität, verweist ferner auf den beinahe unveränderten Zustand, dass zahlreiche ehemalige Parteimitglieder des Dritten Reiches im Nachkriegsdeutschland nach wie vor ihren Beruf ausübten. „Nachdem die erste Nachkriegszeit vorbei war, entdeckten die jungen Leute: ‚Es hat sich ja gar nichts radikal geändert. Was habt ihr nun eigentlich gemacht?’ Und sie fragten dann die Eltern. […] Aber die Eltern wollten nicht darüber reden.“  Ehemalige Parteifunktionäre verschwanden zwar unmittelbar nach Kriegsende von der Bildfläche, aber nur um kurz darauf ihre alten Positionen erneut einzunehmen, so wie beispielsweise Hanns Martin Schleyer, ein führender Naziwirtschaftler, der im Dritten Reich tschechische Unternehmer enteignet hatte. Kurz nach seinem Revisionsverfahren 1948, bei dem er als Mitläufer eingestuft worden war, begann er seine Tätigkeit in der Industrie- und Handelskammer Baden-Baden. Diese Art von Kontinuität zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland, haben die Linksradikalen als Skandal empfunden, so Iring Fetscher. Es hatte nämlich von den offiziellen, zugelassenen Parteien kaum jemand Anstoß daran genommen, dass bei den großen Firmen die Führungsgarnitur die gleiche war wie 1930, 1935 oder 1940. Allerdings sei es problematisch, daraus die These aufzustellen, die Bundesrepublik sei generell neonazistisch oder neofaschistisch gewesen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein vergleichbarer, politisch motivierter Generationenkonflikt vollzog sich in den USA angesichts des Vietnamkrieges. Nach der französischen Niederlage 1954 gegen die Unabhängigkeitskämpfer in Vietnam, engagierten sich die Vereinigten Staaten zunehmend im Süden des Landes gegen die Vietcong-Rebellen, welche eine Vereinigung mit dem kommunistischen Norden anstrebten. Nach einem Flächenbombardement in Nordvietnam, sowie großflächiger Entlaubung im Süden, um dem Vietcong die Angriffsfläche zu nehmen, gewann jener dennoch die Oberhand. Angesichts der 40 000 Opfer auf der Seite der USA entwickelte sich eine mächtige Antikriegsbewegung in den 1960er Jahren. Radikale amerikanische Kriegsgegner demonstrierten in zahlreichen Städten gegen die amerikanische Beteiligung am Krieg in Übersee. „Der Vietnamkrieg galt für die jugendliche Protestbewegung in der gesamten westlichen Welt als Beweis für den Verrat aller humanitären Ideale durch die westlichen Kriegsparteien.“  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Iring Fetscher, der 1968/69 ein Studienjahr an der New School for Social Research in New York verbrachte, berichtet seine Erinnerungen an die 68er-Revolte aus der Perspektive eines Deutschen in den Vereinigten Staaten. „Das war für mich sehr lehrreich, weil die gleiche Opposition auch dort agierte, natürlich gegen den Vietnamkrieg noch viel mehr (...) und ich fand, dass die politische Orientierung dort viel rationaler war als bei uns, obwohl diese keineswegs sanft war. Die haben auch ihre Regierung ganz schön angegriffen und an der New School for Social Research gab es ohnehin eine Tradition von Antinazis, Antifaschisten und Linken. Da waren noch einige, die aus dem Dritten Reich geflohen waren. Sie waren emeritiert, aber kamen noch zu Veranstaltungen.“ Die Situation in Deutschland hingegen beschreibt Fetscher als eher gedämpfter und weniger radikal als in den Staaten: „Andere waren immerhin, sagen wir mal, nicht radikal ablehnend. Sie sagten: ‚Gut, wir verstehen das. Sie sind enttäuscht, dass das Land sich nicht radikaler verändert hat.' Der Eindruck war ja nicht ganz unberechtigt, da man dachte: Die Nazis sind weg, aber jetzt kommen die alten Herren wieder. Jetzt kommen die Überlebenden aus der Weimarer Republik an die Lehrstühle. Statt Adorno war es dann eben Adenauer, der das repräsentierte, oder Ludwig Erhard. (...) Es waren sicher keine demokratischen Neuerer, weder Adenauer noch Ludwig Erhard, noch die Anderen, zum Beispiel der erste Präsident Theodor Heuss: Der hatte noch 1933 für die Machtergreifung gestimmt. Es hatten ja alle Parteien mit Ausnahme der Kommunisten und Sozialdemokraten das Ermächtigungsgesetz unterstützt und da war er halt dabei. Und die Katholiken natürlich auch. Die hatten dann gleich das große Konkordat beschlossen im Juni 1933.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Michael Naumann, Politiker und Journalist, durchleuchtet die Studentenrevolte aus einer weiteren Perspektive und sieht in der 68er-Bewegung eine zum ersten Mal stattfindende Hinterfragung der Identitätsstiftung, die bis heute nicht völlig nachgelassen habe: „Spätestens nach 1945 gab es aus gutem Grund eine Vertrauenskrise zwischen Bürger und Staat. Dies ist bis heute nicht völlig verschwunden. Und wie überwindet man sie? Zum Beispiel durch gesellschaftliche und historische Debatten, die um die Frage kreisen: Wer sind wir? Und diese Frage wurde uns von den 68ern das erste Mal nach dem Krieg schmerzhaft und nachhaltig gestellt.“  Offen für neue Dinge wollte man sein und gleichzeitig mehr Mitspracherecht besitzen. Nicht mehr nur zuschauen, was auf der Bühne des Lebens geschieht, sondern selbst agieren, lautete die Devise. Dieses Selbstbestimmungsinteresse offenbarte sich sowohl in der Interaktion innerhalb der Familie als auch im größeren politischen Kontext. Antiautoritäre Bewegungen fanden großen Zuspruch, da die „Mentalität des Obrigkeitsstaats damals noch nicht verwelkt war“ , so Naumann. Die oben angeschnittenen Umwälzungen in der Gesellschaft, welche letztlich als Probleme identifiziert wurden, belasteten traditionelle autoritäre Beziehungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das neue Selbstvertrauen, welches man aus dem Aufschwung der Marktwirtschaft und der damit verbundenen Steigerung des Wohlstands entwickelte, kam mehr und mehr zum Vorschein. Während sich die Gesellschaft von einer industriellen zu einer post-industriellen Gesellschaft entwickelte, fand nahezu jeder Arbeitssuchende eine Anstellung. Das verlängerte Wochenende, als Folge der Einführung des arbeitsfreien Samstags, bedeutete die Möglichkeiten, mehr Freizeit mit der Familie zu verbringen. Parallel dazu offenbarte sich auch ein Trend zur weiblichen Emanzipation, der sich vor allem in dem Strukturwandel der Frauenerwerbstätigkeit widerspiegelte. In den Jahren 1960 bis 1970 stieg der Anteil an Beamtinnen und Angestellten auf nahezu 40 Prozent an.  Während die Zahl an gewöhnlichen Arbeiterinnen sank, stieg die Erwerbstätigkeit der Frauen in damals klassischen Männerberufen. Einher ging dieser Wandel mit der Veränderung der klassischen Familienstruktur: Mütter waren nun nicht mehr nur Hausfrauen, sondern trugen durch außerfamiliäre Beschäftigungen zum Einkommen der Familie bei. Zugleich musste der Nachwuchs jedoch tagsüber in Kinderkrippen oder Spielstuben untergebracht werden, weshalb der Begriff „Schlüsselkinder“ aufkam. Mit dem Erlass des Gleichberechtigungsgesetzes im Jahre 1957 war die Gleichstellung der Frau gesetzlich besiegelt und somit ein wichtiger Grundpfeiler für die nachfolgende Emanzipation gesteckt worden. Solche und zahlreiche weitere technische und emanzipatorische Errungenschaften führten schließlich zu einer Transformation in eine Medien- und Konsumgesellschaft.&lt;br /&gt;
Der tiefgreifende Wandel der damaligen Gesellschaft und die damit verbundenen familiären Veränderungen begünstigten die antiautoritäre Protestbewegung, da es zwar einerseits positive Umgestaltungen im Leben der Menschen gab, andererseits aber der Staat und zugleich die Besetzungsmächte durch den Wiederaufbau nach dem Krieg fortwährend einen obrigkeitsstaatlichen Einfluss auf die historische, soziale und kulturelle Dimension der Bundesrepublik ausübten. Dieser autoritären Einflussnahme wollten sich die Jugendlichen nicht mehr beugen. Ihr neues Selbstbewusstsein zogen sie unter anderem auch aus politischen Schriften. In einem Interview mit Wolfgang Kraushaar bestätigt Michael Naumann diesen gesellschaftlichen Hintergrund der Revolte: „68 war doch hauptsächlich eine kulturelle Bewegung und vielleicht zu zwanzig Prozent eine politische. Auf seinem Höhepunkt zählte der SDS maximal 2000 Mitglieder!“ Weiter erwähnt Naumann, dass 1968 nicht nur „für die fällige Distanzierung […] von der Generation der im Nationalsozialismus verstrickten Väter steht; es ging auch um die Offenlegung der von Exnazis bevölkerten Universitätslehrkörper.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aussagen wie diese verdeutlichen den gesellschaftlichen, aber gewiss auch den inneren Kampf der Individuen, die eigene Identität, das eigene Ich zu finden oder gar neu zu kreieren, der sich letzten Endes nur auf dem Rücken der Gesellschaft austragen ließ. Dies konnte nur durch eine Hinterfragung der Historie und eine Abgrenzung von der Elterngeneration erfolgen. Die Kritische Theorie war hierbei oft nur Mittel zum Zweck: Das Aufgreifen theoretischer Denkmodelle zur Umsetzung verschwommener, idealistischer Ziele half den jungen Menschen damals, ihren eigenen Weg zu gehen, sich von den Eltern zu distanzieren. In beispielsweise Horkheimer, Adorno, Habermas und Marcuse fanden sie Theoretiker, in Dutschke, Krahl und Cohn-Bendit umsetzungswillige Praktiker.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kritische Gesellschaftstheorie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entsprechend dem Wunsch, „an der Erziehung der jungen Generation in Deutschland mitzuwirken und, entgegen dem Zug der verwalteten Welt, wie Adorno sie taufte, den autonomen Gedanken in unseren Studenten zu entfalten, unbekümmert um das statistische Ausmaß seiner Möglichkeiten“,  schafften Horkheimer und Adorno in den 1960er Jahren durch zahlreiche Publikationen und Nähe zu den Studenten, dieses Verlangen zu verwirklichen. Hierbei scheint insbesondere Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Kritische Theorie, vorzugsweise die Dialektik der Aufklärung aus dem Jahre 1947, sowie Adornos Negative Dialektik von 1966, als Nährstoff für die Gedanken und schließlich kämpferischen Okkupationen der Hochschüler gedient zu haben. Aber auch Herbert Marcuses Werke wie Triebstruktur und Gesellschaft (1955), Der eindimensionale Mensch (1964), der Essay zur Repressiven Toleranz (1965) und Schriften zu Autorität und Familie in Zusammenarbeit mit Fromm und Horkheimer gehören zu den wichtigsten Büchern der Kritischen Theorie. „Vor allem der im kalifornischen Exil lebende Herbert Marcuse, (...) wurde schon früh ein theoretischer Stichwortgeber für die antiautoritäre Linke.&amp;quot;  Ob die tatsächlich eingetroffenen Ereignisse in einem solchen Ausmaß von diesen Denkern beabsichtigt waren, lässt sich im Nachhinein nicht überprüfen, mit Sicherheit lässt sich die Forderung im oben angeführten Zitat jedoch als eine Art psychologischer und instrumenteller Versuch ausmachen. &lt;br /&gt;
Günter Behrmann beschreibt im Gegenzug, wie Habermas Anfang der 60er zwar für ein demokratisch-oppositionelles staatsbürgerliches Engagement der Studenten plädierte, den Wortführern der SDS jedoch mit seinen Forderungen nicht weit genug ging. „Hierin unüberhörbar schon von alten und neuen Schriften Marcuses wie von Horkheimers politischen Aufsätzen der Emigrationszeit beeinflusst, glauben sie an die Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen weltrevolutionären Bewegung und an die eigene Avantgarderolle.“   Gelehrte wie Habermas benennen die Forderungen der Studenten öffentlich als utopisch, so dass diese schließlich mit „Verachtung auf die ,alten Herren’, die ihnen ,nicht konsequent genug und zu feige’ sind“  herabschauen.&lt;br /&gt;
Erstmals wird die Bezeichnung Kritische Theorie in der 1937 veröffentlichten Schrift Traditionelle und Kritische Theorie Horkheimers verwendet, welche die Kontroverse zwischen den bestehenden und den möglichen Verhältnissen innerhalb einer Gesellschaft fokussierte, die man als Objekt eben dieser selbst kreiert. Insbesondere basierend auf der Essaysammlung Dialektik der Aufklärung, wurden die kritischen Denkmodelle, Auffassungen, Begrifflichkeiten und Ideen der Kritischen Theorie von der antiautoritären Protestbewegung aufgegriffen und für die eigene Propaganda verwendet.  Die jungen Akademiker testeten, verifizierten oder verwarfen die aufgestellten Thesen dieser Theoretiker. Die erstaunliche Kurzlebigkeit der aufgegriffenen Theoreme sollte charakteristisch für die Beschäftigung mit ihnen und der uneigenen Theoriebildung der Studentenbewegung sein. &lt;br /&gt;
Hans-Jürgen Krahl, ein Schüler Adornos, Studentenaktivist und einer der führenden theoretischen Köpfe der 68er-Bewegung, ging davon aus, „dass der Monopolkapitalismus die kapitalistische Zirkulationssphäre beseitigt hatte.“  Bezug nahm er mit dieser These auf Horkheimers Aufsatz Autoritärer Staat, den dieser 1940 verfasst hatte. Durch die Beseitigung der Zirkulationssphäre wandelte sich die Konstellation der gesellschaftlichen Bedingungen. Liberalkapitalistische Grundvoraussetzungen seien durch die deliberalen Austauschbedingungen ungleicher Tauschpartner in der Marktwirtschaft nicht mehr gegeben und eigneten sich nicht als Legitimationsgrundlage des modernen Rechtsstaates. Nach dieser These behalten die Regierenden durch ihre Staatsintervention die Oberhand und verhindern durch die Steuerung des Kapitals Revolutionen. Gleichwohl ist jederzeit eine Diktatur möglich. Diese Aufhebung des liberalen Kapitalismus, wie Marx ihn propagierte, sei nicht mehr gegeben. Krahl versuchte durch diese verstärkt kapitalismuskritische Weiterführung von Horkheimers Gedanken eine Umwälzung des bestehenden Monopolkapitalismus und auf der Basis dieses theoretischen Grundgerüstes eine mögliche Revolution zu initiieren. Demnach erfüllt das revolutionäre Handeln alle drei Eigenschaften der Kritischen Theorie: „sozialpsychologisch ist es antiautoritär und nonkonformistisch, politisch ist es die systematisch begründete, voluntaristische, bestimmte Negation bestehender Herrschaftsverhältnisse, philosophisch ist es erkenntniskritisch-praktisch an der Konstitution einer neuen Gegenstands- und Erfahrungswelt orientiert.“ &lt;br /&gt;
An der Frankfurter Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gleich welche Eingebung hinter den theoretischen Denkmodellen Adornos und Horkheimers, oder auch Marcuses und Fromms stehen mochten, de facto zeigten sie eine enorme Auswirkung in den 1960er Jahren, als die Studentenbewegung revolutionär und aggressiv Position gegenüber Autoritäten bezog. Aus dem Fundament dieser Denkmodelle erhob sich eine Bewegung reaktionärer Macher, die sich oftmals durch eine charismatische Selbstdarstellung heroisch ins Rampenlicht rückten. Dieter Mans, zur damaligen Zeit Student an der Frankfurter Universität, schätzt, dass die willensstark reaktionär aufkommende Bewegung erst Ende 1967 durchbrach und Flugblätter, Zeitungsartikel, Teach-Ins und erste Demonstrationen verstärkt über die Denkmodelle aufklärten und informierten. Werke wie „Student und Politik“  gaben laut Mans den jungen Akademikern Anstöße zur Meinungsbildung. Er beschreibt in dem von uns durchgeführtem Interview sehr schön, dass es zu den bekannten Texten zwar auch akademische Auseinandersetzungen gab, moralische Bewertungen allerdings außerhalb der Vorlesungsräume stattfanden.   Diese Aussage zeigt, dass es bei der Protestbewegung weniger um realistische und wahrheitsliebende Fakten ging, als vielmehr um die aufständischen Proteste an sich, eine Revolte gegen die bestehenden Gesellschaftsverhältnisse.&lt;br /&gt;
Im Institut für Sozialforschung an der Goethe-Universität wurde zu der damaligen Zeit unter Horkheimer, Adorno und von Friedeburg eine kritische Soziologie betrieben, die es leicht ermöglichte, in die Praxis umgesetzt zu werden. Dies verleugneten die Autoren der Kritischen Theorie auch nicht, jedoch nahmen sie Abstand zu den Pfaden der praktischen Umsetzung. Auch Fetscher schätzt die antiautoritäre Protestbewegung als eigenständiges Gebilde ein, welche ihre Forderungen zwar aus den gesellschaftskritischen Texten, primär aus jenen der Frankfurter Soziologen, ableitete, jedoch kaum Unterstützung von Seiten der Theoretiker erhielt. „Sie haben benutzt, was sie kriegen konnten. Sie haben zum Beispiel die von den Frankfurtern in der Emigration geschriebenen Arbeiten in Raubdrucken wieder veröffentlicht, bevor sie offiziell verfügbar waren. Und gar kein Zweifel, war Horkheimer, der das Institut für Sozialforschung übernahm, war Marxist, wenn auch kein Sowjetmarxist. […] Aber die Protestler wurden ja nicht direkt akzeptiert, nicht von Adorno und erst recht nicht von Horkheimer, am ehesten vielleicht von Marcuse.“  Günter Behrmann geht ebenfalls auf die These ein, dass Adorno, Horkheimer, und Habermas als die Väter der Studentenbewegung benannt werden. Es „scheint sich bald herumgesprochen zu haben, dass der Studentenprotest einiges mit ,der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule’ zu tun habe und dass Adorno, Horkheimer und Habermas die geistigen Väter der Studentenbewegung seien.“  Behrmann räumt hier ein, dass diese Ansicht zwar nicht gänzlich falsch sei, aber auch Hochschullehrer, wie beispielsweise Abendroth, Hoffmann und Maus, in Marburg einflussreiche Gruppen formierten und allgemein gesagt werden kann, dass man in den theoretisch bedeutsamen Veröffentlichungen und der neuen Linken vor der Mitte der 1960er Jahre vergeblich nach einer kritischen Theorie als Referenzrahmen theoretischer Diskussionen gesucht hat. „Selbst als dann die von Marcuse gelegten Spuren aufgenommen und weiterverfolgt wurden, zeichnete sich weder in der Frankfurter Neuen Kritik noch im Berliner Argument eine allgemeine Hinwendung zur kritischen Theorie Frankfurter Provenienz ab.“  Selbsterklärend ist für Behrmann, dass sich durch die Verbindung von Studentenbewegung mit ihren vermeintlichen Theoretikern, den Lesern der gehobenen Presse eine Einsicht in die Denkweise der Studenten bot, ohne benennen zu müssen, worin diese detailliert lag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Marcuse hatte die Vorstellung, dass die Arbeiter in den Vereinigten Staaten vollständig in die Konsumgesellschaft integriert seien, und dass Deutschland als neuer Träger der gesellschaftlichen Veränderung die Ausgebeuteten der Dritten Welt und die Studenten in den Metropolen bräuchte. „Natürlich gab es in Amerika eine Studentenbewegung, die auch noch […] verbunden war mit der afroamerikanischen Befreiungsbewegung. […] Daher war es für Marcuse, glaube ich leichter, sich das so vorzustellen, aber er hat auch hier den Studenten zugeredet und sich gefreut, dass was los ist. Und das hat Adorno ganz abgelehnt, entschieden abgelehnt. Ich habe das damals nicht so genau gewusst, dass sie so gegeneinander stehen. Marcuse war wirklich der Einzige, den die Studenten zu einem gewissen Grad für sich in Anspruch nehmen konnten.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sicherheit hing die Aktualisierung der Kritischen Theorie mit der damaligen Betrachtung der sozialen Realität zusammen, so wie die Frankfurter sie damals sahen. Die These, „dass die freie Entfaltung der Individuen von der vernünftigen Verfassung der Gesellschaft abhängt“,  schrieb sich die Frankfurter Schule auf die Fahnen und baute ideologisch auf diesem Fundament ihre Gedankengänge auf. Mit der Vorannahme, dass es im Einflussbereich der Menschen liegt, sich ihre Gesellschaft selbst zu gestalten, weil diese sie keine natürliche Gegebenheit ist, „drängt sich die Frage nach der Menschenwürdigkeit der Gesellschaft nahezu auf“ , so der niederländische Soziologe Hoefnagels. Die Frankfurter sehen das Ziel einer Gesellschaft in der Anlage einer vernünftigen Gesellschaftsordnung und in der Entwicklung optimaler Möglichkeiten individueller Entfaltung. Die Frankfurter Schule verlor nie aus den Augen, dass „die Gesellschaft Resultat menschlicher Tätigkeit ist, die, auch wenn sie deren Ordnung nicht bewusst erzeugt, zumindest für sie verantwortlich ist.“ &lt;br /&gt;
Nichts desto trotz stützte sich die theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte im Wesentlichen auf die Negative Dialektik. Das oberste Ziel bestand darin, sich von allen möglichen autoritären Abhängigkeiten zu lösen. Ob dies nun die Beziehung zwischen Staat und Individuum, Eltern und Kind oder Professor und Student war. Jegliche Unterwerfung und Ungleichheit sollte bekämpft werden. Abhängigkeitsverhältnisse, die zuvor als positiv, oder zumindest als normal empfunden wurden, da sie sich aus der Entwicklung der modernen Menschheit ergaben, sollten ihre Gültigkeit verlieren und untergraben werden. Entsprechend mussten neue Verhältnisse formiert und alte Gesellschaftsverhältnisse ausgelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass jedoch nicht alle Studenten und Jugendlichen die Gesellschaft aus der Sicht der Kritischen Theorie betrachteten, sieht man an den Mitgliederzahlen der SDS, die zu ihrer Blütezeit gerade mal 2000 Studenten zählte. Retrospektiv resümiert Herbert Schnädelbach in einem Interview die Frankfurter Zeit in Bezug auf die Studentenrevolte wie folgt: „Ich konnte überhaupt nicht verstehen, warum Adorno immer dazu neigte, diese junge Bundesrepublik, der es doch nun leidlich gut ging und wir eigentlich auch ein ganz angenehmes Leben hatten, ohne materielle Sorgen, immer noch mit dem Grauen des Faschismus und mit Auschwitz in Zusammenhang zu bringen. Ich habe es nie ganz verstanden, warum Adorno so tat, als hätte sich gegenüber den Schrecken des Nationalsozialismus gar nichts Wesentliches verändert. Jedenfalls haben wir das als junge Studenten bei ihm nicht wahrgenommen. Was mich immer abgestoßen hat, war diese ganze Gewaltrhetorik der Studenten und Jugendbewegung. Da wurden immer Strategien entwickelt und da musste etwas zerschlagen werden; diese revolutionäre Gewaltrhetorik war mir einfach zuwider. Weil ich einfach als Kind schon erlebt hatte, was es bedeutet, wenn Gewalt gegen Personen, gegen lebende Menschen ausgeübt wird. Gerade für meine Generation, die den Krieg noch bewusst als Kind erlebt hat, war doch im Grunde die Bundesrepublik so etwas wie ein Refugium, wie ein hoffnungsvoller Neuanfang. Paradies will ich nicht gerade sagen, aber es war doch im Rückblick auf den erlebten Schrecken eine hoffnungsvolle Zeit und da war immer diese negative Rhetorik, die nur darauf beruhte, dass keine Versöhnung möglich sei und dass man in einer antagonistischen Gesellschaft lebte. Das war für mich emotional unzugänglich.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Festzuhalten ist auch, dass es nicht nur unterschiedliche Perspektiven innerhalb der Studentenschaft gab, sondern auch in den Fakultäten. Jürgen Habermas berichtet, dass die philosophische Fakultät bereits in den 60er Jahren gespalten war in eine konservative Mehrheit um Alfred Rammelmeyer und eine relativ kleine linke und linksliberale Gruppe um Adorno, Mitscherlich, Friedeburg und ihn. Ein unverkennbares Ressentiment gegen Horkheimer und Adorno bestand laut Habermas bereits, als er 1964 in die Fakultät eintrat. Diese Spaltung hatte weniger mit der Ausrichtung des Fachs zu tun, als vielmehr mit den persönlichen Beziehungen Adornos und Horkheimers zu den älteren Kollegen, die ja in vielen Fällen bis vor 1933 zurückreichten. Außerdem hatte Horkheimer einen „kurzen Draht“ zum Ministerium, den er offenbar auch ausgiebig nutzte. Andererseits waren die persönlichen und akademischen Querelen im Rahmen der allgemeinen Frontstellungen und intellektuellen Konflikte der jungen Bundesrepublik auch politisch intoniert, da sich in den 50er Jahren die Remigranten wie in einem fremden Land fühlten. Hinzu kam das Ressentiment gegen den „intellektuellen&amp;quot; Adorno, dessen Persönlichkeit so offensichtlich den akademischen Durchschnitt überragte. Die Studentenproteste hatten die in der Fakultät ohnehin bestehenden Gräben nur noch mehr vertieft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wilhelm Schumm, damals Wissenschaftlicher Assistent an der Frankfurter Universität, bestätigt die These, dass man zwischen mehreren Abstufungen der Perspektiven zwischen Protestsympathisant und Gegner unterscheiden muss und fachspezifische Verallgemeinerungen unzutreffend sind, was angesichts der verstärkten Einbindung der Sozialwissenschaften ohnehin schwer fällt. „Es gab auch andere Kollegen, wie etwa  Gronemeier, Mathematiker in Berlin, der sehr große Sympathien für die Studentenbewegung hatte. Aber die Sympathisanten waren bei den anderen Fächern in der Minderheit. Während es bei den Soziologen zwar nicht die Mehrheit, aber doch ein relativ großer Anteil von Kollegen auf der Seite der Reformsympathisanten waren. Das war die generelle Situation. Das galt für Berlin und das galt auch für Frankfurt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herbert Schnädelbach macht in unserem Interview auf die Diskrepanz im Adorno-Bild aufmerksam, wie nämlich er selbst es wahrgenommen hatte, und wie es ihm in Gesprächen mit damaligen Kollegen vermittelt wurde. „Links der Zeppelinallee“ wurden die großen Projekte des Instituts für Sozialforschung mit entsprechenden Studien durchgeführt. Angesichts der personellen Ausstattung herrschten große klimatische Unterschiede zwischen dem Institut für Sozialforschung und dem Philosophischen Seminar. „Wir hatten eigentlich gar keine Ahnung, was im Institut für Sozialforschung betrieben wurde. Man ging ins Soziologische Proseminar, das Adorno hielt und da war der Unterschied doch sehr deutlich. Das Bild, dass es eigentlich zwei Adornos gab, hat sich mir dann im Nachhinein so dargestellt.“  In einem Gespräch mit Ludwig von Friedeburg ergab sich für Schnädelbach ein abweichendes Bild von Adorno, da dieser im IfS reformistisch war und sich um die Lehrerausbildung und Soziologenausbildung gekümmert hatte. Zudem habe Adorno Aufsätze zur Vergangenheitsbewältigung geschrieben. Aufgrund dieser Bemerkung von von Friedeburg kam Schnädelbach zu dem Schluss, „dass es offenbar zwei Adornos gegeben hat. Also einmal rechts der Zeppelinallee und einmal links der Zeppelinallee. Also einmal im philosophischen Seminar, wo das unendliche Grauen und die absolute Negativität unter Sprache ist, das als das Unwahre zelebriert wurde und auf der anderen Seite der Zeppelinallee, nämlich im Institut für Sozialforschung, da wurde linke reformistische Politik betrieben.“ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Iring Fetscher vermittelt in unserem Interview interessante Einsichten aus seiner Frankfurter Zeit, als er 1963 die kommissarische Lehrstuhlvertretung des Ordinariats für Politische Wissenschaft annahm. Auf die Frage, wie er die Frankfurter Universität zur damaligen Zeit wahrgenommen habe, antwortet Fetscher, dass er als Beauftragter für die studentische Organisation einiges mitbekommen habe. „Einmal hatte ich einen Konflikt mit der Studentenvertretung. Die wollten einen Vortrag veranstalten: 'Enteignet Springer!', worauf ich entgegnete, dass dieser Vortrag gegen das Prinzip der Demokratie stehe und der Titel verallgemeinert werden müsse. Nachdem ich den Studierenden die finanzielle Unterstützung für den Vortrag entzog, war der Konflikt erledigt.“  Grundsätzlich wurde der Konflikt mit Studenten von Fetscher nicht als bedrohend empfunden, da den Aufständischen eigentlich der Rückhalt in der Gesellschaft fehlte. Als Beispiel nennt er den Versuch von Studenten, den DGB oder die IG Metall für sich zu gewinnen, dabei aber rabiat abgewiesen wurden. Seines Erachtens war es zur damaligen Zeit vollkommen illusorisch, anzunehmen, man könne eine Revolution anzetteln. Auch die zunehmende Flucht in die Gewalt hätte nur noch zur Isolation in der Gesellschaft geführt. Lediglich ein paar linke Professoren hätten mit Studierenden über ihre Forderungen diskutiert. Aber auch hier hatten sie sich durch ihre Radikalität um die Unterstützung der Hochschullehrer gebracht.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Resumée ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass die Studentenbewegung mit ihrem Höhepunkt im Frühjahr 1968 durch ihren unerwarteten Ausbruch, ihre Vehemenz, der internationalen Gleichzeitigkeit der Protestbewegungen, sowie dem Ineinandergreifen allgemeingesellschaftlicher, auch politischer Forderungen eine &amp;quot;mythische Überhöhung&amp;quot;  erfahren hat. Zu beachten ist hierbei, dass sie dieses Ausmaß lediglich durch die Unterstützung der Massenmedien erreichen konnte, da mit Hilfe dieser die Brennpunkte fokussiert und selektiert dargestellt wurden. Zudem lässt sich konstatieren, dass „für die meisten Beteiligten der Protest mehr ein Lebensgefühl war als das Ergebnis theoretischer Analyse&amp;quot; . Zwar nutzte die rebellische Protestbewegung vornehmlich Theoreme der Frankfurter Schule als Fundament ihrer antiautoritären Propaganda, doch war ihre theoretische Grundlage eher „ein Baum mit vielen Wurzeln und noch mehr Ästen und Zweigen. [...] Die Vorstellung, es habe ein theoretisch kohärentes Selbstverständnis der Bewegungsformen und -ziele gegeben, ist […] irreführend.&amp;quot;  Aufgrund der Radikalisierung und des ideologischen Missbrauchs zahlreicher Frankfurter Theoreme, lässt sich die Beziehung zwischen Hochschullehrern und den studentischen Aktivisten, in der rebellischen Phase um 1968, jedenfalls nicht gerade als ein wohlgesonnenes Verhältnis beschreiben. Mit Hilfe von Interviewauszügen wurde deutlich, dass die Studentenbewegung in Frankfurt nicht der Vehemenz der Revolten in Berlin oder im internationalen Kontext entsprach, sondern vergleichsweise friedlich verlief. Verschiedene Einblicke durch die Interviewpartner zeigen unterschiedlichste Facetten der Geschichte und der Menschen, die diese schrieben.&lt;br /&gt;
