Urkunden: Unterschied zwischen den Versionen

Aus OKAPI Geschichte
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 28: Zeile 28:
 
* Urkunden sind uns entweder als Original oder als Abschrift / Kopie erhalten.
 
* Urkunden sind uns entweder als Original oder als Abschrift / Kopie erhalten.
 
* Rechtskraft besitzen auch beglaubigte Abschriften, die als '''Vidimus''' (vollständiger Text) oder '''Transsumpt''' (Wiedergabe des Inhalts in einer neuen Urkunde) überliefert sind.
 
* Rechtskraft besitzen auch beglaubigte Abschriften, die als '''Vidimus''' (vollständiger Text) oder '''Transsumpt''' (Wiedergabe des Inhalts in einer neuen Urkunde) überliefert sind.
 +
* Urkunden sind überliefert als Einzelstücke (gilt v.a. für Originale) oder in Sammlungen / Zusammenstellungen (meist als Abschriften):
 +
** '''Register''' sammeln den Urkundenausgang eines bestimmten '''Ausstellers''' (meist nicht als „echte Kopie“, sondern als Sammlung der Konzeptfassungen).
 +
Wichtig, insbesondere für die Frühzeit, sind die Papstregister; kgl. Register existieren erst ab dem 13. Jh. (Westeuropa) oder 14. Jh. (Deutschland).
 +
** '''Kopiare''' (Kopialbücher, Chartulare) sammeln den Urkundeneingang eines bestimmten Empfängers, also von versch. Ausstellern.
 +
Mittelalterliche Kopiare werden fast ausschließlich von kirchlichen '''Empfängern''' geführt; die meisten „Privaturkunden“ (s.u.) sind nur so überliefert.

Version vom 29. März 2012, 18:18 Uhr

Definition

Eine Urkunde ist ein in bestimmten Formen abgefasstes, beglaubigtes und daher verbindliches Schriftstück, das ein Rechtsgeschäft dokumentiert. (Goetz, Proseminar, 135)

Zum Verständnis mittelalterlicher Urkunden ist es wichtig zu wissen,

  • daß ein mittelalterliches Rechtsgeschäft nicht unbedingt einer Urkunde bedurfte, um rechtskräftig zu sein – es konnte und wurde auch mündlich, unter Zeugen und in Durch-führung ritualisierter, symbolischer Rechtshandlungen vollzogen werden;
  • daß viele mittelalterliche Urkunden derartig vollzogene Rechtsgeschäfte erst nachträglich bestätigten (dazu siehe auch unten: notitia vs. carta), ohne daß die eigene Rechtsgültigkeit und Beweiskraft darunter litten.
  • Andererseits weist die hohe Zahl überlieferter Urkunden auf eine hohe Wertschätzung und auf die Beweiskraft solcher Verschriftlichung von Rechtsgeschäften hin.


Aussagekraft

  • Urkunden geben nicht immer geltendes Recht wider, sondern unter Umständen auch nur Rechtsansprüche des Empfängers.
    • Urkunden können bereits vorhandene Rechtsansprüche untermauern.
    • Urkunden können längst gewährte (u. evtl. beeurkundete) Rechte bestätigen.
  • Der den Urkunden (im Laufe des Mittelalters immer stärker) zukommende Beweischarakter führt zu einer ganzen Reihe mittelalterlicher Urkundenfälschungen.
    • Achtung: Gefälschte Urkunden können aber auch ein „echtes“ Rechtsgeschäft bestätigen / beweisen wollen.
    • Besondere Bedeutung kommt daher der Quellenkritik zu, die so zu einer eigenen historischen Hilfswissenschaft geworden ist, der Diplomatik.
  • Einzelurkunden sind nur in Ausnahmefällen historisch aussagekräftig, erst größere, abgegrenzte Bestände (Urkundenserien) stellen solide Materialgrundlage für rechts-, verfassungs-, gesellschafts- oder wirtschaftshistorische Erkenntnisse dar.


Überlieferung

  • Urkunden sind uns entweder als Original oder als Abschrift / Kopie erhalten.
  • Rechtskraft besitzen auch beglaubigte Abschriften, die als Vidimus (vollständiger Text) oder Transsumpt (Wiedergabe des Inhalts in einer neuen Urkunde) überliefert sind.
  • Urkunden sind überliefert als Einzelstücke (gilt v.a. für Originale) oder in Sammlungen / Zusammenstellungen (meist als Abschriften):
    • Register sammeln den Urkundenausgang eines bestimmten Ausstellers (meist nicht als „echte Kopie“, sondern als Sammlung der Konzeptfassungen).

Wichtig, insbesondere für die Frühzeit, sind die Papstregister; kgl. Register existieren erst ab dem 13. Jh. (Westeuropa) oder 14. Jh. (Deutschland).

    • Kopiare (Kopialbücher, Chartulare) sammeln den Urkundeneingang eines bestimmten Empfängers, also von versch. Ausstellern.

Mittelalterliche Kopiare werden fast ausschließlich von kirchlichen Empfängern geführt; die meisten „Privaturkunden“ (s.u.) sind nur so überliefert.