So plötzlich und massiv die antiautoritäre Linke in den 1960er Jahren für Aufsehen sorgte, so schnell und kurzweilig waren ihre gewünschten Auswirkungen. Sämtliche gesamtgesellschaftlichen Etappenziele, wie beispielsweise die Umstrukturierung des Axel-Springer-Verlags, die Verhinderung der Verabschiedung eines erweiterten Entwurfes der Notstandsgesetze im Parlament oder eine Verabschiedung der Hochschulreform im Sinne der Studenten konnten die jungen Erwachsenen nicht erreichen, so dass die Studentenbewegung alsbald zersplitterte. Ergänzend beschreibt Oevermann, dass die elitäre 68er-Bewegung zur Technokratisierung der Universität erheblich beigetragen habe und, dass die 68er in seinen Augen „an der Universität eine ganz erhebliche Zerstörungsarbeit“  geleistet haben, die bereits damals zu vernehmen war. Indes bemerkt Jürgen Habermas, dass trotz des jähen Zerfalls der Protestbewegungen, die Botschaften der aktivistischen Studierenden eine nachhaltige „Fundamentalliberalisierung&amp;quot; der westdeutschen Bevölkerung bewirkten, so dass sich die gesellschaftlich-kulturelle Rückständigkeit der bereits fortschrittlich etablierten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modernität anschließen konnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellenverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
•	Behrmann, Günter C.: Kulturrevolution. Zwei Monate im Sommer 1967. In: Clemens Albrecht et al.: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik: Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule. Frankfurt/ New York, Campus Verlag 1999, Kapitel 11&lt;br /&gt;
•	Fetscher, Iring: Gespräch am 21. Januar 2008, geführt von Patrick Taube, Julia Steinecker und Fehmi Akalin.&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Briefwechsel geführt von Felicia Herrschaft, Antworten vom &lt;br /&gt;
21. Februar 2008&lt;br /&gt;
•	Habermas, Jürgen: Protestbewegung und Hochschulreform, Frankfurt am Main: Suhrkamp, 1969&lt;br /&gt;
•	Hoefnagels, Harry: Frankfurter Soziologie, Essen: Verlag der Scharioth'schen Buchhandlung, 1972&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Denkmodelle der 68er aus Politik und Zeitgeschichte (B 22- 23/2001): Bundeszentrale für politische Bildung; Quelle: http://www.bpb.de/themen/4Q83FF.html&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 2, Hamburg: Rogner &amp;amp; Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
•	Kraushaar, Wolfgang: Frankfurter Schule und Studentenbewegung Band 3, Hamburg: Rogner&amp;amp;Bernhard GmbH &amp;amp; Co. Verlags KG, 1998&lt;br /&gt;
•	Mans, Dieter: Gespräch am 10. Januar 2008, geführt von Alexandra Leo, Victoria Wendt und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
•	Oevermann, Ulrich: Gespräch am 06. Februar 2008, geführt von Radostina Ilieva, Kai Müller, Julia Steinecker und Claudius Härpfer.&lt;br /&gt;
•	Schnädelbach, Herbert: Gespräch am 11. März 2008, geführt von Felicia Herrschaft &lt;br /&gt;
•	Schumm, Wilhelm: Gespräch am 23. November 2007, geführt von Eva Frankenthal, Alexandra Leo, Alexander Thierfeld und Thorsten Benkel.&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder&lt;br /&gt;
•	Schildt, Axel: Rebellion und Reform. Die Bundesrepublik der Sechzigerjahre, Bonn 2005: aus der bpb-Reihe: Zeitbilder; Quelle: http://www.bpb.de/themen/P9B42Q.html&lt;br /&gt;
•	DIE ZEIT Geschichte, Nr. 2/2007: Michael Naumann und Wolfgang Kraushaar im Gespräch über 1968, die Folgen und das Selbstverständnis der Republik: moderiert von Gunter Hofmann und Jörg Lau; Quelle: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/naumann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Forschungsarbeiten| Studentenrevolte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Fehmi_Akalin&amp;diff=4681</id>
		<title>Fehmi Akalin</title>
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		<updated>2008-07-03T21:06:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dr. Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehrbeauftragter an der&lt;br /&gt;
Johann Wolfgang Goethe-Universität&lt;br /&gt;
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungsschwerpunkte:&lt;br /&gt;
Kulturtheorie; Wissenschaftstheorie; Mediensoziologie; Kunstsoziologie;                                                                               Systemtheorie; Soziologische Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akalin@soz.uni-frankfurt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/fehmi_akalin&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
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		<title>Hauptseite</title>
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		<updated>2008-05-19T18:16:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;----&lt;br /&gt;
'''__FORCETOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin: 0; margin-right:10px; border: 2px solid #dfdfdf; background-color:#F2F2E5; text-align:justify&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
__NOTOC__&lt;br /&gt;
&amp;lt;!-- Begrüßung --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;padding: 0.3em 1em 0.7em 1em;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:18px;&amp;quot;&amp;gt;'''Herzlich Willkommen zur Wiki SOZIOLOGIE IN FRANKFURT (SOZFRA)'''&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;!-- Begrüßung --&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
'''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand der Geschichte der Institutionalisierung der  soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, werden in dem Lehrforschungsprojekt über zwei Semester, nicht nur generationsbedingte Umbruchphasen gekennzeichnet, sondern dargestellt wie sich das Gesicht der der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieses Forschungsszenario bildet den zweisemestrigen Forschungsprozess der Studierenden und der Mentoren und Mentorinnen ab, die in Arbeitsgruppen gemeinsam an bestimmten Fragestellungen arbeiten.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach zwei Semestern soll in dem mediawiki (SOZFRA) die Geschichte der Soziologie in Frankfurt transparent und nachvollziehbar aufbereitet sein. Dies dient der Vorbereitung einer Publikation über Soziologie in Frankfurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um eine Übersicht aller Seiten zu bekommen, wurde eine Hauptkategorie [[:Kategorie:SozFRA]] eingerichtet, die nach Schlagworten alphabetisch geordnet ist. Das wird die gezielte thematische Suche nach Artikeln erleichtern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div align=&amp;quot;right&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;'''Zum Thema [[Hilfe:Kategorien]]'''&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;margin:0; border:2px solid #dfdfdf; padding: 0em 1em 1em 1em; background-color:#F8F8FF;text-align: justify&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;font-size:16px;margin-top:4px; &amp;quot;&amp;gt;Seminarleitung&amp;lt;/div&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&amp;lt;ul&amp;gt;Links zu den Webseiten von&lt;br /&gt;
&amp;lt;li&amp;gt;Prof. Dr.Klaus Lichtblau&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
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&amp;lt;li&amp;gt; Bei Fragen oder Anregungen bitte eine Email an Felicia Herrschaft: F.Herrschaft@soz.uni.frankfurt.de schreiben.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Links zum eLearning * [http://www.rpi-virtuell.de/ http://www.rpi-virtuell.de/]&lt;br /&gt;
[http://www.megadigitale.uni-frankfurt.de/index.html '''mega'''digitale]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Der_Mittelbau_der_Jahre_1965-1972&amp;diff=3960</id>
		<title>Der Mittelbau der Jahre 1965-1972</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Der_Mittelbau_der_Jahre_1965-1972&amp;diff=3960"/>
		<updated>2008-03-14T23:56:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Soziologie und gesellschaftliche Krise - einige Vorannahmen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kaum einer anderen Wissenschaft stellt sich die Frage ihrer Perspektive mit ähnlicher Dringlichkeit wie der Soziologie. Als Wissenschaft des Sozialen ist sie immer schon Bestandteil ihres Gegenstandes und somit verpflichtet, nicht nur auf diesen Gegenstand, die Gesellschaft, zu reflektieren, sondern auch das Verhältnis ihrer selbst zum Objektbereich fortwährend zu überdenken und begrifflich zu fassen. &lt;br /&gt;
Und dieses Verhältnis lässt sich gerade in Zeiten gesellschaftlicher Krisen in angemessener Weise studieren. Krisen fordern den Soziologen/ die Soziologin heraus, etablierte Hypothesen näher zu überprüfen, und er ist oftmals auch im praktischen Umgang mit solchen Krisen einer der wichtigsten Ansprechpartner, kurz: die Krise zeigt, in welch spannungsreichem Verhältnis der Wissenschaftler zu seinem Objektbereich steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ende der sechziger Jahre lässt sich in der Bundesrepublik eine solche Krise - im Sinne gesellschaftlichen Wandels - verzeichnen, und gerade Frankfurt und hier insbesondere die Soziologie spielt in diesen Zusammenhängen eine ganz wesentliche Rolle. Die Rede ist von der Zeit studentischer Proteste, die ihrerseits aus ganz bestimmten gesellschaftlichen Umständen hervorgegangen sind und darüber hinaus die Gesellschaft in mancherlei Hinsicht verändern sollten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es stellt sich nun also die Frage, wie das Verhältnis von '''Wissenschaft und Gesellschaft''' oder '''Krise und Gesellschaft'''? zu dieser Zeit in Frankfurt beschaffen war. Und das schließt mehrere Anschlussragen ein: Da wäre zum einen der hochschulpolitische Aspekt, also die Frage, ob studentische Forderungen Einfluss auf die Struktur des Fachbereichs hatten, z.B. im Zuge der Hochschulreform. Aber auch wissenschaftsintern lassen sich mehrere interessante Fragen stellen: Welchen Einfluss hatten die Entwicklungen der sechziger Jahre auf den wissenschaftlichen Werdegang von Forschern und Forscherinnen? Haben sich gesellschaftliche Umstände signifikant auf die Orientierung der WissenschaftlerInnen ausgewirkt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Fragen ließen sich sicherlich universitätsübergreifend und an allen Positionen innerhalb der universitären Hierarchie bearbeiten, aber gerade der Mittelbau nimmt eine ganz besonders interessante Stellung ein. Hochschulpolitisch hat er eine mittlere Position zwischen den bereits etablierten Wissenschaftlern und den Studierenden inne und muss zwischen etwaigen politischen Forderungen und Karriereplanung vermitteln. Wissenschaftlich haben wir es im Mittelbau mit Forschenden zu tun, die sich gerade am Anfang ihres Werdeganges befinden und möglicherweise eher gewillt sind, sich in ihrer Ausrichtung umzuorientieren und die zahlreichen Beeinflussungen ausgesetzt sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und so versucht diese Forschungsarbeit, sich gerade dieser Fragen anzunehmen, also zu überprüfen, was aus dem Mittelbau dieser Jahre geworden ist, wie er die Hochschulpolitik und vor allem die Wissenschaft zu jener Zeit beeinflusst hat und welche Richtung er nach diesen turbulenten Jahren eingeschlagen hat. Es interessieren dabei nicht nur die in den Studentenrevolten aktiven Mitarbeiter, sondern auch solche, die gerade keine &amp;quot;Achtundsechziger&amp;quot; gewesen sind, die entweder in anderen Gruppen politisch aktiv waren oder sich nur auf ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anvisiert wird weiterhin in erster Linie das &amp;quot;Seminar für Gesellschaftslehre&amp;quot;, da das andere für die Soziologie so wichtige Institut, das &amp;quot;Institut für Sozialforschung&amp;quot;, schon in zahlreichen Arbeiten im Zusammenhang mit den sechziger Jahren untersucht wurde, während über die anderen Seminare und Institute diesbezüglich nur wenig bekannt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Spezifizierte Fragestellung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Arbeit untersucht die Stellung des wissenschaftlichen Mittelbaus an der Frankfurter Universität ab Mitte der sechziger Jahre. Insbesondere die Mitarbeiter [[:Kategorie:Thomas Luckmann|Thomas Luckmann]]s ([[Günter Dux]], [[Richard Grathoff]], [[Hansfried Kellner]] und [[Walter Sprondel]]) werden im Verlauf dieses Projekts - soweit möglich - auf ihre Frankfurter Zeit hin befragt, und ihre Stellung innerhalb der wirtschaftlich- sozialwissenschaftlichen Fakultät wird untersucht. Von Interesse sind dabei vor allem ihr Verhältnis zu den Professoren der WiSo-Fakultät, ihre hochschulpolitische Stellung, ihre Lehre, sowie die Bedeutung ihrer Assistentur in Frankfurt für ihre weitere wissenschaftliche Arbeit - denn die Assistenten von [[:Kategorie:Thomas Luckmann|Thomas Luckmann]]  haben allesamt eine akademische Laufbahn eingeschlagen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings soll es nicht bei der ausschließlichen Bearbeitung jener vier Assistenten bleiben. Es ist zu untersuchen, ob sich von dieser Bearbeitung ausgehend allgemeinere Schlüsse auf die Atmosphäre an der WiSo-Fakultät ziehen lassen. Zu diesem Zweck werden noch weitere Interviews herangezogen, in denen sich Professoren und ehemalige Assistenten an ihre Zeit als Frankfurter Soziologen erinnern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vorgehen möchte ich dabei folgendermaßen: Bezüglich des Verhältnisses zu den Professoren werden die Aussagen von damaligen Assistenten und Professoren kontrastiert. Wie äußern sich die Interviewten zu diesem Verhältnis, welche Konflikte und Gemeinsamkeiten lassen sich in diesen Äußerungen erkennen und worauf kann man etwaige Konflikte zurückführen? Hierfür, sowie für die hochschulpolitische Stellung der Assistenten insgesamt, ist eine grobe Kontextualisierung vonnöten. Was war überhaupt die Stellung von Assistenten an den Universitäten der BRD? Welche Veränderungen haben sich die Assistenten im Zuge der Hochschulreform erhofft? Und inwiefern handelt es sich bei der Frankfurter Universität um eine ganz gewöhnliche deutsche Universität, oder nimmt Frankfurt in diesen Belangen eine Sonderstellung ein?&lt;br /&gt;
Auch die Bearbeitung der Lehre erfordert einen Blick auf den bundesdeutschen Kontext. Anhand einer von Rolf Klima vorgenommenen Analyse deutscher Vorlesungsverzeichnisse zwischen 1950 und 1975 möchte ich versuchen, die Lehrveranstaltungen der Assistenten an der WiSo-Fakultät thematisch zu verorten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Assistenten des Seminars für Gesellschaftslehre ([[:Kategorie:Thomas Luckmann|Thomas Luckmann]]) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Hansfried Kellner]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Richard Grathoff]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Günter Dux]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Walter Sprondel]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Lehrveranstaltungen des Seminars für Gesellschaftslehre ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1964/1965]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1965]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1965/1966]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1966]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1966/1967]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1967]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1967/1968]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1968]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1968/1969]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1969]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1969/1970]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sommersemester 1970]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Wintersemester 1970/1971 und Sommersemester 1971]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Texte zum Thema ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Bibliographie ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Anweiler, Oskar; Fuchs, Hans-Jürgen; Dorner, Martina; Petermann, Eberhard (Hrsg.) (1992):''' Bildungspolitik in Deutschland 1945-1990, Bonn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Bock, Klaus Dieter (1972):''' Strukturgeschichte der Assistentur, Düsseldorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Keller, Andreas (2000):''' Hochschulreform und Hochschulrevolte. Selbstverwaltung und Mitbestimmung in der Ordinarienuniversität, der Gruppenhochschule und der Hochschule des 21. Jahrhunderts, Marburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Klima, Rolf (1979):''' Die Entwicklung der soziologischen Lehre an den westdeutschen Universitäten 1950-1975. Eine Analyse der Vorlesungsverzeichnisse, in: Lüschen, Günter (Hrsg.): Deutsche Soziologie seit 1945. Entwicklungsrichtungen und Praxisbezug, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderheft 21. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Matthiesen, Ulf (2006):''' Das Wissen des Karneades in der Hauptstadt der Kritischen Theorie. Thomas Luckmann in Frankfurt am Main 1965-1970, in: Tänzler, Dirk; Knoblauch, Hubert; Soeffner, Hans-Georg (Hrsg.): Neue Perspektiven der Wissenssoziologie, Konstanz. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Rüegg, Walter (1965):''' Hochschule und Öffentlichkeit, Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Rüegg, Walter (1968):''' Die studentische Revolte gegen die bürgerliche Gesellschaft, Erlenbach-Zürich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Schumm, Wilhelm (1969):'''Kritik der Hochschulreform, München.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- '''Turner, George (1995):''' Hochschulpolitik. Bilanz der Reformen und Perspektiven, Asendorf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Interviews ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Luckmann-Transkription| Gespräch mit Thomas Luckmann am 18. Februar 2008]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Rüegg-Transkription| Gespräch mit Walter Rüegg am 4. Januar 2008]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Dux-Transkription| Gespräch mit Günter Dux am 26. Februar 2008]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kellner-Transkription| Gespräch mit Hansfried Kellner am 4. März 2008]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauers_Nachlass&amp;diff=3951</id>
		<title>Kracauers Nachlass</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauers_Nachlass&amp;diff=3951"/>
		<updated>2008-03-14T15:36:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar befindet sich der gesamte Nachlass von Siegfried Kracauer, darunter die im Folgenden aufgeführten Briefwechsel, aber auch persönliche Dokumente und Unterlagen, sowie Materialsammlungen und Vorarbeiten zu seinen Schriften etc.'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Briefe an und von:===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Theodor W. Adorno''', Fritz René Allemann, Guido Aristarco, Rudolf Arnheim, Erich Auerbach, Iris Barry, '''Walter Benjamin''', Gottfried Benn, Alban Berg, Gottfried Bermann Fischer, Ernst Bloch, George Bluestone, Karl Friedrich Borée, Joseph Breitbach, Ferdinand Bruckner, Martin Buber, Hadley Cantril, Bruno Cassirer, Eugen Claassen, Walter Robert Corti, Clem Cramer, Barbara Deming, Alfred Döblin, Martin Domke, Lotte H. Eisner, John Elsas, Hans Fallada, James T. Farrell, Margherita de Francesco, Lutz Frank, Erich Franzen, Gisèle Freund, Egon Fritz, Richard Gabel, Manfred George, Margaret Goldsmith, Friedrich T. und Ella Gubler, Bernhard Guttmann, Daniel Halévy, Wilhelm Hausenstein, Arnold Hauser, Fränze Herzfeld, Hermann Hesse, Kurt Hirschfeld, Henri Hoppenot, '''Max Horkheimer''', Edmund Husserl, Hans Robert Jauß, Alvin Johnson, Werner Kaegi, Erich von Kahler, Rudolf Kayser, Fritz Kempe, Martin Kessel, Hermann Kesten, Rainer Koehne, Elisabeth Kracauer, Hedwig und Rosette Kracauer, Richard Krautheimer, Ernst Krenek, Walter Landauer, Fritz Lang, Leo Lania, Melvin J. Lasky, Paul F. Lazarsfeld, Emil Lederer, Herbert E. Levin, Hermann Linden, Ferdinand Lion, Hubertus Prinz zu Löwenstein, '''Leo Löwenthal''', '''Adolph Lowe''', Jean MacLachlan, André und Clara Malraux, Klaus Mann, Thomas Mann, '''Karl Mannheim''', Gabriel Marcel, Ludwig Marcuse, John Marshall, Julius Meier-Graefe, Peter Meyer, Henri Meyrowitz, Marta Mierendorff, Soma Morgenstern, Rudolph E. Morris, Roger Nathan, Asta Nielsen, Ernst Erich Noth, Emil Oprecht, Carl von Ossietzky, Erwin Panofsky, Alfons Paquet, Enno Patalas, '''Friedrich Pollock''', Benno Reifenberg, Hans Richter, David Riesman, Franz Rosenzweig, Joseph Roth, Paul Rotha, Meyer Schapiro, '''Max Scheler''', William S. Schlamm, Salman Schocken, Gershom Scholem, Paul Schrecker, Eugen Schufftan, Charles A. Siepmann, Ignazio Silone, '''Georg Simmel''', Ernst Simon, Hans Speier, Selmar Spier, Else Staudinger, Dolf Sternberger, Peter Suhrkamp, Georg und Marie Swarzenski, Max Tau, Kurt Tucholsky, Berthold Viertel, Amos Vogel, Fritz Wahl, Herman G. Weinberg, Ernst Weiß, Wolfgang Weyrauch, Konrad Wolff, Stefan Zweig &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Verlage S. Fischer, Kiepenheuer, Princeton University Press, Verlag für Demoskopie u.a.; Zeitschriften und Zeitungen &amp;quot;Commentary&amp;quot;, &amp;quot;Social Research&amp;quot; u.a.; Rundfunkanstalten, Filmgesellschaften, Archive, Bibliotheken, Museen, Institute. - Dokumente zum Exil in Frankreich und den Vereinigten Staaten; Gutachten, Briefe und andere Materialien aus seiner Arbeit für die Bollingen-Foundation, die John Simon Guggenheim Memorial Foundation und das Bureau of Applied Social Research; Unterlagen zu Kolloquien und Tagungen; Briefwechsel mit und über Klaus Mann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugehörige Materialien:&lt;br /&gt;
Zeugnisse, Ausweise und andere Lebensdokumente; Protokolle und weitere Unterlagen zur Society of Cinematologists; Dokumente zur Columbia University und zu Kracauers Teilnahme am University Seminar on the Problems of Interpretation; Briefe von und an Elisabeth Kracauer. &lt;br /&gt;
Zum Nachlaß gehören: Eine Autorenbibliothek, Sonderdrucke, Zeitschriften, Zeitungsausschnitte, zahlreiche Photographien. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Prosa=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(z.T. nur Vorarbeiten und Materialsammlungen): Roman &amp;quot;Georg&amp;quot;; Novellen &amp;quot;Die Gnade&amp;quot; u.a.; philosophische, kulturgeschichtliche und soziologische Untersuchungen &amp;quot;Der Detektiv-Roman&amp;quot;, &amp;quot;Georg Simmel&amp;quot;, &amp;quot;History&amp;quot;, &amp;quot;Jacques Offenbach und das Paris seiner Zeit&amp;quot;, &amp;quot;Theorie des Films&amp;quot;, &amp;quot;Von Caligari bis Hitler&amp;quot; u.a.; Essays und Aufsätze, Rundfunk- und Zeitungsbeiträge, Rezensionen und Filmkritiken. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verschiedenes/Autobiographisches===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Arbeitskarteien, Notizen, Exzerpte; Notizkalender und Adreßbücher.  &lt;br /&gt;
Tagebücher; Reiseunterlagen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Link Deutsches Literaturarchiv===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.dla-marbach.de/dla/index.html&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Siegfried_Kracauer:_Der_Soziologe_in_der_Frankfurter_Zeitung._Einflu%C3%9F_und_Wirken_eines_Au%C3%9Fenseiters_bis_1933&amp;diff=3950</id>
		<title>Siegfried Kracauer: Der Soziologe in der Frankfurter Zeitung. Einfluß und Wirken eines Außenseiters bis 1933</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Siegfried_Kracauer:_Der_Soziologe_in_der_Frankfurter_Zeitung._Einflu%C3%9F_und_Wirken_eines_Au%C3%9Fenseiters_bis_1933&amp;diff=3950"/>
		<updated>2008-03-14T15:35:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Einleitung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Siegfried Kracauer war kein klassischer Soziologe der Zwanziger und Dreißiger Jahre im allgemeinen Verständnis. Er war kein Lehrender an einer Hochschule oder einer ähnlichen Institution. Statt dessen war er Redakteur in einer der rennomiertesten bürgerlichen Zeitungen der Weimarer Republik, der &amp;quot;Frankfurter Zeitung&amp;quot;. &lt;br /&gt;
Als Feuilletonist jener Zeitung mit einem außerordentlichen soziologischen und philosophischen Verständnis war er in einer äußerst entscheidenden Position. Er berichtete direkt an die Gesellschaft, jedoch nicht von einer staatlichen Institution, sondern aus ihrer Mitte heraus, für sie. In seinen Artikeln befasste er sich seit Mitte der Zwanziger Jahre zunehmend mit sehr weltlichen, gesellschaftlichen, kulturellen aber auch sozialen Problemen, wobei sich sein gesellschaftliches Verständnis und Ansehen mit seiner bekanntesten soziologischen Studie &amp;quot;Die Angestellten. Aus dem neuesten Deutschland&amp;quot; Anfang der Dreißiger Jahre auf einem Höhepunkt befand.&lt;br /&gt;
Um eine Übersicht und einen Eindruck zu bekommen, wer diese Person als Mensch eigentlich war, hier ein kurzer [[Biographie Siegfried Kracauer|biographischer Überblick]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fragestellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Zusammenhang soll vor allem Kracauers Einfluss und sein daraus resultierendes Wirken auf die Soziologie in Frankfurt gegeben werden. Als intellektuelle Persönlichkeit pflegte er schon früh Kontakte zu bekannten Soziologen, die sich, mit seiner Rückkehr nach Frankfurt am Ende des Ersten Weltkrieges noch ausweiten sollten und so war er bereits in den frühen Zwanziger Jahren mit vielen Frankfurter Soziologen bekannt. Dazu ein kurzer Überblick mit einer [[Beziehungsübersicht im Rahmen der Frankfurter Soziologie]].&lt;br /&gt;
Im Vordergrund dieser Arbeit stehen die persönlichen, aber auch &amp;quot;geschäftlichen&amp;quot; Beziehungen, die Siegfried Kracauer während seiner Zeit in der &amp;quot;Frankfurter Zeitung&amp;quot; unterhielt. &lt;br /&gt;
In den freundschaftlichen Verhältnissen übte er einen grundlegenden Einfluss auf seine Kommunikationspartner, vor allem auf [[Beziehung zu Leo Löwenthal|Leo Löwenthal]] und [[Beziehung zu Theodor Wiesengrund (Adorno)|Theodor Wiesengrund (Adorno)]], aus und durch seine Position verschaffte er gerade [[Beziehung zu Walter Benjamin|Walter Benjamin]] immer wieder die Möglichkeit, seine Artikel zu veröffentlichen. Kracauer rezensierte auch selbst bekannte Soziologen, wie beispielsweise [[Beziehung zu Karl Mannheim|Karl Mannheim]], zu dem er einen brieflichen Kontakt pflegte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Artikel in der &amp;quot;Frankfurter Zeitung&amp;quot;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine grundlegende Analyse über Kracauers gesamte Artikel im Feuilleton der &amp;quot;Frankfurter Zeitung&amp;quot;, kann schon allein aufgrund ihrer Masse - deren zahlenmäßiger Umfang lässt sich allein bis zum Jahr auf knapp 1.900 beziffern, zumal fast die Hälfte davon bislang nicht veröffentlicht wurde -  leider nicht gegeben werden, jedoch soll durch eine kurze Zusammenstellung der, meiner Ansicht nach, primär [[Kracauers Soziologische Fachartikel|soziologisch ausgerichteten Fachartikel]], ein kurzer Überblick über diese Artikel gegeben werden - darunter fallen unter anderem jene Artikel, die sich ausdrücklich mit Soziologen sowie deren Veröffentlichungen beschäftigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Nachlass==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um einen Eindruck davon zu bekommen, welche sozialen Kontakte Siegfried Kracauer nicht nur während seiner Zeit in Deutschland, sondern auch nach seiner Emigration - welche ihn zuerst nach Paris und dann weiter in die Vereinigten Staaten führte - pflegte, mit welchen Personen er in brieflichem Kontakt stand, aber auch, um sich einen Überblick über weitere zahlreiche, bisher unveröffentlichte Dokumente zu verschaffen, empfiehlt es sich, seinen Nachlass im Deutschen Literaturarchiv in Marbach zu erschließen. Hier eine kurze Übersicht über [[Kracauers Nachlass]].&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Luckmann&amp;diff=3948</id>
		<title>Luckmann</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Luckmann&amp;diff=3948"/>
		<updated>2008-03-14T14:47:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Image:Luckmann2008.jpg|thumb|left|200px|Thomas Luckmann, 18.02.2008]]'''Thomas Luckmann''' (*14. Oktober 1927 in Jesenice, Slowenien)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kurzbiografie==&lt;br /&gt;
[[Thomas Luckmann]] wurde am 14. Oktober 1927 in Jesenice geboren. Seine Mutter stammt aus Slowenien, sein Vater aus Österreich. Daher wird Luckmann zweisprachig aufgezogen. 1942 wird sein Vater von Kommunisten erschossen. Ein Jahr später, 1943, zieht Luckmann mit seiner Mutter nach Wien. Dort absolviert Luckmann einen Segelkurs und erwirbt mit 16 die Pilotenlizenz. Nach einer Notmatura, meldet sich der 17- jährige bei der deutschen Luftwaffe. Während des Krieges gerät er in Kriegsgefangenschaft. 1946 kehrt er nach Wien zurück und holt 1947 seine Matura nach. Er beginnt an der Wiener Universität Sprachwissenschaften und Philosophie zu studieren. Doch schon bald darauf ist er aufgrund der russischen Besatzung gezwungen, Wien zu verlassen. Er setzt sein Studium an der Universität von Insbruck fort. 1950 heiratet er Benita Petkevic, die jedoch kurz darauf zugunsten eines Studiums in die Vereinigten Staaten geht. Kurz darauf wird auch Luckmann die Einreise genehmigt.&lt;br /&gt;
1951 wird Luckmanns erste Tochter geboren. Finanziell hält sich die junge Familie mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Bald darauf wird seine zweite Tochter geboren. Luckmann setzt sein Studium  an der ''Graduate Faculty der New York School for Social Research''fort.&lt;br /&gt;
1953 erlangt Luckmann seinen Abschluss in Philosophie und macht 1956 seinen Doktor. Er wird teaching assistant am Hobart College in Geneva. Dort lernt Luckmann [[Friedrich H. Tenbruck]] kennen.&lt;br /&gt;
1960 kehrt er an die Graduate Faculty als Nachfolger des inzwischen verstorbenen Alfred Schütz zurück. 1963 erscheint Luckmanns erstes Buch &amp;quot;Zum Problem der Religion in der modernen Gesellschaft&amp;quot;. &lt;br /&gt;
1965 folgt Luckmann einem Ruf nach Frankfurt für die Nachfolge des Lehrstuhls Franz Oppenheimers. Außerdem wird seine dritte Tochter geboren.&lt;br /&gt;
1966 erscheint &amp;quot;Social Construction of Reality&amp;quot;. Dieses Werk verfasste er gemeinsam mit [[Peter Berger]]. Ein Jahr später erscheint  &amp;quot;The invisible religion&amp;quot;.&lt;br /&gt;
1970 verlässt Luckmann die Frankfurter Universität, um dem Ruf der Universität Konstanz zu folgen. Dort gründet er das [[sozialwissenschaftliche Archiv]]. &lt;br /&gt;
1979 erscheint Band 1 von &amp;quot;Strukturen der Lebenswelt&amp;quot;. In den nächsten Jahren lehrt Luckmann als Gastprofessor an verschiedenen Universitäten. Er erhält die Ehrendoktorwürde der Universität Linköping (1986), der Universität Ljubljana (1993) und der NTNU Trontheim.&lt;br /&gt;
1994 emeretiert er.&lt;br /&gt;
2002 erscheint &amp;quot;Wissen und Gesellschaft&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Luckmanns Zeit in Frankfurt am Main==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von 1965 bis 1970 lehrt Luckmann an der Universität Frankfurt am Main. Obwohl Luckmann und seiner Frau Frankfurt und die Umgebung nicht sonderlich gut gefallen, entschließen sie sich den Ruf anzunehmen. Besonders [[Friedrich H. Tenbruck]], der zu dieser Zeit schon an der Univerität lehrte, setzte sich besonders für Luckmann ein. &lt;br /&gt;
Als Luckmann nach Deutschland zurück kommt, findet er in Frankfurt eine sehr angespannte Situation vor. Es ist die Zeit der Studentenrevolten und Frankfurt fungiert als Brennpunkt geistiger Auseinandersetzungen. Die Universität ist zu diesem Zeitpunkt besonders bekannt für die [[Frankfurter Schule]] und die durch Horkheimer und Adorno vertretene [[Kritische Theorie]]. Luckmanns Verhältnis zu Adorno und Horkheimer ist sehr angespannt, da diese ein ganz anderes Verstandnis zur Grundaufgabe der Wissenschaft haben. Luckmann kommt nicht gegen den dominanten Adorno an. Aufgrund dieser Differenzen bemühte Luckamann sich seine Wirkungsstätte zu verlagern. 1970 erhielt einen Ruf der Universität Konstanz und folgte diesem.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Publikationen==&lt;br /&gt;
*[http://www2.tu-berlin.de/~soziologie/AllgSoz/mitarbeiter/schnettler/klassiker/luckmann/publikationsliste.pdf Publikationsverzeichnis bis 2006 als pdf]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interview==&lt;br /&gt;
[[Luckmann-Transkription|Transkription des Luckmann-Interviews]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Wie_wurde_die_Studentenrevolte_theoretisch_vorbereitet%3F&amp;diff=3947</id>
		<title>Wie wurde die Studentenrevolte theoretisch vorbereitet?</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Wie_wurde_die_Studentenrevolte_theoretisch_vorbereitet%3F&amp;diff=3947"/>
		<updated>2008-03-14T14:42:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Mit meiner Arbeit zum Thema '''''„Theoretische Vorbereitung der Studentenrevolte 1968“''''' bearbeite ich, in welchem Ausmaß die soziologische Theoriebildung der Frankfurter Schule und deren [[Gesellschaftsverständnis]] zur Sprengkraft der '''Studentenbewegung''' beigetragen hat bzw. ob diese im Zusammenhang steht mit einem Bild der Gesellschaft, wie es in den 60er Jahren von der Frankfurter Soziologie vermittelt wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Auszügen aus den von uns durchgeführten Interviews möchte ich [[Ein Abbild der Gesellschaft in den 1960er Jahren]] skizzieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwiefern wurden neu aufgestellte theoretische Denkmodelle zeitgenössischer Soziologen benutzt, um die Aufstände vorzubereiten und zu rechtfertigen? Hier möchte ich der Frage nachgehen, wie Theorie und Praxis im Verhältnis zueinander stehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wurde die 68er Bewegung theoretisch vorbereitet: [[Die theoretische Vorbereitung der 68er-Bewegung]] ? Lassen sich dabei konkrete Schlüsseltexte ausmachen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich werde ebenfalls versuchen herauskristallisieren, welche Absichten die Studenten mit diesem Widerstand verfolgten. Gab es '''zentrale Texte''' in dieser Zeit, welche die Rebellion mit theoretischem Gehalt nährten? Wurden Denkmodelle und Schriften von beispielsweise Adorno, Horkheimer, Fromm und Marcuse fehlinterpretiert oder lediglich mit den falschen Mitteln verwirklicht? &lt;br /&gt;
''Siehe auch Habermas, Friedeburg, Denninger: [[Protestbewegung und Hochschulreform]]''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sieht das Beziehungsgeflecht zwischen Studenten, Theoretikern und der Gesellschaft zur damaligen Zeit aus und inwieweit hat es sich dieses Beziehungskonstrukt während und nach der Revolte aufgrund von Unstimmigkeiten in der Ausführung verändert? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Bilddokumente]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Das_Berufungsverfahren_von_Friedrich_H._Tenbruck&amp;diff=3723</id>
		<title>Das Berufungsverfahren von Friedrich H. Tenbruck</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Das_Berufungsverfahren_von_Friedrich_H._Tenbruck&amp;diff=3723"/>
		<updated>2008-03-12T22:31:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: einige Korrekturen vorgenommen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Zusammenfassung des Protokolls zur Sitzung der Berufungskommission Soziologie II am 29. Mai 1963==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Besetzung des 2. Lehrstuhls für Soziologie an der WISO-Fakultät kam es am 29. Mai 1963 zu einer Sitzung, in der entschieden werden sollte, ob [[Friedrich H. Tenbruck]] auf die Berufungsliste für das zweite soziologische Ordinariat gesetzt werden sollte. Anwesend waren bei dieser Sitzung der Dekan, [[Heinz Sauermann]], Achinger, Abraham, [[Walter Rüegg]] und mit beratender Stimme, [[Theodor W. Adorno]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Wintersemester 62/63 fanden an der Wiso-Fakultät offenbar eine Reihe von Vorträgen statt, die Hinweise auf Nomination für den zweiten Lehrstuhl für Soziologie geben sollten. Jedoch blieben diese Vortagsreihen ergebnislos und man bemächtigte im Februar 1963 Walter Rüegg gemeinsam mit Theodor W. Adorno, eine neue Vortagsreihe zu organisieren. Jedoch habe sich in der Zwischenzeit eine neue Situation ergeben, und zwar habe Friedrich H. Tenbruck zwei Rufe erhalten. Zum einem von der Louisiana State University und zum anderen von der Universität Erlangen. In dem Protokoll wird offensichtlich, dass die WISO-Fakultät ein großes Interesse hat, Tenbruck, der zurzeit mit einer kommissarischen Vertretung an der Universität Frankfurt beauftragt ist, an der Fakultät zu halten. Herr Rüegg erinnert daran, dass bereits bei den ersten Diskussionen für die Besetzung des Lehrstuhls Tenbruck vorgeschlagen wurde, und die Nominierung nur deshalb unterblieb, weil die Kommission Tenbrucks amerikanische Professur nicht anerkannte und sie das Gutachten von Theodor W. Adorno abwarten wollte. Mittlerweile habe sich Tenbruck aber in Freiburg habilitiert und außergewöhnlich gute Gutachten von Schelsky, König und Bergstraesser erhalten. Daher stellt Rüegg den Antrag, dass die beim Ministerium eingereichte Berufungsliste durch die Nominierung von Friedrich H. Tenbruck ergänzt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die persönlichen Vorbehalte Theodor W. Adornos seinen mittlerweile gegenstandslos. Auch Adornos Kritik gegenüber dem Buch &amp;quot;Jugend und Gesellschaft&amp;quot;&amp;quot; ständen äußerst positive Gutachten von Professor Andreas Flitner gegenüber. Dieser erklärt, dass sich Tenbrucks menschliche und sachliche Qualitäten erst bei näherem Kontakt erkennen lassen. Zu den Bedenken Adornos, dass Tenbruck für eine Mitarbeit am Institut für Sozialwissenschaften vollkommen ungeeignet wäre, wird geäußert, dass der neu berufene Ordinarius zuerst zum Ausbau des Soziologischen Unterrichts an der Fakultät beitragen solle und dann, nach einer gründlichen Einarbeitung, für Forschungsaufgaben außerhalb der Fakultät zur Verfügung stehen solle. Adorno bestätigt daraufhin, dass seine persönlichen Vorbehalte gegenüber Friedrich H. Tenbruck ausgelöscht wären, dass er aber trotzdem eine gemeinsame Arbeit am Institut für Sozialwissenschaften für äußerst unwahrscheinlich erachte. Er sei bisher der Überzeugung gewesen, dass sich die Besetzung des zweiten Ordinariats an die Bedingung knüpfte, dass der Lehrstuhlinhaber in die Geschäftführung des Instituts aufgenommen werden sollte. Aus diesem Grund möchte er weitere Nominierungen vorschlagen, die für diese Arbeit besser geeignet seien. Er schlug Dahrendorf und [[Ludwig von Friedeburg]] vor. Die Anwesenden dieser Sitzung erinnerten Adorno daran, dass Dahrendorf vor einigen Jahren schon einmal zu einem Vortrag eingeladen worden sei, und man mit Horkheimer zu der Übereinstimmung gekommen sei, dass Dahrendorf für eine Berufung nicht in Frage käme. Zu Ludwig von Friedeburg wurden die Vorbehalte geäußert, dass sein Spezialgebiet, nämlich die Methoden der empirischen Sozialforschung, im Lehrplan der WISO-Fakultät zum Gebiet der Statistik und empirischen Sozialforschung gehöre. Des Weiteren verteten die Mitglieder der WISO-Fakultät die Auffassung, dass ihr Mitwirken im Institut für Sozialforschung nicht an den zweiten Lehrstuhl der Fakultät gebunden sei. An Adorno wird die Frage gerichtet, warum Walter Rüegg für die Mitarbeit nicht in Betracht gezogen werde. Darauf erwidert Adorno, dass Rüegg aus persönlichen und sachlichen Gründen am Institut sehr willkommen sei, dass er jedoch aufgrund seiner Orientierung nicht die gewünschte Ergänzung für die Bearbeitung empirischer Methodenfragen wäre. In der nun folgenden Diskussion kam man zu dem Schluss, dass dies erst nach einer gemeinsamen Zusammenarbeit beurteilt werden könne.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Ende der Besprechung wird festgehalten, dass sich die Kommission einstimmig Rüeggs Antrag anschließen kann, Tenbruck auf die Berufungsliste zu setzen. Adorno kann sich dem Wunsch nicht anschließen. Jedoch ist man sich einig, dass das Mitwirken der WISO-Fakultät nicht an den Lehrstuhlinhaber des zweiten soziologischen Ordinariats gebunden ist. Rüeggs Mitarbeit am Institut soll verstärkt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akten der WISO Fakultät, Abt.150 Nr.294/295, Bl. 63/64/65, Archiv der J. W. Goethe-Universität, datiert vom 14. Juni 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Warum Adorno versuchte die Berufung von Friedrich H. Tenbruck zu verhindern==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie im vorherigen Absatz deutlich wird, wendet sich Adorno stark gegen eine Berufung Friedrich H. Tenbrucks. Sein Hauptargument liegt darin, dass er Tenbruck für eine Kooperation mit dem Institut weder für interessiert, noch für geeignet hält. Trotz der Einwände Rüeggs, der nicht an Tenbrucks Kooperationsfähigkeit zweifelt und versichert, dass Tenbruck keine ablehnende Haltung gegenüber dem Institut vertritt, ja sogar Horkheimer und Adorno sehr hoch schätzt, lässt sich Adorno nicht zu einer Zustimmung bewegen. Wie jedoch allgemein bekannt ist, kam es trotz seiner Einwände, anders als im Fall Golo Mann, zu einer Berufung Tenbrucks. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sehr auffällig ist jedoch, dass Adorno versucht, in die Berufungspolitik der WISO-Fakultät einzugreifen, obwohl er der Fakultät nicht angehört. Er wurde als beratende Stimme zu der Kommissionssitzung hinzu geholt. Jedoch ist sehr auffällig, dass seine beratende Stimme sehr dominant ist. Dies wird im Protokoll der Berufungssitzung sehr deutlich. Auch wenn alle anwesenden Mitglieder der Berufung von Tenbruck nichts entgegen zu setzen haben, wehrt er sich heftig und behält seinen Standpunkt, der letzten Endes alleine darauf zu beruhen scheint, dass er eine Zusammenarbeit am Institut für unmöglich hält. Jedoch scheint diese Zusammenarbeit nur von Seiten des Instituts unmöglich zu sein. &lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, warum Adorno diese Zusammenarbeit für unmöglich hält. Er ist weder mit Tenbruck besonders gut bekannt und obwohl er in seinem Gutachten Bedenken zu Tenbrucks Wissenschaftsbegriff einräumte, konnten diese aber anscheinend aus der Welt geschafft werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adorno schlägt für die Besetzung des Lehrstuhls Ludwig von Friedeburg vor. Diese Besetzung wäre für das Institut für Sozialforschung äußerst positiv. Friedeburg, der sich bei Adorno habilitierte, war zu diesem Zeitpunkt schon an eine Professur an der Freien Universität Berlin berufen worden. An dieser Stelle wird deutlich, dass Adorno ein außergewöhnliches Interesse hatte, Ludwig von Friedeburg nach Frankfurt zurück zu holen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weiteren möglichen Grund für den Versuch Adornos, eine Berufung Tenbrucks zu verhindern, bringt Clemens Albrecht. In den 50ern arbeitete Tenbruck als persönlicher Assistent Horkheimers im Institut für Sozialforschung. Außerdem fungierte Tenbruck für Horkheimer als Verbindungsmann zu den Amerikanern. Zu diesem Zeitpunkt arbeitet man im Institut für Sozialforschung an einer Forschungsarbeit zu dem Thema &amp;quot;Nationalsozialismus in Deutschland&amp;quot;. Tenbruck fiel auf, dass der Großteil der Mitarbeiter im Institut, die an diesem Forschungsprojekt arbeiteten, eine eigene nationalsozialistische Vergangenheit hatten. Tenbruck kritisierte, dass die eigene Vergangenheit der Mitarbeiter bewertet und aufgewertet wurde. Tenbruck bekam den Eindruck, dass im Institut eine falsche Sozialforschung betrieben werde und kritisierte dies offen.  Also sind ein weiterer Grund für Adornos Vorbehalte gegenüber Tenbruck, wissenschaftliche Differenzen. Nach Clemens Albrecht ist es jedoch bekannt, dass Horkheimer und Tenbruck zu jeder Zeit ein positives Verhältnis hatten .&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus diesen Tatsachen und Interpretationen könnte man schlussfolgern, dass die WISO- Fakultät und ihre Lehrenden, Adorno ein Dorn im Auge waren. Durch seine versuchten Interventionen in die Berufungspolitik der Fakultät drängt sich der Gedanke auf, dass er versuchte, Anhänger der Frankfurter Schule, wie zum Beispiel Friedrich von Friedeburg, in die WISO-Fakultät zu drängen, und diese somit gleichzuschalten. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beachtet man zusätzlich noch die Aussagen von Zeitzeugen, fällt auf, dass beide Soziologen, Tenbruck sowie Adorno, sehr stark auf Leute fixiert waren, die Sie bewunderten. Gerade in einem Interview fielen Aussagen wie: “es war ja so, dass vor allem Adorno mehr als Horkheimer eigentlich immer nur mit Leuten auskamen, die sie verehrten“. Zu Tenbruck sagte diese Person, dass dieser nur „Jünger und Feinde“  kannte. Außerdem scheinen beide Protagonisten in ihrer Soziologie ziemlich doktrinär gewesen zu sein. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden müssen ziemlich heftig gewesen sein, denn es wurde sogar erwähnt, dass Tenbruck nach Tübingen gegangen sei, weil er nicht die gleiche Luft atmen konnte. Ein anderer Zeitzeuge erwähnte, dass Tenbruck Konfrontationen scheute.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass der wahre Grund für die Antipathie zwischen Adorno und Tenbruck in ihrem unterschiedlichen Wissenschaftsverständnis liegt. Jedoch ist es doch beachtenswert, dass Adorno sich so gegen eine Berufung Tenbrucks stark macht, obwohl auch andere Professoren an der Universität eine andere Auffassung von Soziologie haben. An dieser Stelle sollte aber nochmals hervorgehoben werden, dass die Unstimmigkeiten zwischen Beiden zum Großteil wohl auf der doktrinären Art beider Wissenschaftler beruhten. Zudem stellt sich in weiteren Interviews heraus, dass Tenbruck, vorsichtig ausgedrückt, auch kein einfacher Mensch gewesen sei. Auch ehemalige Kollegen an der WISO-Fakultät betonen, dass die Zusammenarbeit oftmals sehr kompliziert war und dass es dort auch zu Streitigkeiten kam. [[Thomas Luckmann|Luckmann]] erwähnt in einem Interview, dass auch er Probleme mit Friedrich H. Tenbruck hatte. Es kam wohl dazu, dass sich Tenbruck, teilweise auch wegen persönlicher Gründe mit Berger, einem guten Freund Luckmanns, zerstritten hatte. Dieses Zerwürfnis färbte auf Luckmann ab und nach der Veröffentlichung eines gemeinsamen Buches mit Berger kam es zu weiteren Differenzen. Luckmann sieht den Grund der Differenzen in der Tatsache, dass Tenbruck sich für den Hauptentdecker des amerikanischen Pragmatismus sah. Luckmann vermutet, dass Tenbruck Angst hatte, sein Monopol als Experte der amerikanischen Soziologie zu verlieren. Jedoch hätten sich, Luckmann und Berger sich, noch bevor Tenbruck die Lehre Meads in Deutschland publik machte, mit demselben beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es zeigt sich also, dass nicht nur das Wissenschaftsverständnis zwischen den Fakultäten und innerhalb der WISO-Fakultät zu Differenzen führte, sondern auch die Persönlichkeit der einzelnen Protagonisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. Vortrag Clemens Albrecht: &amp;quot;Der Streit der Fakultäten: Die Linken gegen die Rechten – oder doch etwas mehr? Anmerkungen zur Soziologie in Frankfurt&amp;quot;, Frankfurt, 31.01.2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. Transkript: Gespräch mit Walter Rüegg, Frankfurt, 4.01.2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vgl. Transkript: Gespräch mit Thomas Luckmann, Konstanz, 18. Februar 2008.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Die_gescheiterte_Berufung_von_Golo_Mann&amp;diff=3425</id>
		<title>Die gescheiterte Berufung von Golo Mann</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Die_gescheiterte_Berufung_von_Golo_Mann&amp;diff=3425"/>
		<updated>2008-03-12T00:26:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ein weiterer Vorfall, der den Konflikt zwischen der WiSo-Fakultät und der philosophischen Fakultät verschärfte, war die geplante Berufung von Golo Mann an die WiSo-Fakultät. Horkheimer verhinderte die Berufung gemeinsam mit dem AJC (American Jewish Committee). Im Folgenden wird beschrieben, wie es zu dieser starken Intervention in die Berufungspolitik der Wiso-Fakultät kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Horkheimer und Golo Mann waren keine Unbekannten. Die beiden Familien lernten sich in der Zeit ihres Exils in den USA kennen. Auch nach der Rückkehr nach Deutschland hielten sie weiterhin losen Kontakt. Wie kam es, trotz der Freundschaft, dazu, dass Horkheimer die Berufung Golo Manns an die Universität Frankfurt im Jahr 1963 verhinderte?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Grund für die Auseinandersetzungen ist ein Vortrag Manns über seine Antisemitismus-Analysen vor dem Rhein-Ruhr-Klub aus dem Jahr 1960. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurden das IFS und der AJC verstärkt auf Mann aufmerksam. Als es dann um die Berufung Manns an die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät ging, hielt Horkheimer nochmals Rücksprache mit dem AJC. Man kam zu der Ansicht, dass „Manns Essay Schaden anrichten könne, weil es der alten nazistischen Propaganda über den Einfluss der Juden in Deutschland bedeutende Zugeständnisse mache“. Mann wurde ein heimlicher Antisemitismus unterstellt und Horkheimer verhinderte dessen Berufung durch einen Anruf beim hessischen Kultusminister.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier stellt sich die Frage, aufgrund welcher Tatsachen dem Juden Golo Mann ein heimlicher Antisemitismus unterstellt wurde. Dies führt vermutlich auf die verschiedenen Forschungsansätze Manns und des IFS zurück. Horkheimer und Adorno betrachteten den Antisemitismus als eine Krankheit der Täter. Nach dieser Deutung ist es unmöglich, dass die Opfer irgendeine Schuld trifft. Golo Mann untersucht in seinen Antisemitismus-Analysen die historischen Wurzeln hinter den antisemitischen Klischees. Dieses Forschungsinteresse steht der These Horkheimers diametral entgegen. Für Horkheimer gilt es als ausgemacht, dass Mann mit seiner Frage den jüdischen Opfern eine Teilschuld für die Entstehung des Antisemitismus zuweist. Allein Manns Forschungsfrage identifiziere ihn schon mit dem Antisemitismus. Nach der These Horkheimers und Adornos ist eine solche Fragestellung Manns nur möglich, wenn er bereits selber mit der Krankheit Antisemitismus infiziert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Quellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Clemens Albrecht: Warum Horkheimer Golo Mann einen „heimlichen Antisemiten“ nannte: Der Streit um die richtige Vergangenheitsbewältigung, in: Clemens Albrecht, Günter C. Behrmann, Michael Bock, Harald Homann &amp;amp; Friedrich H. Tenbruck: Die intellektuelle Gründung der Bundesrepublik – Eine Wirkungsgeschichte der Frankfurter Schule, Frankfurt 1999, S. 192.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Entstehung_des_Streits_zwischen_den_Fakult%C3%A4ten_in_den_30er_Jahren&amp;diff=3424</id>
		<title>Entstehung des Streits zwischen den Fakultäten in den 30er Jahren</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Entstehung_des_Streits_zwischen_den_Fakult%C3%A4ten_in_den_30er_Jahren&amp;diff=3424"/>
		<updated>2008-03-12T00:10:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Ein weiterer wichtiger Punkt, der für diese Arbeit geklärt werden sollte, betrifft die Frage, wie es eigentlich speziell in Frankfurt dazu kam, dass die Soziologie an zwei Fakultäten beheimatet war. Um dies darzustellen, muss man in die 30er Jahre zurückgehen. In dieser Zeit sieht Albrecht  die Grundlage für den Streit zwischen den Fakultäten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1928 bekam der Leiter des Instituts für Sozialforschung, Grünberg, einen Schlaganfall und wurde arbeitsunfähig. Nun musste ein neuer Institutsdirektor gefunden werden. Es kam jedoch nur Max Horkheimer in Frage, da nur er bereits habilitiert war und aufgrund seiner Persönlichkeit in der Lage war, das Institut zu leiten. In dem Moment, als Horkheimer den Direktorposten des Instituts übernahm, stellte sich die Frage, an welcher Fakultät der Lehrstuhl Horkheimers platziert werden sollte. Grünbergs Lehrstuhl war zwar an der WiSo-Fakultät eingerichtet gewesen, da aber Horkheimer sich in Philosophie habilitiert hatte, war die Übernahme dieses Lehrstuhls nicht möglich. Horkheimer selbst wünschte sich für seinen Lehrstuhl die Bezeichnung Soziologie und Philosophie. Nun kam es aber, dass genau zu dieser Zeit Karl Mannheim an die Universität Frankfurt berufen wurde. Dieser jedoch wehrte sich, als Inhaber eines Lehrstuhls an der WiSo-Fakultät, mit anderen Mitgliedern der Fakultät dagegen, dass Horkheimers Lehrstuhl an der Fakultät eingerichtet wurde mit dem Argument, dass Horkheimer sich die Soziologie aneignen wolle, obwohl er von dieser überhaupt keine Ahnung habe. Also wurde Horkheimers Lehrstuhl an der Philosophischen Fakultät eingerichtet. In diesem Konflikt sieht Albrecht den Ursprung für den Streit der Fakultäten. Bemerkenswert in diesem Zusammenhang ist außerdem, dass es hier zum ersten Mal zu Intervenierungen in der Berufungspolitik der Universität kam. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird wieder der Streit um die Frage deutlich, aus welchem Fach die Soziologie entstand. Auch diese Frage prägte den Streit der Fakultäten. Die an der WiSo-Fakultät beheimateten Soziologen vertraten die Ansicht, dass die Soziologie aus der Nationalökonomie entstand. An der Philosophischen Fakultät sah man den Ursprung in der Philosophie Simmels.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ist also der Ursprung des Streits zwischen den Fakultäten, welcher durch die Machtübernahme der Nationalsozialisten und die erzwungene Emigration vieler Professoren unterbrochen wurde. Zu einer Wiederaufnahme und Fortführung dieses Konflikts kam es nach der Rückkehr Adornos und Horkheimers aus den USA.&amp;lt;bibref f=&amp;quot;sozfra.bib&amp;quot;&amp;gt;Albrecht:2008b&amp;lt;/bibref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quelle==&lt;br /&gt;
&amp;lt;bibreferences/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Die_Geschichte_des_Vereins_f%C3%BCr_Sozialpolitik_1872-1932_(Dr.Franz_Boese)&amp;diff=3405</id>
		<title>Die Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932 (Dr.Franz Boese)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Die_Geschichte_des_Vereins_f%C3%BCr_Sozialpolitik_1872-1932_(Dr.Franz_Boese)&amp;diff=3405"/>
		<updated>2008-03-11T22:56:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Die Zeit 1919 bis 1932 */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;quot;Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932&amp;quot; von Dr. Franz Boese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chronologische Darstellung der Ereignisse, schlichte Schilderung des Geschehens im Verein über 60 Jahre ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein sah seine Aufgabe darin, einerseits die Politik des Laissez-faire in der Sozialpolitik, wie sie die deutschen Manchesterliberalen betrieben, zu bekämpfen, andererseits aber auch gegen die sozialrevolutionären Ideen des aufkommenden Sozialismus zu agieren. Die Gründer des Vereins wurden bald als Kathedersozialisten bezeichnet, weil sie, wie Schmoller es formulierte, „auf der Grundlage der bestehenden Ordnung die unteren Klassen soweit heben, bilden und versöhnen, dass sie in Harmonie und Frieden sich in den Organismus einfügen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gründung 1872 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eisenacher Tagung von 1872 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intention für die Gründung war die Tatsache, dass sich durch die Industrialisierung eine soziale Alternative zu den radikalen sozialistischen Ideen entwickelt hatte und man bemüht war, diese sozialen Gedanken weiter zu entwickeln (jährliche Versammlungen zu Lösung der sozialen Frage). Gäste waren u.a. Roscher, Engel, Hildebrandt, Conrad, Knapp, Bretano, Schmoller und Mithoff.&lt;br /&gt;
Gesprächsthemen waren die Lebensbedingungen, unter denen die Arbeiter heute leben sowie der wirtschaftliche und sittliche Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eisenacher Tagung von 1873 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bildeten sich ein linker und ein rechter Flügel, dazwischen ein vermittelndes Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechter Flügel: Vertreter von wirtschaftspolitisch liberalen Auffassungen (gegen zuviel Reformen)&lt;br /&gt;
Linker Flügel Entschlossene Reformer (Hoffnungen der vollständigen Umformung des wirtschaftspolitischen Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 13. Oktober 1873 wurden die vom Ausschuss vorgeschlagenen Statuten angenommen und der Verein offiziell begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf von Gneist wird Vorsitzender&lt;br /&gt;
Erwin Nasse stellvertretender Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1874 bis 1879 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entbrennen Diskussionen über den Schwerpunkt der Vereinstätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Wagner (Ökonom) wollte die Inangriffnahme einer grundsätzlichen sozialen Reform. &lt;br /&gt;
Gneist, Schmoller (Ökonom) und Brentano (Juraprofessor) dagegen schwebte vor, den Verein zu einem nationalökonomischen Seitenstück des Juristentages zu machen, also vor allem die Tätigkeit der Verwaltung auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet zu beeinflussen. Bretano wollte aus der Sozialpolitik im engeren Sinne eine Politik zugunsten der Hebung der Arbeiterklasse machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bretano: linker Flügel&lt;br /&gt;
Adolf Wagner: rechter Flügel&lt;br /&gt;
Schmoller, Gneist und Nasse: Zentrum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1880-1890 (Frankfurter Tagungen) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit 1880-1890 war die Agrarpolitik für die Vereinstätigkeit das beherrschende Thema um die bäuerlichen Zustände in Deutschland zu diskutieren. Die Verhältnisse bei den deutschen Sparkassen, die Fragen der landwirtschaftlichen Genossenschaft, Wucher auf dem Lande, die Invalidenversicherung und die Hausindustrie waren ebenfalls Gesprächsthema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Epoche von 1890 bis 1905&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen: &amp;quot;Das bäuerliche Erbrecht&amp;quot;, die &amp;quot;Auswandererfrage&amp;quot;, &amp;quot;Die Eisenbahnverstaatlichung&amp;quot;, &amp;quot;Die Börsenreform&amp;quot;, &amp;quot;Die Währungsfrage&amp;quot;, &amp;quot;Die Erbschaftssteuer&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1906 bis 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen: &amp;quot;Die Reform der preußischen Verwaltung&amp;quot;, &amp;quot;die sozialen Fragen der Kolonien&amp;quot;, &amp;quot;Die Reform der Sozialversicherung&amp;quot; eventuell unter Hinzunahme der &amp;quot;Arbeitslosenversicherung&amp;quot;. Außerdem wurde eine &amp;quot;Untersuchung über die Wirkung der Getreidezölle&amp;quot; angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Kriegszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Krieg legte die Arbeiten des Vereins keineswegs völlig still, engte sie aber ein. Es wurde versucht, sich an die österreichischen Mitglieder anzunähern und die Bindungen zu stärken, was aus Verkehrs- und Zensurgründen beschwerlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das große Thema der Zeit war die &amp;quot;Zollannäherung Deutschlands und Österreichs&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erörterung über die Neuordnung der deutschen Finanzwirtschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein kam zu der Schlussfolgerung, dass Finanzfragen das zentrale Thema für die kommende Zeit sein werden würden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die Abbürdung der Kriegsschuld durch eine einmalige große Vermögensabgabe&lt;br /&gt;
2. Die Erhöhung der direkten Steuern&lt;br /&gt;
3. Erhöhung der  Verbrauchssteuern&lt;br /&gt;
4. Ersparnisse in der Verwaltung&lt;br /&gt;
5. Die Wirkung des Kreiges auf die sozialen Zustände der Bevölkerung in Deutschland&lt;br /&gt;
6. Die Hauptfragen der Ernährungspolitik&lt;br /&gt;
7, Die sozialen Bewegungen in den Ostgebieten, in Belgien und auf dem Balkan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1919 bis 1932 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem militärischen Zusammenbruch Deutschlands wurde der Verein vor eine völlig veränderte Lage für seine Fortsetzung seiner Tätigkeit gestellt. Das Versammlungsverbot wurde zwar aufgehoben, aber über Termine für Tagungen gab es Unstimmigkeiten, die Verkehrsverhältnisse waren schlecht. Redner hatten oft keine Zeit für Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen wie: &amp;quot;Die Frage des Anschlusses von Deutschland-Österreich&amp;quot; und das &amp;quot;Sozialisierungsproblem&amp;quot; rückten in den Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
Im Laufe der 20er Jahre kamen &amp;quot;Arbeitslosigkeit&amp;quot;, &amp;quot;Das Kartellproblem&amp;quot;, &amp;quot;Das Schlichtungswesen&amp;quot;, &amp;quot;Soziale Werkspolitik&amp;quot; und &amp;quot;Die Inflation&amp;quot; hinzu.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Die_Geschichte_des_Vereins_f%C3%BCr_Sozialpolitik_1872-1932_(Dr.Franz_Boese)&amp;diff=3404</id>
		<title>Die Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932 (Dr.Franz Boese)</title>
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		<updated>2008-03-11T22:55:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;quot;Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932&amp;quot; von Dr. Franz Boese&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Chronologische Darstellung der Ereignisse, schlichte Schilderung des Geschehens im Verein über 60 Jahre ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein sah seine Aufgabe darin, einerseits die Politik des Laissez-faire in der Sozialpolitik, wie sie die deutschen Manchesterliberalen betrieben, zu bekämpfen, andererseits aber auch gegen die sozialrevolutionären Ideen des aufkommenden Sozialismus zu agieren. Die Gründer des Vereins wurden bald als Kathedersozialisten bezeichnet, weil sie, wie Schmoller es formulierte, „auf der Grundlage der bestehenden Ordnung die unteren Klassen soweit heben, bilden und versöhnen, dass sie in Harmonie und Frieden sich in den Organismus einfügen&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Gründung 1872 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eisenacher Tagung von 1872 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intention für die Gründung war die Tatsache, dass sich durch die Industrialisierung eine soziale Alternative zu den radikalen sozialistischen Ideen entwickelt hatte und man bemüht war, diese sozialen Gedanken weiter zu entwickeln (jährliche Versammlungen zu Lösung der sozialen Frage). Gäste waren u.a. Roscher, Engel, Hildebrandt, Conrad, Knapp, Bretano, Schmoller und Mithoff.&lt;br /&gt;
Gesprächsthemen waren die Lebensbedingungen, unter denen die Arbeiter heute leben sowie der wirtschaftliche und sittliche Fortschritt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Eisenacher Tagung von 1873 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es bildeten sich ein linker und ein rechter Flügel, dazwischen ein vermittelndes Zentrum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rechter Flügel: Vertreter von wirtschaftspolitisch liberalen Auffassungen (gegen zuviel Reformen)&lt;br /&gt;
Linker Flügel Entschlossene Reformer (Hoffnungen der vollständigen Umformung des wirtschaftspolitischen Denkens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am 13. Oktober 1873 wurden die vom Ausschuss vorgeschlagenen Statuten angenommen und der Verein offiziell begründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Rudolf von Gneist wird Vorsitzender&lt;br /&gt;
Erwin Nasse stellvertretender Vorsitzender&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1874 bis 1879 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es entbrennen Diskussionen über den Schwerpunkt der Vereinstätigkeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Adolf Wagner (Ökonom) wollte die Inangriffnahme einer grundsätzlichen sozialen Reform. &lt;br /&gt;
Gneist, Schmoller (Ökonom) und Brentano (Juraprofessor) dagegen schwebte vor, den Verein zu einem nationalökonomischen Seitenstück des Juristentages zu machen, also vor allem die Tätigkeit der Verwaltung auf wirtschaftlich-sozialem Gebiet zu beeinflussen. Bretano wollte aus der Sozialpolitik im engeren Sinne eine Politik zugunsten der Hebung der Arbeiterklasse machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bretano: linker Flügel&lt;br /&gt;
Adolf Wagner: rechter Flügel&lt;br /&gt;
Schmoller, Gneist und Nasse: Zentrum&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1880-1890 (Frankfurter Tagungen) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Zeit 1880-1890 war die Agrarpolitik für die Vereinstätigkeit das beherrschende Thema um die bäuerlichen Zustände in Deutschland zu diskutieren. Die Verhältnisse bei den deutschen Sparkassen, die Fragen der landwirtschaftlichen Genossenschaft, Wucher auf dem Lande, die Invalidenversicherung und die Hausindustrie waren ebenfalls Gesprächsthema.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Epoche von 1890 bis 1905&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen: &amp;quot;Das bäuerliche Erbrecht&amp;quot;, die &amp;quot;Auswandererfrage&amp;quot;, &amp;quot;Die Eisenbahnverstaatlichung&amp;quot;, &amp;quot;Die Börsenreform&amp;quot;, &amp;quot;Die Währungsfrage&amp;quot;, &amp;quot;Die Erbschaftssteuer&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit von 1906 bis 1914 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen: &amp;quot;Die Reform der preußischen Verwaltung&amp;quot;, &amp;quot;die sozialen Fragen der Kolonien&amp;quot;, &amp;quot;Die Reform der Sozialversicherung&amp;quot; eventuell unter Hinzunahme der &amp;quot;Arbeitslosenversicherung&amp;quot;. Außerdem wurde eine &amp;quot;Untersuchung über die Wirkung der Getreidezölle&amp;quot; angestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Kriegszeit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Krieg legte die Arbeiten des Vereins keineswegs völlig still, engte sie aber ein. Es wurde versucht, sich an die österreichischen Mitglieder anzunähern und die Bindungen zu stärken, was aus Verkehrs- und Zensurgründen beschwerlich war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das große Thema der Zeit war die &amp;quot;Zollannäherung Deutschlands und Österreichs&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erörterung über die Neuordnung der deutschen Finanzwirtschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verein kam zu der Schlussfolgerung, dass Finanzfragen das zentrale Thema für die kommende Zeit sein werden würden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Die Abbürdung der Kriegsschuld durch eine einmalige große Vermögensabgabe&lt;br /&gt;
2. Die Erhöhung der direkten Steuern&lt;br /&gt;
3. Erhöhung der  Verbrauchssteuern&lt;br /&gt;
4. Ersparnisse in der Verwaltung&lt;br /&gt;
5. Die Wirkung des Kreiges auf die sozialen Zustände der Bevölkerung in Deutschland&lt;br /&gt;
6. Die Hauptfragen der Ernährungspolitik&lt;br /&gt;
7, Die sozialen Bewegungen in den Ostgebieten, in Belgien und auf dem Balkan&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Zeit 1919 bis 1932 ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem militärischen Zusammenbruch Deutschlands wurde der Verein vor eine völlig veränderte Lage für seine Fortsetzung seiner Tätigkeit gestellt. Das Versammlungsverbot wurde zwar aufgehoben, aber über Termine für Tagungen gab es Unstimmigkeiten, die Verkehrsverhältnisse waren schlecht. Redner hatten oft keine Zeit für Vorträge.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Themen wie: &amp;quot;Die Frage des Anschlusses von Deutschland-Österreich&amp;quot; und das &amp;quot;Sozialisierungsproblem&amp;quot; rückten in den Mittelpunkt.&lt;br /&gt;
Im Laufe der 20er Jahre kamen &amp;quot;Arbeitslosigkeit&amp;quot;, &amp;quot;Das Kartellproblem&amp;quot;, &amp;quot;Das Schlichtungswesen&amp;quot;, &amp;quot;Soziale Werkspolitik&amp;quot; und &amp;quot;Die Inflation&amp;quot; hinzu.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Chronologie_der_Entstehung_und_Institutionalisierung_der_Soziologie_in_Frankfurt&amp;diff=3403</id>
		<title>Chronologie der Entstehung und Institutionalisierung der Soziologie in Frankfurt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Chronologie_der_Entstehung_und_Institutionalisierung_der_Soziologie_in_Frankfurt&amp;diff=3403"/>
		<updated>2008-03-11T22:43:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;* 1890 Das [[Institut für Gemeinwohl]] wird von [[Wilhelm Merton]] gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1901 Die [[Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften]] wird gegründet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1914 Gründung der Universität. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1. April 1919 - [[Franz Oppenheimer]] übernimmt die neubegründete Professur für Soziologie und theoretische Nationalökonomie an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Frankfurt am Main.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wintersemester 1919/1920 - erste Vorlesungen Franz Oppenheimers (unter anderem über das &amp;quot;System der Soziologie&amp;quot;).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1921 wird [[Gottfried Salomon-Delatour]] der Assistent von Franz Oppenheimer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1923 erteilt die preußische Regierung die Genehmigung für den Bau eines Institutes für Sozialforschung, nebenbei wird ebenfalls die „Gesellschaft für Sozialforschung e.V.“, deren Mitglieder u.a. Weil, Gerlach und Horkheimer angehören, gegründet. Beide finanzieren sich größtenteils durch das Privatvermögen von Weil Senior. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Am 22. Juni 1924 wird das Institut für Sozialforschung unter Führung Grünbergs eröffnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1926 [[Max Horkheimer]] wird Privatdozent an der Universität in Frankfurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Wintersemester 1928/1929 - letzte Vorlesungen Franz Oppenheimers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Ende März 1929 - Emeritierung Franz Oppenheimers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 01.04.1930 [[Karl Mannheim]] tritt seine Professur an.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 01.04.1930 Das Soziologische Seminar von [[Karl Mannheim]] entsteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1930 erhält [[Gottfried Salomon-Delatour]] einen Lehrauftrag über französische Philosophen und Soziologen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 14.10.1930 Lebenslange Vereinbarung zwischen [[Felix Weil]], [[Friedrich Pollock]] und [[Max Horkheimer]], dass letzterem „gewisse Beträge“ zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden, auch wenn der Gesellschaft für Sozialforschung die erforderlichen Mittel entzogen würden. Abgedeckt werden sollen diese Beträge durch das Privatvermögen von [[Felix Weil]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 24.01.1931 Antrittsvorlesung von [[Max Horkheimer]] als neuer Direktor des Institutes für Sozialforschung über &amp;quot;Die gegenwärtige Lage der Sozialphilosophie und die Aufgaben eines Instituts für Sozialforschung&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 10.02.1932 Pollock und Weil schließen mit Horkheimer einen Vertrag, der Horkheimer einen monatlichen Betrag von 1500 Reichsmark für die Dauer seines Lebens zusichert. Dieser Betrag soll, je nach politischer Situation und jeweiligem Aufenthaltsort, in 5 verschiedenen Währungen ausgezahlt werden können. In dem Fall, dass Horkheimer vor seiner Gattin sterben sollte, soll jene 750 Reichsmark monatlich, sowie Pensionsansprüche einer Ehefrau eines Professors nach preußischer Stellung bekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 14.03.1933 Schließung des Institutes für Sozialforschung wegen eines Schusses an der Universität. Es werden auch Studentenräume in der Universität durchsucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 13.04.1933 Beurlaubung von [[Karl Mannheim]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 14.04.1933 In der Frankfurter Zeitung werden die Namen jener Professoren abgedruckt, die als erste Hochschullehrer „beurlaubt“ worden sind. Auffällig dabei ist, dass neben Horkheimer noch weitere fünf Professoren von der Frankfurter Universität ihren Hut nehmen mussten. (Mannheim, Heller, Löwe, Zinsheimer, Tüllich).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1.12.1933 [[Karl Mannheim]] wird offziell entlassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 01.02. 1946 Der Lehrbetrieb an der [[WiSo Fakultät]] wird wieder aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1950 Wiedererrichtung des [[Instituts für Sozialforschung]].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
* 1954 Die Diplomprüfungsordnung tritt in Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1965 [[Thomas Luckmann]] kommt nach Frankfurt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1966/1967 Gründung des Soziologischen Seminars in der Myliusstraße (unter [[Theodor W. Adorno]], [[Ludwig von Friedeburg]] und [[Jürgen Habermas]]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* 1970 Das Hessische Hochschulgesetz tritt in Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Juli 1971 Gründung der Fachbereiche&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[SozFra:Portal#.C3.9Cbersichten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Verzeichnis_bedeutender_Personen_f%C3%BCr_die_Soziologie_in_Frankfurt&amp;diff=3402</id>
		<title>Verzeichnis bedeutender Personen für die Soziologie in Frankfurt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Verzeichnis_bedeutender_Personen_f%C3%BCr_die_Soziologie_in_Frankfurt&amp;diff=3402"/>
		<updated>2008-03-11T22:34:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;{| align=&amp;quot;right&amp;quot;&lt;br /&gt;
  | __TOC__&lt;br /&gt;
  |}&lt;br /&gt;
__NOEDITSECTION__&lt;br /&gt;
===A===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Fritz Abb]] (Wirtschafts-und Sozialpolitik)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Achinger]] (Sozialpolitik)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Theodor W. Adorno]] (Soziologie, Philosophie, Musikwissenschaft)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===B===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Horst Baier]] (Soziologie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Egon Becker]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===C===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===D===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Günter Dux]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===E===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Norbert Elias]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===F===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Iring Fetscher]] (Politikwissenschaft, Philosophie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ernst Fraenkel]] (Wirtschafts- und Sozialgeschichte)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ludwig von Friedeburg]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===G===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Hans Gerth]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Glatzer]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Richard Grathoff]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rudolf Gunzert]] (Statistische Methoden der empirischen Sozialforschung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===H===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jürgen Habermas]] (Philosophie und Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Eike Hennig]] (Soziologie, Politologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Otto Hondrich]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Max Horkheimer]] (Philosophie]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===I===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===J===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===K===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Klaus Kippert]] (Soziologie der Erziehung/Schulsoziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Siegfried Kracauer: Der Soziologe in der Frankfurter Zeitung. Einfluß und Wirken eines Außenseiters bis 1933| Siegfried Kracauer]] (Soziologie, Feuilletonredakteur)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jan Jacob van Klaveren]] (Wirtschafts- und Sozialgeschichte)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Julius Kraft]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===L===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kurt Lenk]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Thomas Luckmann]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===M===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ulf Matthiesen]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Karl Mannheim]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ruth Meyer]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Herrmann Müller]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===N===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ludwig Neundörfer]] (Soziologie der Erziehung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Elisabeth Neumayer]] (Sozialpsychologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===O===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ulrich Oevermann]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Claus Offe]] (Politikwissenschaften, Philosophie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Franz Oppenheimer]]  (Soziologie, Nationalökonomie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===P===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Helge Pross]] (Dogmengeschichte und Systematik der Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Q===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===R===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kurt Riezler]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Walter Rüegg]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Johann [[Peter Ruppert]] (Sozialpsychologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Jürgen Ritsert]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===S===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Gottfried Salomon-Delatour]] (Soziologie und Philosophie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Constans Seyfarth]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Peter Schönbach]] (Empirische Sozialforschung und Sozialpsychologie)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Walter Sprondel]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Walter Sulzbach]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===T===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Friedrich H. Tenbruck]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Manfred Teschner]] (Industriesoziologie und Bildungssoziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===U===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===V===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rudolf Vogel]] (Soziologie der Erziehung)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===W===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Franz Wurm]] (Wirtschaftssoziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===X===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Y===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Z===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Wolfgang Zapf]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Heinz-Otto Ziegler]] (Soziologie)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
[[SozFra:Portal#.C3.9Cbersichten|Hauptseite]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2008-03-11T22:30:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__NOEDITSECTION__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#F2F2E5;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fragestellung und Vorgehen===&lt;br /&gt;
[[Image:AfETurm.jpg|thumb|left|100px|AfE-Turm, errichtet von 1970 bis 1972]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen, Plenum, Ablauf ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jeweiligen Arbeitsgruppen befassten sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt. Dazu wurden eigene erste Fragestellungen fomuliert, die in dem Artikel [[Vorüberlegungen und offene Fragestellungen]] dokumentiert sind. [[Image:Jügelhaus.jpg|thumb|right|180px|Das Jügelhaus wurde 1906 als Teil der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften errichtet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen wurden in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt. Die durchgeführten [[Interviews]] wurden als Transkriptionen von allen Teilnehmenden angefertigt, so dass in den einzelnen Arbeiten je nach Bedarf leicht darauf zurückgegriffen konnte. Das Wiki-System war als [[Didaktisches Szenario]] thematisch in Diskussion und Weiterentwicklung des Projekts eingebunden.&lt;br /&gt;
Während der beiden Semester haben [[Vorträge und Konferenzen]] stattgefunden, die jeweils zur Erweiterung des thematischen Feldes beigetragen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 1. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1933 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 1]] beziehen sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter '''Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften''', die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll), die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: die Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik, in die entstehenden Arbeiten ein. (BetreuerInnen: [[Amalia Barboza]], [[Aurélien Berlan]], [[Claudius Härpfer]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 1]]====&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;1&amp;quot;&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:100px-Adickes.jpg|frame|center|90px|[[Die Anfangsgeschichte der Universität Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Oppenheimer1.jpg |frame|center|100px|[[Franz Oppenheimer und der erste Lehrstuhl für Soziologie an der Frankfurter Universität|Franz Oppenheimer]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:KarlMannheim1.jpg|frame|center|100|[[Karl Mannheim|Karl &amp;lt;br /&amp;gt;Mannheim]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Horkheimer1.jpg|frame|center|100|[[Das Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Insbesondere das Wirken Max Horkheimers, sowie das Wesen des Institutes während des zweiten Weltkrieges|Max Horkheimer und das IfS]] ]]&lt;br /&gt;
|valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Elias1.jpg|frame|center|100|[[Mannheims Studenten in der Galaxis der Frankfurter Soziologie| Karl Mannheims StudentInnen, Bild: Norbert Elias]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Salomon1.jpg|frame|center|100px|[[Gottfried Salomon Delatour: Sein Einfluss auf die Soziologie in Frankfurt und seine Verbindungen|Gottfried Salomon-Delatour]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Kracauer1.jpg|frame|center|100px|[[Siegfried Kracauer: Der Soziologe in der Frankfurter Zeitung. Einfluß und Wirken eines Außenseiters bis 1933|Siegfried&amp;lt;br /&amp;gt;Kracauer]] ]]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 2. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 2]] behandeln unter anderem den demokatischen Neubeginn der Universität in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie sowie die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform. (BetreuerInnen: [[Fehmi Akalin]], [[Thorsten Benkel]], [[Claudius Härpfer]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 2]]====&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;2&amp;quot;&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Luckmann.jpg|frame|center|50px|[[Der Fakultätenstreit]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:jürgenhabermas1.jpg |frame|center|50px|[[Jürgen Habermas - Verpasste Chance für Frankfurt|Jürgen&amp;lt;br/&amp;gt;Habermas]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:4_73_0_Frauenzentrum2_gr.jpg|frame|center|50px|[[Frauen in der Soziologie in Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Goethe_zitat.jpg|frame|center|50px|[[Die Berufungspolitik ab 1945]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:dutschke2-kl.jpg|frame|center|50px|[[Der Mittelbau der Jahre 1965-1972]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Studentenrevolte1.jpg|frame|center|50px|[[Wie wurde die Studentenrevolte theoretisch vorbereitet?]]]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Übersichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Verzeichnis bedeutender Personen für die Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Chronologie der Entstehung und Institutionalisierung der Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Die Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932 (Dr.Franz Boese)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Artikelsammlung Universität Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rektoratsreden 1914-1989]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Dekane und Dekaninnen Fb 3|DekanInnen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorlesungsverzeichnisse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Image:IfEGebäudeErstes.jpg|thumb|right|200px|Das Gebäude des Instituts für Sozialforschung zwischen 1924 und 1933]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interviews==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Interviewpartner im Wintersemester]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Informationen und Eckdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Auszüge Transkriptionen der Interviews]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Methoden und Auswertung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturliste==&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorträge und Konferenzen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Veranstaltungsdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[TeilnehmerInnen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Eingangsfragen&amp;diff=3400</id>
		<title>Eingangsfragen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Eingangsfragen&amp;diff=3400"/>
		<updated>2008-03-11T22:27:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In dem Lehrforschungsprojekt Soziologie in Frankfurt beschäftigen wir uns mit der Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis in die Siebziger Jahre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wir haben Sie  als Zeitzeugen und Experten zu einem Gespräch / Interview eingeladen, um das intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, für das die Soziologie in Frankfurt bekannt geworden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herr /Frau ... , koennten Sie uns erzählen, wie Sie diese Zeit, als Sie in den Sechziger Jahren an die Uni-Frankfurt gekommen sind, wahrgenommen haben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Könnten Sie Ihre Sicht auf die Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre in den Sechziger und Siebziger Jahren beschreiben?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sehen Sie Ihre persönliche Rolle in der Institutionalisierung der Soziolgie in Frankfurt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was assoziieren Sie mit der Soziologie in Frankfurt in den Sechziger und Siebziger Jahren?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wofür stand für Sie die Soziologie in Frankfurt in den Sechziger und Siebziger Jahren?&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Informationen_und_Eckdaten&amp;diff=3399</id>
		<title>Informationen und Eckdaten</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Informationen_und_Eckdaten&amp;diff=3399"/>
		<updated>2008-03-11T22:26:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Eckdaten Interviews, Eingangsfragen'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Eingangsfragen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier findet ihr Eckdaten für Fragen, die in allen Interviews vorkommen sollten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Interview-Eckdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Flugblättertexte zur Gründung der Fachbereiche 1971]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Deutsche Gesellschaft für Soziologie in der Nachkriegsperiode]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Interviewmethoden'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Methodenreader ist im Copyshop &amp;quot;etc&amp;quot; in der Graefstr. hinterlegt.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=SozFra:Portal&amp;diff=3398</id>
		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2008-03-11T22:25:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__NOEDITSECTION__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#F2F2E5;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fragestellung und Vorgehen===&lt;br /&gt;
[[Image:AfETurm.jpg|thumb|left|100px|AfE-Turm, errichtet von 1970 bis 1972]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen, Plenum, Ablauf ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jeweiligen Arbeitsgruppen befassten sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt. Dazu wurden eigene erste Fragestellungen fomuliert, die in dem Artikel [[Vorüberlegungen und offene Fragestellungen]] dokumentiert sind. [[Image:Jügelhaus.jpg|thumb|right|180px|Das Jügelhaus wurde 1906 als Teil der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften errichtet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen wurden in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt. Die durchgeführten [[Interviews]] wurden als Transkriptionen von allen Teilnehmenden angefertigt, so dass in den einzelnen Arbeiten je nach Bedarf leicht darauf zurückgegriffen konnte. Das Wiki-System war als [[Didaktisches Szenario]] thematisch in Diskussion und Weiterentwicklung des Projekts eingebunden.&lt;br /&gt;
Während der beiden Semester haben [[Vorträge und Konferenzen]] stattgefunden, die jeweils zur Erweiterung des thematischen Feldes beigetragen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 1. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1933 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 1]] beziehen sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter '''Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften''', die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll), die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: die Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik, in die entstehenden Arbeiten ein. (BetreuerInnen: [[Amalia Barboza]], [[Aurélien Berlan]], [[Claudius Härpfer]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 1]]====&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;1&amp;quot;&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:100px-Adickes.jpg|frame|center|90px|[[Die Anfangsgeschichte der Universität Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Oppenheimer1.jpg |frame|center|100px|[[Franz Oppenheimer und der erste Lehrstuhl für Soziologie an der Frankfurter Universität|Franz Oppenheimer]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:KarlMannheim1.jpg|frame|center|100|[[Karl Mannheim|Karl &amp;lt;br /&amp;gt;Mannheim]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Horkheimer1.jpg|frame|center|100|[[Das Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Insbesondere das Wirken Max Horkheimers, sowie das Wesen des Institutes während des zweiten Weltkrieges|Max Horkheimer und das IfS]] ]]&lt;br /&gt;
|valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Elias1.jpg|frame|center|100|[[Mannheims Studenten in der Galaxis der Frankfurter Soziologie| Karl Mannheims StudentInnen, Bild: Norbert Elias]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Salomon1.jpg|frame|center|100px|[[Gottfried Salomon Delatour: Sein Einfluss auf die Soziologie in Frankfurt und seine Verbindungen|Gottfried Salomon-Delatour]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Kracauer1.jpg|frame|center|100px|[[Siegfried Kracauer: Der Soziologe in der Frankfurter Zeitung. Einfluß und Wirken eines Außenseiters bis 1933|Siegfried&amp;lt;br /&amp;gt;Kracauer]] ]]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 2. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 2]] behandeln unter anderem den demokatischen Neubeginn der Universität in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie sowie die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform. (BetreuerInnen: [[Fehmi Akalin]], [[Thorsten Benkel]],[[Claudius Härpfer]],[[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 2]]====&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;2&amp;quot;&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Luckmann.jpg|frame|center|50px|[[Der Fakultätenstreit]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:jürgenhabermas1.jpg |frame|center|50px|[[Jürgen Habermas - Verpasste Chance für Frankfurt|Jürgen&amp;lt;br/&amp;gt;Habermas]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:4_73_0_Frauenzentrum2_gr.jpg|frame|center|50px|[[Frauen in der Soziologie in Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Goethe_zitat.jpg|frame|center|50px|[[Die Berufungspolitik ab 1945]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:dutschke2-kl.jpg|frame|center|50px|[[Der Mittelbau der Jahre 1965-1972]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Studentenrevolte1.jpg|frame|center|50px|[[Wie wurde die Studentenrevolte theoretisch vorbereitet?]]]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Übersichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Verzeichnis bedeutender Personen für die Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Chronologie der Entstehung und Institutionalisierung der Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Die Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932 (Dr.Franz Boese)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Artikelsammlung Universität Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rektoratsreden 1914-1989]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Dekane und Dekaninnen Fb 3|DekanInnen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorlesungsverzeichnisse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Image:IfEGebäudeErstes.jpg|thumb|right|200px|Das Gebäude des Instituts für Sozialforschung zwischen 1924 und 1933]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interviews==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Interviewpartner im Wintersemester]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Informationen und Eckdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Auszüge Transkriptionen der Interviews]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Methoden und Auswertung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturliste==&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorträge und Konferenzen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Veranstaltungsdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[TeilnehmerInnen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=SozFra:Portal&amp;diff=3397</id>
		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2008-03-11T22:24:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
__NOEDITSECTION__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#F2F2E5;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fragestellung und Vorgehen===&lt;br /&gt;
[[Image:AfETurm.jpg|thumb|left|100px|AfE-Turm, errichtet von 1970 bis 1972]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen, Plenum, Ablauf ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die jeweiligen Arbeitsgruppen befassten sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt. Dazu wurden eigene erste Fragestellungen fomuliert, die in dem Artikel [[Vorüberlegungen und offene Fragestellungen]] dokumentiert sind. [[Image:Jügelhaus.jpg|thumb|right|180px|Das Jügelhaus wurde 1906 als Teil der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften errichtet]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen wurden in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt. Die durchgeführten [[Interviews]] wurden als Transkriptionen von allen Teilnehmenden angefertigt, so dass in den einzelnen Arbeiten je nach Bedarf leicht zurückgegriffen konnte. Das Wiki-System war als [[Didaktisches Szenario]] thematisch in Diskussion und Weiterentwicklung des Projekts eingebunden.&lt;br /&gt;
Während der beiden Semester haben [[Vorträge und Konferenzen]] stattgefunden, die jeweils zur Erweiterung des thematischen Feldes beigetragen haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 1. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1933 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 1]] beziehen sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter '''Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften''', die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll), die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: die Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik, in die entstehenden Arbeiten ein. (BetreuerInnen: [[Amalia Barboza]], [[Aurélien Berlan]], [[Claudius Härpfer]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 1]]====&lt;br /&gt;
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[[Image:100px-Adickes.jpg|frame|center|90px|[[Die Anfangsgeschichte der Universität Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Oppenheimer1.jpg |frame|center|100px|[[Franz Oppenheimer und der erste Lehrstuhl für Soziologie an der Frankfurter Universität|Franz Oppenheimer]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:KarlMannheim1.jpg|frame|center|100|[[Karl Mannheim|Karl &amp;lt;br /&amp;gt;Mannheim]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Horkheimer1.jpg|frame|center|100|[[Das Institut für Sozialforschung in Frankfurt. Insbesondere das Wirken Max Horkheimers, sowie das Wesen des Institutes während des zweiten Weltkrieges|Max Horkheimer und das IfS]] ]]&lt;br /&gt;
|valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Elias1.jpg|frame|center|100|[[Mannheims Studenten in der Galaxis der Frankfurter Soziologie| Karl Mannheims StudentInnen, Bild: Norbert Elias]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Salomon1.jpg|frame|center|100px|[[Gottfried Salomon Delatour: Sein Einfluss auf die Soziologie in Frankfurt und seine Verbindungen|Gottfried Salomon-Delatour]] ]]&lt;br /&gt;
| valign=&amp;quot;top&amp;quot;|&lt;br /&gt;
[[Image:Kracauer1.jpg|frame|center|100px|[[Siegfried Kracauer: Der Soziologe in der Frankfurter Zeitung. Einfluß und Wirken eines Außenseiters bis 1933|Siegfried&amp;lt;br /&amp;gt;Kracauer]] ]]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Arbeitsgruppe 2. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die [[Fragestellungen der Gruppe 2]] behandeln unter anderem den demokatischen Neubeginn der Universität in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie sowie die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform. (BetreuerInnen: [[Fehmi Akalin]], [[Thorsten Benkel]],[[Claudius Härpfer]],[[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
====[[Fragestellungen der Gruppe 2]]====&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;2&amp;quot;&lt;br /&gt;
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[[Image:Luckmann.jpg|frame|center|50px|[[Der Fakultätenstreit]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:jürgenhabermas1.jpg |frame|center|50px|[[Jürgen Habermas - Verpasste Chance für Frankfurt|Jürgen&amp;lt;br/&amp;gt;Habermas]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:4_73_0_Frauenzentrum2_gr.jpg|frame|center|50px|[[Frauen in der Soziologie in Frankfurt]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:Goethe_zitat.jpg|frame|center|50px|[[Die Berufungspolitik ab 1945]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:dutschke2-kl.jpg|frame|center|50px|[[Der Mittelbau der Jahre 1965-1972]] ]]&lt;br /&gt;
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[[Image:Studentenrevolte1.jpg|frame|center|50px|[[Wie wurde die Studentenrevolte theoretisch vorbereitet?]]]]&lt;br /&gt;
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|}&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Übersichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Verzeichnis bedeutender Personen für die Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Chronologie der Entstehung und Institutionalisierung der Soziologie in Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Die Geschichte des Vereins für Sozialpolitik 1872-1932 (Dr.Franz Boese)]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Artikelsammlung Universität Frankfurt]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Rektoratsreden 1914-1989]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Dekane und Dekaninnen Fb 3|DekanInnen des Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorlesungsverzeichnisse]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Image:IfEGebäudeErstes.jpg|thumb|right|200px|Das Gebäude des Instituts für Sozialforschung zwischen 1924 und 1933]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interviews==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Interviewpartner im Wintersemester]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Informationen und Eckdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Auszüge Transkriptionen der Interviews]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Methoden und Auswertung]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturliste==&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Archiv ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Vorträge und Konferenzen]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Veranstaltungsdaten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[TeilnehmerInnen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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	<entry>
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		<title>Fehmi Akalin</title>
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		<updated>2008-02-22T00:00:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dr. des. Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehrbeauftragter an der&lt;br /&gt;
Johann Wolfgang Goethe-Universität&lt;br /&gt;
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungsschwerpunkte:&lt;br /&gt;
Kulturtheorie; Wissenschaftstheorie; Mediensoziologie; Kunstsoziologie;                                                                               Systemtheorie; Soziologische Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akalin@soz.uni-frankfurt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/fehmi_akalin&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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		<title>Fehmi Akalin</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Fehmi_Akalin&amp;diff=2626"/>
		<updated>2008-02-21T23:59:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dr. des. Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehrbeauftragter an der&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Johann Wolfgang Goethe-Universität&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungsschwerpunkte:&lt;br /&gt;
Kulturtheorie; Wissenschaftstheorie; Mediensoziologie; Kunstsoziologie;                                                                               Systemtheorie; Soziologische Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akalin@soz.uni-frankfurt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/fehmi_akalin&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Fehmi_Akalin&amp;diff=2625</id>
		<title>Fehmi Akalin</title>
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		<updated>2008-02-21T23:58:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dr. des. Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Lehrbeauftragter an der&lt;br /&gt;
Johann Wolfgang Goethe-Universität&lt;br /&gt;
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungsschwerpunkte:&lt;br /&gt;
Kulturtheorie; Wissenschaftstheorie; Mediensoziologie; Kunstsoziologie;                                                                               Systemtheorie; Soziologische Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akalin@soz.uni-frankfurt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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		<title>Fehmi Akalin</title>
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		<updated>2008-02-21T23:58:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: Die Seite wurde neu angelegt: Dr. des. Fehmi Akalin Lehrbeauftragter an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften Institut für Gesellschafts- und Politikana...&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dr. des. Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
Lehrbeauftragter an der&lt;br /&gt;
Johann Wolfgang Goethe-Universität&lt;br /&gt;
Fachbereich 03 Gesellschaftswissenschaften&lt;br /&gt;
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Forschungsschwerpunkte:&lt;br /&gt;
Kulturtheorie; Wissenschaftstheorie; Mediensoziologie; Kunstsoziologie;                                                                               Systemtheorie; Soziologische Theorie&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Akalin@soz.uni-frankfurt.de&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/fehmi_akalin&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Interviewtermine_im_Wintersemester&amp;diff=1770</id>
		<title>Interviewtermine im Wintersemester</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Interviewtermine_im_Wintersemester&amp;diff=1770"/>
		<updated>2008-01-08T15:34:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;ERSTE INTERVIEWRUNDE:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Gerhard Preyer]]: Dienstag 13. November, 17.00 Uhr, im R. 3501 ([[Patrik Taube]], [[Timo Wagner]], [[Julia Steinecker]]; Mentor: [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[David Kettler]]: Freitag 16. November, 13.00 Uhr, R. 3026 ([[Amalia Barboza]], [[Radostina Ilieva]], [[Jens Koolwaay]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Wilhelm Schumm]]: Freitag, 23. November, 15.00 Uhr im Institut für Sozialforschung ([[Eva Frankenthal]], [[Alexandra Leo]], [[Alexander Thierfeld]]; Mentor: [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Wolfgang Glatzer]]: Freitag, 21. Dezember, 12.00 Uhr ([[Tobias Hesse]], [[Nina Merget]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Fehmi Akalin]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZWEITE INTERVIEWRUNDE:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Dieter Mans]]: Donnerstag, 10. Januar, 12:00 Uhr ([[Alexandra Leo]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Eike Hennig]]: Freitag, 11. Januar, 10:00 Uhr; AfE 3501 ([[Tobias Hesse]], [[Alexandra Leo]], [[Alexander Thierfeld]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Heinz Brakemeier]]: Mittwoch, 16. Januar, 16:00 Uhr ([[Kai Müller]], [[Tobias Reis]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Iring Fetscher]]: Montag, 21. Januar, 16:00 Uhr ([[Patrick Taube]], [[Julia Steinecker]]; Mentor: [[Fehmi Akalin]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Ulrich Oevermann]]: XXX, XX. Januar, XX:XX Uhr, AfE XXXX ([[Radostina Illieva]], [[Kai Müller]], [[Julia Steinecker]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Interviewtermine_im_Wintersemester&amp;diff=1769</id>
		<title>Interviewtermine im Wintersemester</title>
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		<updated>2008-01-08T15:30:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;ERSTE INTERVIEWRUNDE:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Gerhard Preyer]]: Dienstag 13. November, 17.00 Uhr, im R. 3501 ([[Patrik Taube]], [[Timo Wagner]], [[Julia Steinecker]]; Mentor: [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[David Kettler]]: Freitag 16. November, 13.00 Uhr, R. 3026 ([[Amalia Barboza]], [[Radostina Ilieva]], [[Jens Koolwaay]], [[Felicia Herrschaft]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Wilhelm Schumm]]: Freitag, 23. November, 15.00 Uhr im Institut für Sozialforschung ([[Eva Frankenthal]], [[Alexandra Leo]], [[Alexander Thierfeld]]; Mentor: [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Wolfgang Glatzer]]: Freitag, 21. Dezember, 12.00 Uhr ([[Tobias Hesse]], [[Nina Merget]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Fehmi Akalin]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZWEITE INTERVIEWRUNDE:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Dieter Mans]]: Donnerstag, 10. Januar, 12:00 Uhr ([[Alexandra Leo]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Eike Hennig]]: Freitag, 11. Januar, 10:00 Uhr; AfE 3501 ([[Tobias Hesse]], [[Alexandra Leo]], [[Alexander Thierfeld]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Heinz Brakemeier]]: Mittwoch, 16. Januar, 16:00 Uhr ([[Kai Müller]], [[Tobias Reis]], [[Victoria Wendt]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Iring Fetscher]]: Montag, 21. Januar, 16:00 Uhr ([[Taube]], [[Steinecker]]; Mentor: [[Fehmi Akalin]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gespräch mit [[Ulrich Oevermann]]: XXX, XX. Januar, XX:XX Uhr, AfE XXXX ([[Radostina Illieva]], [[Kai Müller]], [[Julia Steinecker]]; Mentor: [[Claudius Härpfer]])&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Glatzer-Interview:_1._Teil&amp;diff=1766</id>
		<title>Glatzer-Interview: 1. Teil</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Glatzer-Interview:_1._Teil&amp;diff=1766"/>
		<updated>2008-01-07T11:54:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;FA: äh also in unserem Lehrforschungsprojekt beschäftigen wir uns mit der Entwicklungsgeschichte und der Konsolidierung der Forschung und Lehre an der, äh, Frankfurter Uni.  Und zwar seit der Gründung als Stiftungsuniversität 1914 bis in die äh 70iger Jahre.  Äh, Frau äh Wendt beschäftigt sich dabei mit Kracauers Wirken als äh (.) wie soll man sagen, soziologisch interessierter Feuilletonist und untersucht, beleuchtet dabei das Wechselverhältnis  zwischen der Frankfurter Soziologie und der außerakademischen Kunstkritik (.) äh, Kulturkritik, Kunstessayistik. Frau Merget beschäftigt sich mit der Beschäftigungs, äh, Politik, ab 1945, glaube ich(.) 00:00:43-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: ja 00:00:43-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: und äh,(.) untersucht dabei die äh, Vorlesungsverzeichnisse im Hinblick darauf, (.) in welchen Fakultäten soziologische Seminare  angeboten wurden. Herr Hesse beschäftigt sich mit äh, Habermas' äh, Zeit  in Frankfurt als Soziologe von ´59 bis äh ´71 (.) und äh, ich darf dir das Wort übergeben (.) und Sie haben sich freundlicher Weise bereiterklärt, uns als Zeitzeuge und Experte äh einen Einblick zu gewähren in eine, eine wichtige Phase der Entwicklungsgeschichte der Frankfurter Soziologie. 00:01:21-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja, das ist ja sehr verschieden, was Sie interessiert, ne. 00:01:23-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA:  / richtig 00:01:26-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.)(?) was mir in Erinnerung geblieben ist. 00:01:26-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja, äh gut. Fangen wir an. Bitte (.) 00:01:28-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW:ok. Zu aller erst kommen wir nochmal zu Ihnen persönlich und zwar ähm, hatte ich mal nachgeguckt, Sie haben ja Abitur in Oberfranken gemacht (.) und meine Frage wäre jetzt ähm, zuallererst, wie ist es denn gekommen, dass Sie ausgerechnet nach Frankfurt gekommen sind zum Studieren?  00:01:43-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) Ich hab in der Zeitung einen Artikel gelesen über  Frankfurter Studenten und äh, das Frankfurter Studenten=Leben, und das fand ich so interessant äh, dass ich äh, dann den Entschluss gegen den Willen meiner Eltern und allen, aller Menschen, die es da gab auf dem fränkischen Dorf (.), mich entschlossen habe, nach Frankfurt zu gehen. Ich hatte allerdings im Vorhinein auch versucht, in Darmstadt äh in äh Architektur anzukommen, aber das war soo überlaufen, (.) und das habe ich nicht geschafft, damals. 00:02:11-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und ähm, können Sie sich noch erinnern, was da jetzt genau drin stand in diesem Artikel, also was wars denn, was Sie da so überzeugt hat, unbedingt nach Frankfurt zu gehen, was war das besondere, was da drin stand? 00:02:20-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (..) also hab ich keine deutlich Erinnerung mehr, aber (.) äh,  das hing schon mit Protest und gesellschaftlicher Veränderung usw. zusammen, ne. Wann muss´n das gewesen sein? 1962, 63 äh ungefähr, ne. (.) also die ersten Anzeichen der Studentenbewegung gabs da ja, und darüber (.) muss dieser Artikel äh, gegangen sein. (.) 00:02:45-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: ok. (.) und ähm, welche Fächerkombination haben Sie dann studiert? (3) 00:02:52-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: bzw. warum ähh, überhaupt Soziologie, wie kamen sie zur Soziologie / 00:02:54-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: / @das wäre dann die nächste Frage, ja@ 00:02:55-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Also mein Drang nach etwas neuem war so stark und äh, da gabs nicht viele Fächer / 00:03:00-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / mmhmm,(.) ah, ja 00:02:58-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / wenn man was Ungewöhnliches machen, ähmm,  wollte (.) und sich entschlossen hat, vom Dorf weg, ne, ich bin ja auf nem 300-Seelen Dorf äh groß geworden  und äh, bin nach Frankfurt äh, gegangen..ne.. und dann kann man eigentlich nicht ein ganz traditionelles Fach machen, sondern sucht etwas Neues.  Aber ich hab das auch so verstanden, dass ich das mal ausprobier, Soziologie zu studieren, ne und äh, und als ich dann bei Adorno mal innn einem Seminar saß und der gab mir für ein Referat ne 1, hab ich gedacht, ich bin der geborne Soziologe ,@( . )@  ne und äh(.)  bin dann dabei geblieben und (..) das war ja auch keine falsche Entscheidung. 00:03:36-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja 00:03:36-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: sag ich wenigstens, vielleicht (.) sagen andere, @es war eine falsche Entscheidung@ (..) 00:02:59-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh da gabs aber auch äh, zwei Fakultäten: einmal äh, die Wirtschaftswissenschaftler und dann die Philosophen; wenn Sie sagen, Sie haben bei Adorno ein Referat geschrieben ähh, aber wenn man sich Ihre Entwicklungsgeschichte ansieht äh, würde man ja vermuten, dass Sie erst ähh bei den Wirtschaftswissenschaftlern ähh, Fuß gefasst- / 00:03:58-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / ja da war ich auch die ganze Zeit, ich war an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, ähh, eingeschrieben..warum, weiß ich gar nich mehr, äh (.)  so genau. Die Trennungen waren auch nich (.) äh, besonders stark... 00:04:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: achso 00:04:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG:..ne, das eher beiläufig, obwohl das viel, viel kleiner war, (.) die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, aber da waren ja auch berühmte Namen, ne, wie äh Tennbruck und äh später Zapf, na Ruegg war auch da, aber der war, gehörte nicht so zu den attraktiven (..) äh (.) Lehrern, Lehrenden. (3)  00:04:30-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja (.) 00:04:30-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG:..also ich hab dann auch dort mich äh, stark in der Fachschaft engagiert und wir waren sozusagen immer die kleinen und  schwachen, verglichen mit den...mit der großen Philosophischen Fakultät, die die Proteste angeführt hat, aber wir haben auch immer (.) 'n Wörtchen mitgeredet. (3) 00:04:50-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Sie haben vorhin gesagt, Sie haben sich gegen den Willen ihrer Eltern entschlossen, nach Frankfurt zu kommen, um hier Soziologie zu studieren, ähm (.) was, warum waren denn die Eltern denn so dagegen, also was hat denn das für die Eltern bedeutet, wenn der Sohn nach Frankfurt geht und Soziologie studiert? 00:05:06-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: sie haben den Artikel wahrscheinlich auch gelesen, (.) die Eltern 00:05:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: @( . )@ 00:05:08-3  00:05:13-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: nee, glaube ich nicht...äh. meinee(.) Eltern waren Bäcker und äh, die hatten keinerlei Beziehung zur Uni. Und vielleicht hab ich übertrieben, wenn ich sachte: gegen den Willen der Eltern @weil ich den Satz gestern@ (.) zweimal gehört hab, von Studenten ähh, hier...also sozusagen, dass war nicht mit der Zustimmung der Eltern ne, iss schwächer, also die hatten da keine Beziehung dazu und hatten auch Angst, dass äh man damit nicht Leben kann (.) nicht sein Brot verdienen kann. Ne, was ist Soziologie, ne das ähh gab überhaupt keine Vorstellung ....damals davon / 00:05:40-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / Ich wollt grad sagen...dass so...keine Ahnung, hätten sie jetzt in Darmstadt Architektur studiert, hätten sie zumindest(.) kann ich mir vorstellen, so als Eltern, so ok. das ist ein Berufsziel. Als Architekt.. Der macht was / 00:05:48-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / ja ein  Berufstudium hätten man gesagt /  00:05:50-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / der baut Häuser, oder konstruiert Häuser, aber als Soziologe...was macht man da.... 00:05:54-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja....ja (?) man ja auch noch immer, vor allem die großen Tiefbauten imponieren mir immer noch, die hätte ich gern auch ab und zu (.) äh gebaut. Oder die Stadien oder so...@jetzt bin ich halt Soziologe@, ne. 00:06:07-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und ähm, können Sie sich dann noch erinnern, wie die Soziologie damals vielleicht in Oberfranken, ich weiß nich, oder auch hier generell außerhalb der Universität, wie ... wie sie wahrgenommen wurde, in der Öffentlichkeit? (3) 00:06:17-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: als etwas exotisches, ähh, was da äh, halb im Verborgenen blüht und was nur wenige zur Kenntnis genommen haben; also da, jedenfalls in Franken damals ne, gabs, hatten die Menschen keine Vorstellung von Soziologie. Ich entsinn mich noch, dass mich einer ma fragte, äh was machen Sie?  Und da hab ich gesagt: Soziologie. Und dann hat er gesagt: Ach wie schön, immer mit Tieren. (@ ... @) Das war die Vorstellung von äh, Soziologie, äh damals. 00:06:45-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Und als Sie dann hier in Frankfurt waren, wie wie war das hier - haben Sie da irgendwie mitbekommen, wie ... wie Frankfurter außerhalb der Universität die Soziologie wahrgenommen haben? 00:06:53-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na es war schon´n Problem als Soziologe, Wohnungen äh zu finden ne und äh @ich hab immer gesagt, dann@ ich bin Ökonom. Weil im Nebenfach war ichs ja ne, also wenn man sagte, man war Soziologe äh war schon ganz schlecht äh von Vermietern dann ne Wohnung zu bekommen. 00:07:10-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: warum? 00:07:11-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na weil die als Links ähh und ähhm ne also äh wie unser Turm äh, ne sieht ja auch ein bißchen schwierig aus an manchen Stellen, so wurde das  verallgemeinert. Das sind die Soziologen äh, die die diese Umweld äh, etwas negativ gestalten, ne. (..) 00:07:32-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Dieses behauptete äh problematische Verhältnis zwischen marxistischen Soziologen auf der einen Seite und den bürgerlichen  Soziologen, ist das eine nachträgliche äh, (.) Beschreibung der Verhältnisse, oder kann man sagen, dass die Beteiligten damals das auch schon so gesehen haben? (.) dieses Spannungsverhältnis? 00:07:52-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Also ich fand die marxistischen Soziologen nicht so ausgeprägte äh, Marxisten wie´s äh heute dargestellt wird. Zum Teil kenn ich die ja noch ne, der ähh (?) Wolf und der Frank Wolf und äh diese Leute ne, waren eigentlich ganz umgänglich, ne =nich ähh übertrieben....radikal 00:08:12-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: also genuine Marxisten haben ja sogar die äh Frankfurter, äh Vertreter der Frankfurter Schule als ähh bildungsbürgerliche Linksintellektuelle bezeichnet und ähh also (..) 00:08:26-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: und dann gab´s ähh auch Soziologie-Studenten, die waren CDU-Mitglieder, ne also nicht viele, aber ein paar gab´s, mit denen haben wir uns in der Fachschaft oft ähh gestritten (3) also das war relativ maßvoll und hat sich dann eigentlich gesteigert halt bis äh 68, ne bis äh, dann immer mehr Leute abgesprungen sind, wie ich auch, weil ich die Besetzung des Instituts für Sozialforschung nicht mehr verstanden hab, ne wie ähh, kann das sein, ne das man sozusagen die eigene Grundlage da / 00:08:59-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / torpediert / 00:08:59-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / äh, die intellektuelle Grundlage äh torpediert, ja. 00:09:03-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: aber in der Öffentlichkeit, war war diese Spaltung nicht bekannt. Weil Sie ja gesagt haben, als Soziologe, hat man von vornherein Schwierigkeiten gehabt, eine Wohnung zu bekommen, weil man wurde ja gleich der linken Szene zugeschrieben. In Wirklichkeit war es ja gespalten in bürgerlich und marxistisch, aber das war in der..war das in der Öffentlichkeit irgendwie bekannt, oder haben die gleich alle über einen Kamm geschert / 00:09:18-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / nee, so haben die das auch nicht äh wahrgenommen, also ähm ich entsinn mich bei einem Vermieter ähh, da äh hat er mich dann gefragt, ob ich nicht links...den linken Flügel der CDU wählen könnte, ne und dann hab ich ne, dann hab ich gesagt: ja, ne und @dann hab ich die Wohnung äh bekommen@, ne. So auf dieser Ebene lie::f: das halt äh, ab und das war glaube ich nicht unge-, also ich kann nicht beurteilen, wie oft das äh eigentlich äh passiert ist in in dieser, in dieser Weise, ne, aber das die Vermieter kontrollieren wollten, dass nicht äh eine linke Gruppierung ihr Haus äh,äh besetzt. oder bekommt äh (.) 00:10:05-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und haben Sie irgendwie vielleicht ne Vermutung, warum der Vermieter so dagegen war?  00:10:11-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (3) nja, also den Vermietern war damals, so weit ich das noch in Erinnerung hab, wichtig, dass sie ihre Einnahmen garantiert bekamen, also ähh, ich muss unterschr- immer Unterschriften von meinen Eltern auch beibringen ne, dass die äh im Notfall bereit äh waren, äh das mit äh zu tragen äh und ansonsten hatten die Angst, dass da bestimmte äh Gruppen, die nicht so sich an die Konventionen halten, halt äh aktiv äh werden. Und das hatte, hat auch seine gewisse Berechtigung, ne. Später hatte ich äh eine äh ein kleines Zimmer, dann hier hinten äh in der Jungstrasse ((zeigt aus dem Fenster)), ne. Da gab´s ne Toilette und vier Zimmer, und äh niemand hat die Toilette geputzt, ne (.) äh, ne  es ist vereinbart, dass die ähh vier Leute die Toilette selber putzen und es putzt sie keiner mehr, ne weil, also äh das ist jetzt @ sozusagen etwas fern von der Soziologie@, aber es ist ein Alltagsproblem, ne - wie komme ich zu einer äh halbwegs sauberen ähh Toilette ne, und das hat niemand mehr ernst äh genommen damals, oder viele haben es nicht mehr ernst genommen, ne das man halt so etwas auch pflegen muss (..) 00:11:24-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: und war diese Spaltung in ähm ja in die- auch bei, selbst bei den Professoren selbst deutlich. also dass es nicht nur Studentengruppen gab, sondern eben auch bei den Professoren?  00:11:34-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) jaaa, ne...also äh die Professoren bei den Wirtschaftswissenschaften waren ja deutlich konservativ, der Ruegg, Tennbruck ne, Zapf dann später auch(.) ähm / 00:11:49-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / Luckmann / 00:11:49-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / Luckmann, genau der kam auch noch (..) ähm und an der philosophischen Fakultät, na ja des, da war ein bisschen...das Reden von Adorno schon sehr links war, ne, wenn man die Soziologentagsrede da betrachtet und so, aber im faktischen Handeln dann hat´s sich halt nicht so stark umgesetzt. Und Friedeburg hab ich als den großen Vermittler äh wahrgenommen, ne, äh, der immer versucht hat, Ausgleich zu schaffen und nicht so sehr die eigene Position (.) äh artikuliert hat.  00:12:29-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: interessant 00:12:29-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja er steht ja auch auf unserer Liste für die zweite Phase / 00:12:36-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / ja, genau, ich bin da auch dabei beim Interview, das heißt, das kann man ja dann auch fragen, also, ob er sich da selbst auch so in der Rolle gesehen hat, oder-  00:12:39-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na er wurde ja später Minister, so das war ja weit vor seiner Minister- ähhh Rolle, aber das ist ja ewig lang her, der kam noch 1952, glaube ich ne, hat Friedeburg ungefähr in dieser Größenordnung die Professur hier bekommen (( Zustimmung aller)).  Er hat also länger als irgend jemand sonst ähhm hier mit gewirkt und mit gestaltet.  00:13:02-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: Und wir hatten ja jetzt ähh, also Sie haben ja eben schon so gesagt, dass bei der WISO zumindest ähm, so Zapf und ja so Koryphäe- Leute, zu denen man in die Vorlesung zumindest mal gehen musste und gab´s da noch andere, also grad jetzt auch an der philosophischen Fakultät, außer Adorno natürlich, aber (.) wo es schon unter den Studenten auch so hieß, ok. da muss man mal gewesen sein / 00:13:23-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / Habermas könnte ich mir auch vorstellen, dass er da sehr populär war.  00:13:27-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Na ja, da hat man ein bisschen was von dem Streit ja schon mitbekommen zwischen Habermas und Adorno ne, und ich denke doch auch, Habermas war damals ein paar Jahre wegging, ähh (.) ne, ich hab´s nicht mehr genau in Erinnerung äh..aber als er dann wieder kam, warn natürlich sehr viele Studenten äh bei ihm und das war mir aber zu überladen, also zu Habermas habe ich äh äh keine größere Beziehung, ne. Ich hab ihn mir mal angehört, aber ich hab keine größere Beziehung zu ihm ähh entwickelt. Auch weil ich ihn so fast nicht verstehe, wenn er, weil er so halt diese Sprachprobleme hat. Ne.  00:14:07-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Und was für Seminare haben Sie so besucht, so jetzt Schwerpunktmäßig in der Soziologie, können Sie sich da irgendwie entsinnen? 00:14:13-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (3) Also erstes Semester war bei Bellebaum...was haben wir da gemacht (3) Kleingruppenforschung, oder solche Themen gab´s da halt, ne, bei, bei Adorno, das war´n die großen ähhm Autoren in der Soziologie, ne also von Spencer, den ich damals gemacht habe, über Marx, Weber und so weiter, ne, sind wir da alle Autoren durch gegangen, und das war ähh, im großen Hörsaal mit 800 Leuten und das wusste ich natürlich auch nicht, wenn man da als Student sich für´n Referat gemeldet hat, dass man da plötzlich vor 800 Leuten äh, vortragen soll ne, (.) un- das hab ich mit ziemlich viel Angst und @bangen da überstanden@. 00:15:04-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Ja, gabs denn auch so was wie ähh, Frankfurter Soziologen, die behandelt wurden als Soziologische Theoretiker?.. Dass man eine Tradition fortführen wollte, oder hat man sich gänzlich ähh von diesen, von Mannheim meinetwegen oder von Oppenheimer gar nicht beeindrucken lassen, was die äh wissenschaftlich geleistet haben? 00:15:22-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Ja, ich find die eigene Geschichte ist wenig beachtet worden damals, also weder Oppenheimer noch Mannheim, auch nicht Elias ne, der dann Mitte der 70iger Jahre weltberühmt geworden ist und die größten Auflagen überhaupt hatte, die ein soziologisches Buch äh gehabt hat, ne äh all die sind äh weitgehend ignoriert worden und dann aber später immer wieder, so wie jetzt in Ihrem Lehrforschungsprojekt (..), von mir, aber auch von ein paar anderen aufgenommen worden, ne. 00:15:51-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh,hatte das mit der Selbstprofilierung der Frankfurter Soziologie zu tun, dass man, äh den Originalitätswert der Frankfurter Soziologie äh mit diesem...mit dieser äh. Garde betonen wollte? 00:16:07-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) ja also, ich hätte den Eindruck, dass man versucht hat, den eigenen soziologischen Ansatz äh immer besonders deutlich in den Vordergrund zu stellen und potentielle Konkurrenten zu ignorieren, den Eindruck äh hatte ich, ne aber äh also, wenn man das nicht so gesehen hätte, hätte man ja auch gewinnen können damit, dass man den Oppenheimer oder den Mannheim oder (.) äh auch andere ,ne, wieder mit einbezogen äh hätte und als äh Vorfahren, die partiell auch interessante Theorien beigesteuert haben, akzeptiert hätte ne, das ist wenig erfolgt, denke ich.  00:16:45-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Ich hätte ganz kurz mal eine Frage, was jetzt speziell mein Thema betrifft: können Sie sich denn erinnern, ob da irgendwie mal Kracauer erwähnt wurde, grad vielleicht auch von Adorno? 00:16:56-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (..)äh, Kracauer sagten Sie? 00:16:57-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: mhm, Siegrfried Kracauer 00:16:58-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Ja, jaja also ähm der wurde erwähnt meiner Erinnerung nach, aber die Zusammenhänge habe ich vergessen, in ähh welcher Form... Es wurden auch andere mal- also äh Stellungnahmen gegen Karl Mannheim von Adorno habe ich im Kopf, aber ich hab die Inhalte ne, ist zu lange her ähäh weiß ich nicht mehr.  00:17:17-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Können Sie sich erinnern  ob Adorno Kracauer erwähnt hat, oder ob das jemand anders war? 00:17:23-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ne Adorno denke ich, war der einzige, der ihn erwähnt hat. 00:17:25-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: war das in einem positiven oder oder negativen, also verwerflich oder zustimmenden Zusammenhang? Wissen Sie das zufällig noch?  00:17:31-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Hab ich nur noch ein Gefühl, dass es ein leicht positiver Zusammenhang war. 00:17:35-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: ok. 00:17:35-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh, wie haben sie eigentlich die Umstellung der Fakultäten äh auf Fachbereiche als Student erlebt, also als Verbesserung oder als Verschlechterung? 00:17:46-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: also ähäh ich hab ja kurz vor der Umstellung  mein Studium beendet, ne deswegen kann ich- hab ichs als Student nicht mehr erlebt (.) und (.) und bin auch äh danach ja in ein Projekt gegangen was der damalige Präsident Krupp äh geleitet hat und äh gar nichts mehr mit den Gesellschaftswissenschaften im engeren Sinnn äh zu tun gehabt hat, also grad für diese Zeit kann ich sehr wenig äh sagen, ne (.) fehlt mir die äh, die eigene Erfahrung. Ich kannte zwar die Leute alle die da tätig waren, aber es gab da eigentlich keine größere Beziehung dazu. 00:18:25-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Sie haben Ihr Diplom, glaube ich 72 gemacht? Kann das sein? 00:18:31-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ´71 oder ´72. Ich denke eher ´71 noch. Aber ganz / 00:18:45-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: / ´72  00:18:42-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Wo steht das? 00:18:42-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: / ich weiß gar nicht wo genau. Aus den Unterlagen des Lebenslaufs.../ 00:18:43-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / aus dem Lebenslauf auf ihrer Homepage. / 00:18:45-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja. 00:18:46-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: ich würde noch äh zu vor-, während Ihres Studiums ähh, die ´68iger die Studentenrevolution oder die Studentenbewegung hat Sie das äh beeinflusst während ihres Studiums, während Ihren Arbeiten in irgendeiner Form? 00:19:05-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja,ja  ich hab mich eigentlich in den ersten Jahren voll damit identifiziert und äh dann später aber distanziert, als mir das halt äh äh zu weit ging wie mit der Besetzung des Instituts für Sozialforschung, ne. Das war so der Bruch eigentlich bei mir dann äh damit, ne.  00:19:26-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
((Telefon klingelt. Er telefoniert.)) 00:19:26-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: also, wo war ich.. 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: Studentenbewegung / 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / dass bei Ihnen der Bruch war / 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja, (..) ja da waren auch ähm, so andere Erlebnisse, ne. Da gab´s den Jürgen Krahl, Hans Jürgen Krahl, ne das war einer der größten Studentenführer, der hatte eigentlich am meisten äh zu sagen, mehr als die SDS-Vorsitzenden äh und so weiter (.) und (.) der hat dann in der Nachfolge von Adorno den Herrn Baier nach Frankfurt (.) äh geholt, ne und (.) den haben alle linken ähh Studentenführer als einen äh Linken gepriesen und das war ein ganz konservativer Mensch, ne und ich hörte ihn reden und äh mir war völlig klar, der ist außerordentlich konservativ ähm und die Studentenführer erzählten uns aber ähh, das ist ein Linker, der unsere Traditionen fortführt, und und uns besonders viele Zugeständnisse macht /  00:20:48-6&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Glatzer-Interview:_1._Teil&amp;diff=1762</id>
		<title>Glatzer-Interview: 1. Teil</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Glatzer-Interview:_1._Teil&amp;diff=1762"/>
		<updated>2008-01-06T13:09:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;FA: äh also in unserem Lehrforschungsprojekt beschäftigen wir uns mit der Entwicklungsgeschichte und der Konsolidierung der Forschung und Lehre an der, äh, Frankfurter Uni.  Und zwar seit der Gründung als Stiftungsuniversität 1914 bis in die äh 70iger Jahre.  Äh, Frau äh Wendt beschäftigt sich dabei mit Kracauers Wirken als äh (.) wie soll man sagen, soziologisch interessierter Feuilletonist und untersucht, beleuchtet dabei das Wechselverhältnis  zwischen der Frankfurter Soziologie und der außerakademischen Kunstkritik (.) äh, Kulturkritik, Kunstessayistik. Frau Merget   beschäftigt sich mit der Beschäftigungs, äh, Politik, ab 1945, glaube ich(.) 00:00:43-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: ja 00:00:43-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: und äh,(.) untersucht dabei die äh, Vorlesungsverzeichnisse im Hinblick darauf, (.) in welchen Fakultäten soziologische Seminare  angeboten wurden. Herr Hesse beschäftigt sich mit äh, Habermas' äh, Zeit  in Frankfurt als Soziologe von ´59 bis äh ´71 (.) und äh, ich darf dir das Wort übergeben (.) und Sie haben sich freundlicher Weise bereiterklärt, uns als Zeitzeuge und Experte äh einen Einblick zu gewähren in eine, eine wichtige Phase der Entwicklungsgeschichte der Frankfurter Soziologie. 00:01:21-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja, das ist ja sehr verschieden, was sie interessiert, ne. 00:01:23-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA:  / richtig 00:01:26-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.)(?) was mir in Erinnerung geblieben ist. 00:01:26-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja, äh gut. Fangen wir an. Bitte (.) 00:01:28-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW:ok. Zu aller erst kommen wir nochmal zu Ihnen persönlich und zwar ähm, hatte ich mal nachgeguckt, Sie haben ja Abitur in Oberfranken gemacht (.) und meine Frage wäre jetzt ähm, zuallererst, wie ist es denn gekommen, dass Sie ausgerechnet nach Frankfurt gekommen sind zum Studieren?  00:01:43-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) Ich hab in der Zeitung ´n Artikel gelesen über  Frankfurter Studenten und äh, das Frankfurter Studenten=Leben, und das fand ich so interessant äh, das ich äh, dann den Entschluss gegen den Willen meiner Eltern und allen, aller Menschen, die es da gab auf dem fränkischen Dorf (.), mich entschlossen habe, nach Frankfurt zu gehen. Ich hatte allerdings im Vorhinein auch versucht, in Darmstadt äh in äh Architektur anzukommen, aber das war soo überlaufen, (.) und das habe ich nicht geschafft, damals. 00:02:11-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und ähm, können Sie sich noch erinnern, was da jetzt genau drin stand in diesem Artikel, also was wars denn, was Sie da so überzeugt hat, unbedingt nach Frankfurt zu gehen, was war das besondere, was da drin stand? 00:02:20-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (..) also hab ich keine deutlich Erinnerung mehr, aber (.) äh,  das hing schon mit Protest und gesellschaftlicher Veränderung usw. zusammen, ne. Wann muss´n das gewesen sein? 1962, 63 äh ungefähr, ne. (.) also die ersten Anzeichen der Studentenbewegung gabs da ja, und darüber (.) muss dieser Artikel äh, gegangen sein. (.) 00:02:45-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: ok. (.) und ähm, welche Fächerkombination haben Sie dann studiert? (3) 00:02:52-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: bzw. warum ähh, überhaupt Soziologie, wie kamen sie zur Soziologie / 00:02:54-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: / @das wäre dann die nächste Frage, ja@ 00:02:55-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Also mein Drang nach etwas neuem war so stark und äh, da gabs nicht viele Fächer / 00:03:00-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / mmhmm,(.) ah, ja 00:02:58-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / wenn man was Ungewöhnliches machen, ähmm,  wollte (.) und sich entschlossen hat, vom Dorf weg, ne, ich bin ja auf nem 300 Seelen Dorf äh groß geworden  und äh, bin nach Frankfurt äh, gegangen..ne.. und dann kann man eigentlich nicht ein ganz traditionelles Fach machen, sondern sucht etwas Neues.  Aber ich hab das auch so verstanden, dass ich das mal ausprobier, Soziologie zu studieren, ne und äh, und als ich dann bei Adorno mal innn einem Seminar saß und der gab mir für ein Referat ne 1, hab ich gedacht, ich bin der geborne Soziologe ,@( . )@  ne und äh(.)  bin dann dabei geblieben und (..) das war ja auch keine falsche Entscheidung. 00:03:36-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja 00:03:36-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: sag ich wenigstens, vielleicht (.) sagen andere, @es war eine falsche Entscheidung@ (..) 00:02:59-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh da gabs aber auch äh, zwei Fakultäten: einmal äh, die Wirtschaftswissenschaftler und dann die Philosophen; wenn Sie sagen, Sie haben bei Adorno ein Referat geschrieben ähh, aber wenn man sich Ihre Entwicklungsgeschichte ansieht äh, würde man ja vermuten ,dass Sie erst ähh bei den Wirtschaftswissenschaftlern ähh, Fuß gefasst- / 00:03:58-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / ja da war ich auch die ganze Zeit, ich war an der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät, ähh, eingeschrieben..warum, weiß ich gar nich mehr, äh (.)  so genau. Die Trennungen waren auch nich (.) äh, besonders stark... 00:04:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: achso 00:04:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG:..ne, das eher beiläufig, obwohl das viel, viel kleiner war, (.) die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, aber da waren ja auch berühmte Namen, ne, wie äh Tennbruck und äh später Zapf, na Ruegg war auch da, aber der war, gehörte nicht so zu den attraktiven (..) äh (.) Lehrern, Lehrenden. (3)  00:04:30-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja (.) 00:04:30-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG:..also ich hab dann auch dort mich äh, stark in der Fachschaft engagiert und wir waren sozusagen immer die kleinen und  schwachen, verglichen mit den...mit der großen Philosophischen Fakultät, die die Proteste angeführt hat, aber wir haben auch immer (.) 'n Wörtchen mitgeredet. (3) 00:04:50-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Sie haben vorhin gesagt, Sie haben sich gegen den Willen ihrer Eltern entschlossen, nach Frankfurt zu kommen, um hier Soziologie zu studieren, ähm (.) was, warum waren denn die Eltern denn so dagegen, also was hat denn das für die Eltern bedeutet, wenn der Sohn nach Frankfurt geht und Soziologie studiert? 00:05:06-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: sie haben den Artikel wahrscheinlich auch gelesen, (.) die Eltern 00:05:08-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: @( . )@ 00:05:08-3  00:05:13-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: nee, glaube ich nicht...äh. meinee(.) Eltern waren Bäcker und äh, die hatten keinerlei Beziehung zur Uni. Und vielleicht hab ich übertrieben, wenn ich sachte: gegen den Willen der Eltern @weil ich den Satz gestern@ (.) zweimal gehört hab, von Studenten ähh, hier...also sozusagen, dass war nicht mit der Zustimmung der Eltern ne, iss schwächer, also die hatten da keine Beziehung dazu und hatten auch Angst, dass äh man damit nicht Leben kann (.) nicht sein Brot verdienen kann. Ne, was ist Soziologie, ne das ähh gab überhaupt keine Vorstellung ....damals davon / 00:05:40-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / Ich wollt grad sagen...dass so...keine Ahnung, hätten sie jetzt in Darmstadt Architektur studiert, hätten sie zumindest(.) kann ich mir vorstellen, so als Eltern, so ok. das ist ein Berufsziel. Als Architekt.. Der macht was / 00:05:48-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / ja ein  Berufstudium hätten man gesagt /  00:05:50-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / der baut Häuser, oder konstruiert Häuser, aber als Soziologe...was macht man da.... 00:05:54-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja....ja (?) man ja auch noch immer, vor allem die großen Tiefbauten imponieren mir immer noch, die hätte ich gern auch ab und zu (.) äh gebaut. Oder die Stadien oder so...@jetzt bin ich halt Soziologe@, ne. 00:06:07-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und ähm, können Sie sich dann noch erinnern, wie die Soziologie damals vielleicht in Oberfranken, ich weiß nich, oder auch hier generell außerhalb der Universität, wie ... wie sie wahrgenommen wurde, in der Öffentlichkeit? (3) 00:06:17-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: als etwas exotisches, ähh, was da äh, halb im Verborgenen blüht und was nur wenige zur Kenntnis genommen haben; also da, jedenfalls in Franken damals ne, gabs, hatten die Menschen keine Vorstellung von Soziologie. Ich entsinn mich noch, dass mich einer ma fragte, äh was machen Sie?  Und da hab ich gesagt: Soziologie. Und dann hat er gesagt: Ach wie schön, immer mit Tieren. (@ ... @) Das war die Vorstellung von äh, Soziologie, äh damals. 00:06:45-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Und als Sie dann hier in Frankfurt waren, wie wie war das hier - haben Sie da irgendwie mitbekommen, wie ... wie Frankfurter außerhalb der Universität die Soziologie wahrgenommen haben? 00:06:53-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na es war schon´n Problem als Soziologe, Wohnungen äh zu finden ne und äh @ich hab immer gesagt, dann@ ich bin Ökonom. Weil im Nebenfach war ichs ja ne, also wenn man sagte, man war Soziologe äh war schon ganz schlecht äh von Vermietern dann ne Wohnung zu bekommen. 00:07:10-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: warum? 00:07:11-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na weil die als Links ähh und ähhm ne also äh wie unser Turm äh, ne sieht ja auch ein bißchen schwierig aus an manchen Stellen, so wurde das  verallgemeinert. Das sind die Soziologen äh, die die diese Umweld äh, etwas negativ gestalten, ne. (..) 00:07:32-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Dieses behauptete äh problematische Verhältnis zwischen marxistischen Soziologen auf der einen Seite und den bürgerlichen  Soziologen, ist das eine nachträgliche äh, (.) Beschreibung der Verhältnisse, oder kann man sagen, dass die Beteiligten damals das auch schon so gesehen haben? (.) dieses Spannungsverhältnis? 00:07:52-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Also ich fand die marxistischen Soziologen nicht so ausgeprägte äh, Marxisten wie´s äh heute dargestellt wird. Zum Teil kenn ich die ja noch ne, der ähh (?) Wolf und der Frank Wolf und äh diese Leute ne, waren eigentlich ganz umgänglich, ne =nich ähh übertrieben....radikal 00:08:12-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: also genuine Marxisten haben ja sogar die äh Frankfurter, äh Vertreter der Frankfurter Schule als ähh bildungsbürgerliche Linksintellektuelle bezeichnet und ähh also (..) 00:08:26-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: und dann gab´s ähh auch Soziologie-Studenten, die waren CDU-Mitglieder, ne also nicht viele, aber ein paar gab´s, mit denen haben wir uns in der Fachschaft oft ähh gestritten (3) also das war relativ maßvoll und hat sich dann eigentlich gesteigert halt bis äh 68, ne bis äh, dann immer mehr Leute abgesprungen sind, wie ich auch, weil ich die Besetzung des Instituts für Sozialforschung nicht mehr verstanden hab, ne wie ähh, kann das sein, ne das man sozusagen die eigene Grundlage da / 00:08:59-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / torpediert / 00:08:59-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / äh, die intellektuelle Grundlage äh torpediert, ja. 00:09:03-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: aber in der Öffentlichkeit, war war diese Spaltung nicht bekannt. Weil Sie ja gesagt haben, als Soziologe, hat man von vornherein Schwierigkeiten gehabt, eine Wohnung zu bekommen, weil man wurde ja gleich der linken Szene zugeschrieben. In Wirklichkeit war es ja gespalten in bürgerlich und marxistisch, aber das war in der..war das in der Öffentlichkeit irgendwie bekannt, oder haben die gleich alle über einen Kamm geschert / 00:09:18-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / nee, so haben die das auch nicht äh wahrgenommen, also ähm ich entsinn mich bei einem Vermieter ähh, da äh hat er mich dann gefragt, ob ich nicht links...den linken Flügel der CDU wählen könnte, ne und dann hab ich ne, dann hab ich gesagt: ja, ne und @dann hab ich die Wohnung äh bekommen@, ne. So auf dieser Ebene lie::f: das halt äh, ab und das war glaube ich nicht unge-, also ich kann nicht beurteilen, wie oft das äh eigentlich äh passiert ist in in dieser, in dieser Weise, ne, aber das die Vermieter kontrollieren wollten, dass nicht äh eine linke Gruppierung ihr Haus äh,äh besetzt. oder bekommt äh (.) 00:10:05-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: und haben Sie irgendwie vielleicht ne Vermutung, warum der Vermieter so dagegen war?  00:10:11-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (3) nja, also den Vermietern war damals, so weit ich das noch in Erinnerung hab, wichtig, dass sie ihre Einnahmen garantiert bekamen, also ähh, ich muss unterschr- immer Unterschriften von meinen Eltern auch beibringen ne, dass die äh im Notfall bereit äh waren, äh das mit äh zu tragen äh und ansonsten hatten die Angst, dass da bestimmte äh Gruppen, die nicht so sich an die Konventionen halten, halt äh aktiv äh werden. Und das hatte, hat auch seine gewisse Berechtigung, ne. Später hatte ich äh eine äh ein kleines Zimmer, dann hier hinten äh in der Jungstrasse ((zeigt aus dem Fenster)), ne. Da gab´s ne Toilette und vier Zimmer, und äh niemand hat die Toilette geputzt, ne (.) äh, ne  es ist vereinbart, dass die ähh vier Leute die Toilette selber putzen und es putzt sie keiner mehr, ne weil, also äh das ist jetzt @ sozusagen etwas fern von der Soziologie@, aber es ist ein Alltagsproblem, ne - wie komme ich zu einer äh halbwegs sauberen ähh Toilette ne, und das hat niemand mehr ernst äh genommen damals, oder viele haben es nicht mehr ernst genommen, ne das man halt so etwas auch pflegen muss (..) 00:11:24-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: und war diese Spaltung in ähm ja in die- auch bei, selbst bei den Professoren selbst deutlich. also dass es nicht nur Studentengruppen gab, sondern eben auch bei den Professoren?  00:11:34-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) jaaa, ne...also äh die Professoren bei den Wirtschaftswissenschaften waren ja deutlich konservativ, der Ruegg, Tennbruck ne, Zapf dann später auch(.) ähm / 00:11:49-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / Luckmann / 00:11:49-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: / Luckmann, genau der kam auch noch (..) ähm und an der philosophischen Fakultät, na ja des, da war ein bisschen...das Reden von Adorno schon sehr links war, ne, wenn man die Soziologentagsrede da betrachtet und so, aber im faktischen Handeln dann hat´s sich halt nicht so stark umgesetzt. Und Friedeburg hab ich als den großen Vermittler äh wahrgenommen, ne, äh, der immer versucht hat, Ausgleich zu schaffen und nicht so sehr die eigene Position (.) äh artikuliert hat.  00:12:29-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: interessant 00:12:29-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: ja er steht ja auch auf unserer Liste für die zweite Phase / 00:12:36-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / ja, genau, ich bin da auch dabei beim Interview, das heißt, das kann man ja dann auch fragen, also, ob er sich da selbst auch so in der Rolle gesehen hat, oder-  00:12:39-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: na er wurde ja später Minister, so das war ja weit vor seiner Minister- ähhh Rolle, aber das ist ja ewig lang her, der kam noch 1952, glaube ich ne, hat Friedeburg ungefähr in dieser Größenordnung die Professur hier bekommen (( Zustimmung aller)).  Er hat also länger als irgend jemand sonst ähhm hier mit gewirkt und mit gestaltet.  00:13:02-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: Und wir hatten ja jetzt ähh, also Sie haben ja eben schon so gesagt, dass bei der WISO zumindest ähm, so Zapf und ja so Koryphäe- Leute, zu denen man in die Vorlesung zumindest mal gehen musste und gab´s da noch andere, also grad jetzt auch an der philosophischen Fakultät, außer Adorno natürlich, aber (.) wo es schon unter den Studenten auch so hieß, ok. da muss man mal gewesen sein / 00:13:23-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: / Habermas könnte ich mir auch vorstellen, dass er da sehr populär war.  00:13:27-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Na ja, da hat man ein bisschen was von dem Streit ja schon mitbekommen zwischen Habermas und Adorno ne, und ich denke doch auch, Habermas war damals ein paar Jahre wegging, ähh (.) ne, ich hab´s nicht mehr genau in Erinnerung äh..aber als er dann wieder kam, warn natürlich sehr viele Studenten äh bei ihm und das war mir aber zu überladen, also zu Habermas habe ich äh äh keine größere Beziehung, ne. Ich hab ihn mir mal angehört, aber ich hab keine größere Beziehung zu ihm ähh entwickelt. Auch weil ich ihn so fast nicht verstehe, wenn er, weil er so halt diese Sprachprobleme hat. Ne.  00:14:07-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Und was für Seminare haben Sie so besucht, so jetzt Schwerpunktmäßig in der Soziologie, können Sie sich da irgendwie entsinnen? 00:14:13-0 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (3) Also erstes Semester war bei Bellebaum...was haben wir da gemacht (3) Kleingruppenforschung, oder solche Themen gab´s da halt, ne, bei, bei Adorno, das war´n die großen ähhm Autoren in der Soziologie, ne also von Spencer, den ich damals gemacht habe, über Marx, Weber und so weiter, ne, sind wir da alle Autoren durch gegangen, und das war ähh, im großen Hörsaal mit 800 Leuten und das wusste ich natürlich auch nicht, wenn man da als Student sich für´n Referat gemeldet hat, dass man da plötzlich vor 800 Leuten äh, vortragen soll ne, (.) un- das hab ich mit ziemlich viel Angst und @bangen da überstanden@. 00:15:04-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Ja, gabs denn auch so was wie ähh, Frankfurter Soziologen, die behandelt wurden als Soziologische Theoretiker?.. Dass man eine Tradition fortführen wollte, oder hat man sich gänzlich ähh von diesen, von Mannheim meinetwegen oder von Oppenheimer gar nicht beeindrucken lassen, was die äh wissenschaftlich geleistet haben? 00:15:22-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Ja, ich find die eigene Geschichte ist wenig beachtet worden damals, also weder Oppenheimer noch Mannheim, auch nicht Elias ne, der dann Mitte der 70iger Jahre weltberühmt geworden ist und die größten Auflagen überhaupt hatte, die ein soziologisches Buch äh gehabt hat, ne äh all die sind äh weitgehend ignoriert worden und dann aber später immer wieder, so wie jetzt in Ihrem Lehrforschungsprojekt (..), von mir, aber auch von ein paar anderen aufgenommen worden, ne. 00:15:51-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh,hatte das mit der Selbstprofilierung der Frankfurter Soziologie zu tun, dass man, äh den Originalitätswert der Frankfurter Soziologie äh mit diesem...mit dieser äh. Garde betonen wollte? 00:16:07-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (.) ja also, ich hätte den Eindruck, dass man versucht hat, den eigenen soziologischen Ansatz äh immer besonders deutlich in den Vordergrund zu stellen und potentielle Konkurrenten zu ignorieren, den Eindruck äh hatte ich, ne aber äh also, wenn man das nicht so gesehen hätte, hätte man ja auch gewinnen können damit, dass man den Oppenheimer oder den Mannheim oder (.) äh auch andere ,ne, wieder mit einbezogen äh hätte und als äh Vorfahren, die partiell auch interessante Theorien beigesteuert haben, akzeptiert hätte ne, das ist wenig erfolgt, denke ich.  00:16:45-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Ich hätte ganz kurz mal eine Frage, was jetzt speziell mein Thema betrifft: können Sie sich denn erinnern, ob da irgendwie mal Kracauer erwähnt wurde, grad vielleicht auch von Adorno? 00:16:56-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: (..)äh, Kracauer sagten Sie? 00:16:57-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: mhm, Siegrfried Kracauer 00:16:58-5 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Ja, jaja also ähm der wurde erwähnt meiner Erinnerung nach, aber die Zusammenhänge habe ich vergessen, in ähh welcher Form... Es wurden auch andere mal- also äh Stellungnahmen gegen Karl Mannheim von Adorno habe ich im Kopf, aber ich hab die Inhalte ne, ist zu lange her ähäh weiß ich nicht mehr.  00:17:17-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: Können Sie sich erinnern  ob Adorno Kracauer erwähnt hat, oder ob das jemand anders war? 00:17:23-3 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ne Adorno denke ich, war der einzige, der ihn erwähnt hat. 00:17:25-9 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: war das in einem positiven oder oder negativen, also verwerflich oder zustimmenden Zusammenhang? Wissen Sie das zufällig noch?  00:17:31-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Hab ich nur noch ein Gefühl, dass es ein leicht positiver Zusammenhang war. 00:17:35-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
VW: ok. 00:17:35-8 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: äh, wie haben sie eigentlich die Umstellung der Fakultäten äh auf Fachbereiche als Student erlebt, also als Verbesserung oder als Verschlechterung? 00:17:46-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: also ähäh ich hab ja kurz vor der Umstellung  mein Studium beendet, ne deswegen kann ich- hab ichs als Student nicht mehr erlebt (.) und (.) und bin auch äh danach ja in ein Projekt gegangen was der damalige Präsident Krupp äh geleitet hat und äh gar nichts mehr mit den Gesellschaftswissenschaften im engeren Sinnn äh zu tun gehabt hat, also grad für diese Zeit kann ich sehr wenig äh sagen, ne (.) fehlt mir die äh, die eigene Erfahrung. Ich kannte zwar die Leute alle die da tätig waren, aber es gab da eigentlich keine größere Beziehung dazu. 00:18:25-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
FA: Sie haben Ihr Diplom, glaube ich 72 gemacht? Kann das sein? 00:18:31-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ´71 oder ´72. Ich denke eher ´71 noch. Aber ganz / 00:18:45-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: / ´72  00:18:42-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: Wo steht das? 00:18:42-6 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: / ich weiß gar nicht wo genau. Aus den Unterlagen des Lebenslaufs.../ 00:18:43-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / aus dem Lebenslauf auf ihrer Homepage. / 00:18:45-4 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja. 00:18:46-1 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: ich würde noch äh zu vor-, während Ihres Studiums ähh, die ´68iger die Studentenrevolution oder die Studentenbewegung hat Sie das äh beeinflusst während ihres Studiums, während Ihren Arbeiten in irgendeiner Form? 00:19:05-7 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja,ja  ich hab mich eigentlich in den ersten Jahren voll damit identifiziert und äh dann später aber distanziert, als mir das halt äh äh zu weit ging wie mit der Besetzung des Instituts für Sozialforschung, ne. Das war so der Bruch eigentlich bei mir dann äh damit, ne.  00:19:26-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
((Telefon klingelt. Er telefoniert.)) 00:19:26-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: also, wo war ich.. 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
TH: Studentenbewegung / 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
NM: / dass bei Ihnen der Bruch war / 00:19:44-2 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
WG: ja, (..) ja da waren auch ähm, so andere Erlebnisse, ne. Da gab´s den Jürgen Krahl, Hans Jürgen Krahl, ne das war einer der größten Studentenführer, der hatte eigentlich am meisten äh zu sagen, mehr als die SDS-Vorsitzenden äh und so weiter (.) und (.) der hat dann in der Nachfolge von Adorno den Herrn Baier nach Frankfurt (.) äh geholt, ne und (.) den haben alle linken ähh Studentenführer als einen äh Linken gepriesen und das war ein ganz konservativer Mensch, ne und ich hörte ihn reden und äh mir war völlig klar, der ist außerordentlich konservativ ähm und die Studentenführer erzählten uns aber ähh, das ist ein Linker, der unsere Traditionen fortführt, und und uns besonders viele Zugeständnisse macht /  00:20:48-6&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=SozFra:Portal&amp;diff=109</id>
		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2007-05-04T15:28:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Texte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#f8f8ff;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Angaben  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dozent/in'''&lt;br /&gt;
[http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/klichtblau Prof. Dr. Klaus Lichtblau]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empiriepraktikum, 4 SWS'''&lt;br /&gt;
Zeit und Ort: Do 14:00 - 18:00, FLAT 6  (ab 19. April 2007)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mentoren:'' Fehmi Akalin; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/dr._amalia_barboza Amalia Barboza ]; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/tbenkel Thorsten Benkel ]; Aurélien Berlan; Claudius Härpfer; Felicia Herrschaft; Marek Mieszkalski; Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anleitungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitung zum Einstellen von Artikeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben. Es handelt sich dabei um eine arbeitsintensive Veranstaltung, die auch zum Teil die vorlesungsfreie Zeit zwischen dem SS 2007 und dem WS 2007/08 in Anspruch nehmen wird. Denkbar ist auch, daß aus diesem Lehrforschungsprojekt eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen werden, deren Niederschrift bereits im Rahmen der avisierten Laufzeit des Projektes erfolgt und im Rahmen dieser Veranstaltung wissenschaftlich betreut wird. In diesem Zusammenhang ist die Bildung von sechs Arbeitsgruppen vorgesehen, die sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt beschäftigen und die jeweils von einem der an diesem Lehrforschungsprojekt als Mentoren beteiligten Dozenten betreut werden. Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturliste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== I. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1945 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter Akademie für Handels- und Sozialwissenschaften und die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll) und die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik (Betreuer: Aurélien Berlan, [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Programm der Arbeitsgruppe [[Frankfurter Soziologie im Zeitraum zwischen 1930 und 1933]]: Karl Mannheim und Norbert Elias als etablierte Außenseiter der Profession (Betreuerin: [[Amalia Barboza]], Felicia Herrschaft)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radostina Ilieva  (radostpetrova@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Koester  (AlphaX@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Reis  (tobias-reis@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Patrick Taube  (Taube-PRW@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexander Thierfeld  (Alexander.thierfeld@googlemail.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Timo Wagner  (timo.frankfurt@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victoria Wendt  (.v_wendt@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== II. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Der demokatische Neubeginn in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie (Betreuer: Fehmi Akalin, [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform (Betreuer: Marek Mieszkalski, Marc Noguiera)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva Frankenthal  (eva.frankenthal@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Hesse  (tobihesse@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexandra Leo  (alex.leo@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nina Merget  (Nina_xxx@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kai Müller  (kasimu@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aki Sakuta  (aki_sakuta@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Julia Steinecker  (Julia.Steinecker@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Texte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 1:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel von '''Amalia Barboza'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Die verpassten Chancen einer Kooperation zwischen der „Frankfurter Schule“ und Karl Mannheims Soziologischem Seminar]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 2:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Eine Zusammenfassung von Theodor W. Adornos Aufsatz &amp;quot;Neue wertfreie Soziologie&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Aki Sakuta&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ein Vergleich der Theoriedimensionen der 'alten Kritischen Theorie' vor und nach der Emigration an Hand des Textes &amp;quot;Traditionelle und kritische Theorie&amp;quot; und der Vorlesung &amp;quot;Philosophische Elemente einer Theorie der Gesellschaft (1964)&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kritische Theorie - Negativität als Methode]] &lt;br /&gt;
von Thorsten Benkel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Kracauer revisited]]&lt;br /&gt;
von Fehmi Akalin&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Didaktisches Szenario==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wiki-System stellt eine produktive digitale Lernumgebung für die Erarbeitung eines Glossars über die Geschichte der Institutionalisierung der  soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität  Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag. Dieses Glossar kann auch weiteren Forschergruppen an der Universität Frankfurt oder assoziierten Instituten zur Verfügung gestellt werden. Dies soll die Zugänglichkeit und Weiterführung der dort erarbeiteten Informationen und Wissensformen garantieren. Diese gezielte Einbindung eines eLearning-Konzeptes in den Forschungsprozess kann die Betreuungssituation für fortgeschrittene Studierende verbessern, das Interesse an eLearning-Szenarien  wecken und die Grundlage bilden für den internationalen und interdisziplinären Austausch junger ForscherInnen. Zwischenergebnisse der einzelnen  Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Blended Learning Szenarien werden Ergebnisse, Artikel, Interviews, die in SOZFRA eingesetzt wurden in der Präsenzveranstaltung vorgestellt (Impulsreferate) und diskutiert. Aus diesem Lehrforschungsprojekt können außerdem eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen, deren Niederschrift bereits im Rahmen des MediaWikis (SOZFRA) erfolgt und für alle Beteiligten damit nachvollziehbar ist.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=108</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=108"/>
		<updated>2007-05-04T15:27:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Kracauer revisited'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den ''grands récits'' der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=107</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=107"/>
		<updated>2007-05-04T15:27:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Kracauer revisited'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den grands récits der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=106</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
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		<updated>2007-05-04T15:26:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Kracauer revisited&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den grands récits der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=105</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
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		<updated>2007-05-04T15:25:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;''''''Kracauer revisited&lt;br /&gt;
''''''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den grands récits der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=104</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=104"/>
		<updated>2007-05-04T15:24:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
== '''Kracauer revisited&lt;br /&gt;
''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den grands récits der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=Kracauer_revisited&amp;diff=103</id>
		<title>Kracauer revisited</title>
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		<updated>2007-05-04T15:23:44Z</updated>

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&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;'''Kracauer revisited&lt;br /&gt;
'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns kratzt in seinem Buch &amp;quot;Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit&amp;quot; am Selbstverständnis einer politisch korrekten Filmgeschichtsschreibung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört zu den grands récits der - vornehmlich deutschen - Filmgeschichtsschreibung, dass dem Spielfilm eine herausragende Bedeutung sowohl in der Vorbereitung als auch in der Konsolidierung der NS-Herrschaft zukommt. Stand für die 'Wegbereiter-These', nach der ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen den autoritären und regressiven Ideologien in den Filmen der 1920er und der frühen 1930er und dem Wahlerfolg der NSDAP besteht, Siegfried Kracauers einflussreiche sozialpsychologische Studie &amp;quot;Von Caligari zu Hitler&amp;quot; (1947) Pate, so hat die in den 1960er Jahren einsetzende kommunikationswissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem NS-Film ein ebenso wirkungsmächtiges Beobachtungsschema eingeführt, an dem noch heute Filmhistoriker laborieren: Im Nationalsozialismus hätten nahezu alle Spielfilme eine politisch-propagandistische Funktion erfüllt, sodass die eigentliche Frage nur lauten könne, ob es sich dabei im Einzelnen um 'manifest politische' oder 'latent politische' Filme handelte - tertium non datur! Dominierte dabei zunächst die Analyse des 'manifest politischen Tendenzfilms' die Forschungspraxis, so rückte bald der 'unpolitische' Unterhaltungsfilm mehr und mehr ins Zentrum des Forschungsinteresses, getreu dem rhetorischen Gemeinplatz, dass jene Propaganda die wirkungsvollste sei, die nicht dafür gehalten werde - der Unterhaltungsfilm als Trojanisches Pferd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Problematisch an solch einem Theoriemodell ist nicht nur das Festhalten an einem obsoleten behaviouristischen Menschenbild - das Publikum als Trivialmaschine -, sondern auch jene Form der kontingenzneutralisierenden Kausalzurechnung, die alternative Ursachen und Wirkungen ausblendet, indem sie - wie in diesem speziellen Fall - die Machtergreifung und den Machterhalt der Nationalsozialisten auf eine erfolgreiche 'Massenpropaganda' zurückführt und komplementär dazu die Wirkung des Unterhaltungsfilms in der 'systemkonformen' Ideologieproduktion sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insbesondere der zweite Teil dieses fragwürdigen Attributionsmodells wird von Ernst Offermanns in einer schmalen Streitschrift (130 Seiten) nach allen Regeln der empiriegesättigten Geschichtsschreibung einer massiven Dekonstruktion unterzogen. Berichte von Zeitzeugen und andere Zeitdokumente wie die Tätigkeitsberichte von Kulturveranstaltern oder Produktionsnotizen stellen für den Autor eine feste Grundlage für die These dar, dass der Unterhaltungsfilm vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten auch und gerade von den 'deutschen Juden' keinesfalls &amp;quot;als bloßes Derivat des antisemitischen politischen Systems beargwöhnt und abgelehnt&amp;quot;, sondern im Gegenteil &amp;quot;durchweg als unideologisch eingeschätzt [...]&amp;quot; wurde. Diese generelle These wird von Offermanns in einer dezidierten Absetzbewegung von der etablierten Filmforschung entlang der drei Komponenten der Filmkommunikation - von der Produktion über die Distribution bis zur Rezeption - in äußerst überzeugender Form plausibel gemacht, wobei sein besonderes Interesse ganz im Sinne einer 'Geschichtsschreibung von unten' der Rezeptionskomponente gilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was die Produktionsseite betrifft, so gibt es für Offermanns weder für die Zeit vor noch nach 1933 (bis zum Ausbruch des Krieges) einen Beleg dafür, dass der Unterhaltungsfilm in irgendeiner Weise &amp;quot;intentional&amp;quot; den Faschisten zugearbeitet hätte. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise an den überaus populären nationalen Historienfilmen der frühen 30er Jahre - von denen die Filmgeschichtsschreibung eine Linie zu den während des Zweiten Weltkriegs gedrehten nationalistischen Durchhaltefilmen zieht und in denen sie &amp;quot;manifest nationalistische, militaristische, autoritäre oder nationalsozialistische Denk- und Verhaltensmuster&amp;quot; propagiert sieht - &amp;quot;namhafte jüdische Filmproduzenten und -künstler&amp;quot; beteiligt waren, erscheint Offermanns die &amp;quot;Vorstellung&amp;quot;, diese hätten &amp;quot;dem notorischen radikalen Antisemiten Hitler den Weg zur Macht&amp;quot; geebnet, schlichtweg &amp;quot;absurd&amp;quot;. Auch emigrierte Künstler attestieren in ihren Berichten &amp;quot;der Produktion, insbesondere der Ufa&amp;quot;, generell das Bemühen, dem &amp;quot;politischen Druck&amp;quot; nicht nachgegeben, diesen gar &amp;quot;unterlaufen&amp;quot; zu haben, indem sie etwa eine Politik des &amp;quot;Ausweichens vor der deutschen Gegenwart&amp;quot; betrieb, ihre Sujets zumeist ins Ausland oder in die Vergangenheit verlagerte. Es ist bemerkenswert, dass Offermanns hier nicht in die übliche Dämonisierung des eskapistischen Films einstimmt, sondern gerade in diesem eine erfolgreiche Immunisierungsstrategie gegenüber den Interventionsbemühungen der NS-Kulturpolitik sieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ein zweites, von der 'Kulturindustrie'-Kritik hartnäckig vertretenes Axiom - das der unheiligen Allianz zwischen kapitalistischem Wirtschaftssystem und Politik - wird hier ad absurdum geführt: Es gelang den Nationalsozialisten nicht, den Film in ähnlicher Form wie die Presse oder den Rundfunk gleichzuschalten, einfach weil &amp;quot;man das zahlende Publikum nur ins Kino ziehen kann, wenn man ihm das bietet, was es sehen will&amp;quot;, wie Offermanns zustimmend den Publizisten Heinrich Fraenkel zitiert. Jedenfalls steht die vorherrschende Produktionspraxis dieser Zeit in diametralem Gegensatz zu den Intentionen Goebbels, der beispielsweise im Jahre 1935 auf einem Filmkongress dem Unterhaltungsfilm vorwirft, &amp;quot;[...] vor der Härte des Tages [zu] entweichen und sich in einem Traumland [zu] verlieren, das nur in den Gehirnen wirklichkeitsfremder Regisseure und Manuskriptschreiber, sonst aber nirgendwo in der Welt liegt&amp;quot;. Erst ab 1941/1942, nach ersten militärischen Krisen, nimmt Goebbels seine massive Kritik am deutschen Unterhaltungsfilm teilweise zurück und spricht nun davon, dass Unterhaltung &amp;quot;auch kriegswichtig&amp;quot; sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Berücksichtigung der Distributionsseite, von der Filmgeschichtsschreibung zumeist sträflich vernachlässigt, erlaubt wertvolle Einsichten in die Filmkommunikation in der Nazi-Diktatur. Im Rahmen des 'Jüdischen Kulturbundes', 1933 &amp;quot;im Einvernehmen mit den deutschen Regierungsbehörden&amp;quot; zur &amp;quot;Pflege der künstlerischen und geistigen Bestrebungen der Juden in Deutschland&amp;quot; ins Leben gerufen, von staatlicher Seite als &amp;quot;Instrument der Ghettoisierung&amp;quot; betrachtet, vom Propagandaministerium im Kompetenzgerangel mit der SS demonstrativ geduldet, nimmt die Berliner Filmbühne nach dem 'Erlass des Kinoverbots für Juden' im November 1938 ihre Arbeit auf und stellt zahlen- und einnahmemäßig &amp;quot;das Hauptkontingent der Kulturveranstaltungen des Kulturbundes&amp;quot; dar. Jedoch: Das Repertoire bestand überwiegend aus jenen deutschen Filmen, &amp;quot;die zumeist während der Jahre 1938-41 gedreht worden waren, also in der Phase der gefestigten NS-Diktatur&amp;quot;. Eine &amp;quot;spezifisch jüdische [...] Kultur in Deutschland&amp;quot; existierte nämlich nicht, die wenigen Exemplare stießen beim Publikum auf &amp;quot;Skepsis, Desinteresse oder gar offene Ablehnung&amp;quot;. Stattdessen sind die Veranstalter bemüht, die Aufführung der zumeist amerikanischen und deutschen Filme &amp;quot;terminmässig so anzusetzen, dass sie gleichzeitig mit der Uraufführung der grossen Berliner Premierentheater stattfinden&amp;quot; können, wie es in einem 'Bericht der Filmabteilung' nicht ohne Stolz heißt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Jahresberichte des 'Kulturbundes' gewähren auch interessante Einblicke in das Rezeptionsverhalten des jüdischen Publikums. Filme, die in den 'öffentlichen' Kinos die populärsten sind, sind auch in der 'Filmbühne' die größten Publikumsmagneten. Der erfolgreichste Film des Jahres 1939 ist &amp;quot;Robert Koch, der Bekämpfer des Todes&amp;quot; - ein Film, der der Filmgeschichtsschreibung bis dato als antisemitischer Tendenzfilm gilt, u. a. weil er auf der message-Ebene angeblich eine Identifizierung der Tuberkulosebakterien mit dem Judentum vornehme. Für die jüdischen Zuschauer indes war er einfach ein Film mit &amp;quot;überdurchschnittliche[m] Unterhaltungswert&amp;quot;. Offermanns beschränkt sich jedoch nicht auf quantitative Daten, um das zeitgenössische Publikumsverhalten zu rekonstruieren, vielmehr und vor allem lässt er ausgiebig die Betroffenen selbst zu Wort kommen. In den Schilderungen dieser Zeitzeugen kommt denn auch eine - den Prämissen der üblichen Filmforschung völlig widersprechende - &amp;quot;unvoreingenommene, unbefangene, aufgeschlossene und zumeist zustimmende Einstellung deutscher Juden&amp;quot; gegenüber dem Spielfilm der NS-Zeit zum Ausdruck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Besonders eindringlich sind die Berichte derjenigen, die nach dem Erlass des Kinoverbots oder nach der Deportation aus dem Untergrund trotz erheblicher Risiken den Besuch eines Kinos wagten. Aufschlussreich sind auch die Berichte des &amp;quot;jüdischen Kinoenthusiasten&amp;quot; Victor Klemperer. Lediglich an einer Stelle seiner Tagebuchnotizen kommt Klemperer auf die politischen Aspekte eines Films zu sprechen, ansonsten steht bei ihm eindeutig der Unterhaltungscharakter der Produktionen im Vordergrund, insbesondere haben es ihm die Schauspielerstars angetan. Beim 'Zwangsumzug' in eine enge Wohnung muss er seine umfangreiche Bibliothek auflösen, &amp;quot;doch die großen Kinoprogramme mit ihren amüsanten Bildern sollen bewahrt werden&amp;quot;. Als Klemperer nach dem 'Kinoverbot für Juden' das erste Mal nach sieben Jahren wieder ein Kino besuchen kann, fällt seine Wahl auf den Marika Rökk-Film &amp;quot;Die Frau meiner Träume&amp;quot; von 1944 - auch er ein Lieblingsobjekt der ideologiekritischen Filmforschung; Klemperer ist von dem Film enttäuscht, nicht jedoch aus politisch-ideologischen Gründen, sondern einzig und allein aus künstlerischen: Sein Verdikt &amp;quot;Abenteuer im Circus- und USA-Stil&amp;quot; bewegt sich eindeutig im Rahmen des Kunst-, nicht etwa des Politik-Diskurses.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es sind nicht zuletzt diese Passagen, in denen Offermanns dank einer geschickten Kompilation von Einzelzeugnissen die lebendige Rekonstruktion der Bedeutung des Films in einer dunklen Zeit gelingt - einer Zeit, in der sich die moderne Differenzierung von Unterhaltung und Politik, einmal eingeführt, trotz allem nicht so leicht wieder rückgängig machen lässt. Auch wenn der Autor diese Schlussfolgerung nicht explizit zieht, so lassen sich für eine empirische Kunstsoziologie aus Offermanns überaus lesenswerter Studie doch sehr differenzierte und instruktive Einsichten in die gleichzeitige Independenz und Interdependenz von Politik und Kunst gewinnen - Einsichten, zu denen die orthodoxe Filmgeschichtsschreibung aufgrund einer falsch verstandenen political correctness bis heute mehrheitlich offenbar nicht fähig ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ernst Offermanns: Die deutschen Juden und der Spielfilm der NS-Zeit.&lt;br /&gt;
Peter Lang Verlag, Frankfurt a. M. 2005.&lt;br /&gt;
130 Seiten, 27,50 EUR.&lt;br /&gt;
ISBN 3631538146&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
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		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2007-05-04T15:21:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Texte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#f8f8ff;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Angaben  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dozent/in'''&lt;br /&gt;
[http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/klichtblau Prof. Dr. Klaus Lichtblau]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empiriepraktikum, 4 SWS'''&lt;br /&gt;
Zeit und Ort: Do 14:00 - 18:00, FLAT 6  (ab 19. April 2007)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mentoren:'' Fehmi Akalin; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/dr._amalia_barboza Amalia Barboza ]; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/tbenkel Thorsten Benkel ]; Aurélien Berlan; Claudius Härpfer; Felicia Herrschaft; Marek Mieszkalski; Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anleitungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitung zum Einstellen von Artikeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben. Es handelt sich dabei um eine arbeitsintensive Veranstaltung, die auch zum Teil die vorlesungsfreie Zeit zwischen dem SS 2007 und dem WS 2007/08 in Anspruch nehmen wird. Denkbar ist auch, daß aus diesem Lehrforschungsprojekt eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen werden, deren Niederschrift bereits im Rahmen der avisierten Laufzeit des Projektes erfolgt und im Rahmen dieser Veranstaltung wissenschaftlich betreut wird. In diesem Zusammenhang ist die Bildung von sechs Arbeitsgruppen vorgesehen, die sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt beschäftigen und die jeweils von einem der an diesem Lehrforschungsprojekt als Mentoren beteiligten Dozenten betreut werden. Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturliste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== I. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1945 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter Akademie für Handels- und Sozialwissenschaften und die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll) und die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik (Betreuer: Aurélien Berlan, [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Programm der Arbeitsgruppe [[Frankfurter Soziologie im Zeitraum zwischen 1930 und 1933]]: Karl Mannheim und Norbert Elias als etablierte Außenseiter der Profession (Betreuerin: [[Amalia Barboza]], Felicia Herrschaft)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radostina Ilieva  (radostpetrova@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Koester  (AlphaX@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Reis  (tobias-reis@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Patrick Taube  (Taube-PRW@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexander Thierfeld  (Alexander.thierfeld@googlemail.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Timo Wagner  (timo.frankfurt@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victoria Wendt  (.v_wendt@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== II. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Der demokatische Neubeginn in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie (Betreuer: Fehmi Akalin, [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform (Betreuer: Marek Mieszkalski, Marc Noguiera)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva Frankenthal  (eva.frankenthal@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Hesse  (tobihesse@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexandra Leo  (alex.leo@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nina Merget  (Nina_xxx@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kai Müller  (kasimu@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aki Sakuta  (aki_sakuta@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Julia Steinecker  (Julia.Steinecker@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Texte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 1:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel von '''Amalia Barboza'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Die verpassten Chancen einer Kooperation zwischen der „Frankfurter Schule“ und Karl Mannheims Soziologischem Seminar]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 2:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Eine Zusammenfassung von Theodor W. Adornos Aufsatz &amp;quot;Neue wertfreie Soziologie&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Aki Sakuta&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ein Vergleich der Theoriedimensionen der 'alten Kritischen Theorie' vor und nach der Emigration an Hand des Textes &amp;quot;Traditionelle und kritische Theorie&amp;quot; und der Vorlesung &amp;quot;Philosophische Elemente einer Theorie der Gesellschaft (1964)&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kritische Theorie - Negativität als Methode]] &lt;br /&gt;
von Thorsten Benkel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[[Kracauer revisited]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Didaktisches Szenario==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wiki-System stellt eine produktive digitale Lernumgebung für die Erarbeitung eines Glossars über die Geschichte der Institutionalisierung der  soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität  Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag. Dieses Glossar kann auch weiteren Forschergruppen an der Universität Frankfurt oder assoziierten Instituten zur Verfügung gestellt werden. Dies soll die Zugänglichkeit und Weiterführung der dort erarbeiteten Informationen und Wissensformen garantieren. Diese gezielte Einbindung eines eLearning-Konzeptes in den Forschungsprozess kann die Betreuungssituation für fortgeschrittene Studierende verbessern, das Interesse an eLearning-Szenarien  wecken und die Grundlage bilden für den internationalen und interdisziplinären Austausch junger ForscherInnen. Zwischenergebnisse der einzelnen  Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Blended Learning Szenarien werden Ergebnisse, Artikel, Interviews, die in SOZFRA eingesetzt wurden in der Präsenzveranstaltung vorgestellt (Impulsreferate) und diskutiert. Aus diesem Lehrforschungsprojekt können außerdem eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen, deren Niederschrift bereits im Rahmen des MediaWikis (SOZFRA) erfolgt und für alle Beteiligten damit nachvollziehbar ist.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=SozFra:Portal&amp;diff=101</id>
		<title>SozFra:Portal</title>
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		<updated>2007-05-04T15:21:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: /* Texte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;__TOC__&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;background-color:#f8f8ff;&amp;quot;&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== '''Lehrforschungsprojekt: Soziologie in Frankfurt''' ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Angaben  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Dozent/in'''&lt;br /&gt;
[http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/klichtblau Prof. Dr. Klaus Lichtblau]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Empiriepraktikum, 4 SWS'''&lt;br /&gt;
Zeit und Ort: Do 14:00 - 18:00, FLAT 6  (ab 19. April 2007)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
''Mentoren:'' Fehmi Akalin; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/index.pl/dr._amalia_barboza Amalia Barboza ]; [http://www.gesellschaftswissenschaften.uni-frankfurt.de/tbenkel Thorsten Benkel ]; Aurélien Berlan; Claudius Härpfer; Felicia Herrschaft; Marek Mieszkalski; Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anleitungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitungen zum wissenschaftlichen Arbeiten]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Anleitung zum Einstellen von Artikeln]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenstand dieses sich über zwei Semester erstreckenden Lehrforschungsprojektes ist die Geschichte der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag, der durch eine nicht nur generationsbedingte Umbruchphase gekennzeichnet ist, in dem sich das Gesicht der Frankfurter Soziologie in naher Zukunft dramatisch verändern wird. Die Veranstaltung bezieht also historische wie zeitgenössische Aspekte der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt bewußt aufeinander, um anhand von historischen Quellen und zeitgenössischen Methoden der empirischen Sozialforschung dasjenige intellektuelle und politische Spektrum auszumessen, wofür der Wissenschaftsstandort Frankfurt einmal stand bzw. heute steht und vielleicht dereinst stehen könnte. Zu diesem Zweck sollen auch eine Reihe von Akteuren und Zeitzeugen befragt werden, die in den letzten Jahrzehnten maßgeblich das Erscheinungsbild der Frankfurter Soziologie mitgeprägt haben bzw. seinen Wandel aufmerksam mitverfolgt haben. Es handelt sich dabei um eine arbeitsintensive Veranstaltung, die auch zum Teil die vorlesungsfreie Zeit zwischen dem SS 2007 und dem WS 2007/08 in Anspruch nehmen wird. Denkbar ist auch, daß aus diesem Lehrforschungsprojekt eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen werden, deren Niederschrift bereits im Rahmen der avisierten Laufzeit des Projektes erfolgt und im Rahmen dieser Veranstaltung wissenschaftlich betreut wird. In diesem Zusammenhang ist die Bildung von sechs Arbeitsgruppen vorgesehen, die sich mit unterschiedlichen Phasen und Akteuren innerhalb des nun bald hundertjährigen Prozesses der Institutionalisierung der soziologischen Forschung und Lehre an der Universität Frankfurt beschäftigen und die jeweils von einem der an diesem Lehrforschungsprojekt als Mentoren beteiligten Dozenten betreut werden. Zwischenergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturliste ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Literaturliste]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Arbeitsgruppen ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== I. Frankfurt als Stiftungsuniversität bis 1945 ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre an der alten Frankfurter Akademie für Handels- und Sozialwissenschaften und die Gründung der Universität Frankfurt als Stiftungsuniversität des Frankfurter Bürgertums im Jahre 1914 (wobei insbesondere auch auf die mäzenatische Rolle des jüdischen Bürgertums eingegangen werden soll) und die &amp;quot;wilden zwanziger Jahre&amp;quot;: Frankfurter Soziologie in der Weimarer Republik und ihr Verhältnis zum philosophischen Elfenbeinturm sowie zur außerakademischen Kunstkritik und Kulturessayistik (Betreuer: Aurélien Berlan, [[Claudius Härpfer]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Programm der Arbeitsgruppe [[Frankfurter Soziologie im Zeitraum zwischen 1930 und 1933]]: Karl Mannheim und Norbert Elias als etablierte Außenseiter der Profession (Betreuerin: [[Amalia Barboza]], Felicia Herrschaft)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Radostina Ilieva  (radostpetrova@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Christian Koester  (AlphaX@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Reis  (tobias-reis@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Patrick Taube  (Taube-PRW@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexander Thierfeld  (Alexander.thierfeld@googlemail.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Timo Wagner  (timo.frankfurt@t-online.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Victoria Wendt  (.v_wendt@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
=== II. Neubeginn in den 1950er - Frankfurter Soziologie heute und morgen ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Programmpunkte:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Der demokatische Neubeginn in den 1950er und 1960er Jahren: Die Rückkehr der Emigranten aus dem amerikanischen Exil und das spannungsreiche Verhältnis der &amp;quot;Frankfurter Schule der Soziologie&amp;quot; zur Philosophie und Ökonomie (Betreuer: Fehmi Akalin, [[Thorsten Benkel]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* - Die Studentenrevolte von 1968 und die Entstehung des heutigen Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften aus der Konkursmasse der von Jürgen Habermas und Ludwig von Friedeburg beabsichtigten Hochschulreform (Betreuer: Marek Mieszkalski, Marc Noguiera)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Teilnehmer:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eva Frankenthal  (eva.frankenthal@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tobias Hesse  (tobihesse@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alexandra Leo  (alex.leo@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nina Merget  (Nina_xxx@web.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kai Müller  (kasimu@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aki Sakuta  (aki_sakuta@yahoo.com)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Julia Steinecker  (Julia.Steinecker@gmx.de)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Texte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 1:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Artikel von '''Amalia Barboza'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Die verpassten Chancen einer Kooperation zwischen der „Frankfurter Schule“ und Karl Mannheims Soziologischem Seminar]] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
'''Arbeitsgruppe 2:'''&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Eine Zusammenfassung von Theodor W. Adornos Aufsatz &amp;quot;Neue wertfreie Soziologie&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Aki Sakuta&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Ein Vergleich der Theoriedimensionen der 'alten Kritischen Theorie' vor und nach der Emigration an Hand des Textes &amp;quot;Traditionelle und kritische Theorie&amp;quot; und der Vorlesung &amp;quot;Philosophische Elemente einer Theorie der Gesellschaft (1964)&amp;quot;]] &lt;br /&gt;
von Marc Noguiera&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* [[Kritische Theorie - Negativität als Methode]] &lt;br /&gt;
von Thorsten Benkel&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kracauer revisited]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Didaktisches Szenario==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Wiki-System stellt eine produktive digitale Lernumgebung für die Erarbeitung eines Glossars über die Geschichte der Institutionalisierung der  soziologischen Forschung und Lehre an der Johann Wolfgang Goethe-Universität  Frankfurt seit ihrer Gründung als Stiftungsuniversität im Jahre 1914 bis zum heutigen Tag. Dieses Glossar kann auch weiteren Forschergruppen an der Universität Frankfurt oder assoziierten Instituten zur Verfügung gestellt werden. Dies soll die Zugänglichkeit und Weiterführung der dort erarbeiteten Informationen und Wissensformen garantieren. Diese gezielte Einbindung eines eLearning-Konzeptes in den Forschungsprozess kann die Betreuungssituation für fortgeschrittene Studierende verbessern, das Interesse an eLearning-Szenarien  wecken und die Grundlage bilden für den internationalen und interdisziplinären Austausch junger ForscherInnen. Zwischenergebnisse der einzelnen  Arbeitsgruppen sollen in dem während der Vorlesungszeit regelmäßig stattfindenden Plenum zur Diskussion gestellt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Blended Learning Szenarien werden Ergebnisse, Artikel, Interviews, die in SOZFRA eingesetzt wurden in der Präsenzveranstaltung vorgestellt (Impulsreferate) und diskutiert. Aus diesem Lehrforschungsprojekt können außerdem eine Reihe von Diplom- und Magisterarbeiten entstehen, deren Niederschrift bereits im Rahmen des MediaWikis (SOZFRA) erfolgt und für alle Beteiligten damit nachvollziehbar ist.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.studiumdigitale.uni-frankfurt.de/SOZFRA/index.php?title=SozFra_Diskussion:Portal&amp;diff=100</id>
		<title>SozFra Diskussion:Portal</title>
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		<updated>2007-05-04T15:18:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Fehmi Akalin: Die Seite wurde neu angelegt: Kracauer revisited&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Kracauer revisited]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Fehmi Akalin</name></author>
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